Nachwuchsförderung im Fokus Tennis Club Bramsche gibt es bereits seit 1908

Von Matthias Benz


Bramsche. In unregelmäßigen Abständen werden wir an dieser Stelle alle großen und kleinen Sportvereine in unserem Verbreitungsgebiet vorstellen. Im dritten Teil der Serie „Unsere Vereine“ widmen wir uns heute dem Tennis Club Bramsche.

Tennis hat in Deutschland eine wechselvolle Geschichte hinter sich: Vom einstigen Sport der Reichen über den großen Boom um Boris Becker und Steffi Graf bis heute. Viele Vereine suchen händeringend nach Nachwuchs und auch im TC Bramsche hat sich das Bewusstsein durchgesetzt, dass der Jugendbereich stärker gefördert werden muss.

Seit Anfang des Jahres ist Heike Schawe als Jugendwartin für diesen Bereich zuständig. „Wir müssen hier viel neu aufbauen. Aber wir haben es mit Schnuppertrainingseinheiten und anderen Initiativen in diesem Jahr schon geschafft, 15 Kinder zu gewinnen. Teilweise sind sogar die Eltern dadurch zum Tennis gekommen“, freut sich die Bramscherin, die selbst auch noch im Frauenteam aktiv ist. „Man muss natürlich langsam anfangen. Bei den ganz jungen geht es auch nicht um Wettbewerbe und Pokale.“ Erst einmal stehe der Spaß am Spiel im Vordergrund.

Damit auch die kleinsten Vereinsmitglieder ihrem Leistungsvermögen gerecht trainieren können, wurde kürzlich einer der sieben Tennisplätze am Wiederhall umgebaut, sodass dort nun auch im Halbfeld gespielt werden kann. Der Weltverband ITF hat dazu auch das Trainingskonzept „Play and Stay“ initiiert, das auch in Bramsche angewendet wird. Dazu gehören kürzere Schläger oder weichere und größere Bälle, die es möglich machen, dass die Trainingsbedingungen an die körperlichen Voraussetzungen und die Fähigkeiten der Kinder individuell angepasst werden.

Der Tennis Club streckt seine Fühler immer wieder aus, seit einiger Zeit gibt es zum Beispiel eine Kooperation mit dem Hotel Idingshof. Ab dem Sommer soll außerdem die Zusammenarbeit mit den Schulen verstärkt werden. Niklas Fortmann hat im August seinen Bundesfreiwilligendienst angetreten, der TCB „teilt“ sich den jungen Mann mit der IGS, die neu in Bramsche eingerichtet wird.

Clubhaus als Treffpunkt

Der TC Bramsche kann auf eine lange Geschichte zurückblicken, seit 1908 gibt es den Verein, der von einer kleinen Gruppe gegründet wurde und über die Jahrzehnte immer mehr Mitglieder umfasste. Über sieben Plätze verfügt der Club mittlerweile auf dem Gelände am Wiederhall. Bei schlechtem Wetter steht außerdem die Tennishalle zur Verfügung. Anfang der 1980er Jahre wurde auch das Clubhaus eingeweiht, das heute eine ganz zentrale Rolle im Vereinsleben einnimmt.

Jeden Dienstag trifft sich dort nämlich die ältere Garde des TCB. Seit über 20 Jahren kommen jene Sportler dort zusammen, die zum Teil für die größten Erfolge des Vereins gesorgt haben, mittlerweile aber nicht mehr nur wegen des sportlichen Ehrgeizes herkommen. Zwar wird immer erst eine Stunde gespielt, dann setzen sich die Herren aber zusammen, kochen und trinken etwas und genießen den Zusammenhalt. Einige Mitglieder können aufgrund ihres Alters zwar nicht mehr spielen, sind aber trotzdem dienstags noch regelmäßig dabei.

„Man muss am Ball bleiben und versuchen, fit zu bleiben“, meint Hermann Smidt, der noch zu den aktiveren gehört. Der ehemalige Vereinsvorsitzende spielt zwar mittlerweile für eine Mannschaft in Espelkamp, der TCB bleibt aber seine Heimat. In der Altersklasse der 70- bis 75-Jährigen ist er vor zwei Jahren noch deutscher Vizemeister geworden. „In diesem Jahr war leider schon im Achtelfinale Schluss. Die Jungen sind einfach ein bisschen zu schnell gewesen.“ Mit „jung“ sind dabei übrigens die 70-Jährigen gemeint.

Die Männer des TC Bramsche haben etwa zehn Jahre lang in der Regionalliga gespielt, die Erfolge von damals sind immer noch Gesprächsthema bei den wöchentlichen Treffen. Tatsächlich kann man sich die Trainingsspiele gut ansehen. Zwar sprinten und hechten die Vertreter der Ü-60-Generation nicht mehr jedem Ball hinterher, dafür kann jeder gut mit dem Schläger umgehen und auch das Stellungsspiel im Doppel läuft schlafwandlerisch.

Wolfgang Johannes ist seit anderthalb Jahren Vorsitzender des Tennis Club Bramsche. Ihn freut es, dass alle Mitglieder den Verein nach ihrem Interesse nutzen. „Es muss nicht immer das sportliche Streben im Vordergrund stehen. Ein Sportverein wird immer auch aus sozialer Sicht genutzt“, erklärt er. Als er Anfang 2014 in sein Amt gewählt wurde, unternahm er mit seinen Vorstandskollegen erst einmal eine Bestandsaufnahme. „Ich sehe meine Rolle nicht nur darin, den Verein zu verwalten, sondern auch zu schauen, wie es in zehn oder zwanzig Jahren aussehen kann.“ Die Mitgliederzahlen waren auf einem langjährigen Abwärtstrend, was nicht zuletzt für die Finanzlage des Vereins gefährlich ist. „Wir konnten diesen Trend zumindest stoppen. Uns fehlt aber der Mittelbau.

Der Jugendbereich ist das Steckenpferd von Tennislehrer Hans-Peter Meyer, der nicht nur beim TCB, sondern auch in anderen Vereinen der Region unterrichtet. „Jeder Verein hat mittlerweile Probleme, Jugendmannschaften aufzustellen“, weiß er. Gerade in Bramsche, wo es neben dem TC noch vier weitere Tennisvereine gebe, sei es schwierig. „Deswegen gibt es immer mehr Spielgemeinschaften, die Entwicklung gibt es in anderen Sportarten ja auch schon.“ Zwei Nachmittage in der Woche verbringt er in der Regel am Wiederhall. „Die Anlage ist schön und auch sehr groß, da hat man immer Platz zum Spielen.“ Seine Jugendlichen, die zwischen 13 und 18 Jahren alt sind, gehen naturgemäß mit unterschiedlichem Eifer an den Tennissport heran. „Manche sind schon sehr leistungsorientiert, andere sind nicht ganz so ehrgeizig. Da steht dann eher der Spaß im Mittelpunkt“, schmunzelt Hans-Peter Meyer. Eines ist ihm aber in den letzten Jahren aufgefallen: „Früher war es ganz normal, dass Jugendliche Tennis und noch eine andere Sportart wie Fußball oder Basketball betrieben haben. Heute wollen viele Eltern, dass sich ihr Kind für eine Sportart entscheidet.“

Auch wenn die Jugendarbeit ein breiteres Fundament haben könnte, sind die Nachwuchstalente beim TCB erfolgreich unterwegs. Die Damenjugend ist zuletzt aufgestiegen und erst Ende Juli konnten die A-Jugendlichen Fabian Bußmann, Bjarne Knost und Christian Bergmann das Finale des Weser-Ems-Pokals erreichen.

Kein Elite-Sport mehr

Lange war Tennis ein Sport der Eliten, das galt zum Teil auch für Bramsche. „Früher brauchte man ja noch einen Leumund, wenn man überhaupt Mitglied werden wollte“, erinnern sich auch die Herren aus der Dienstagsgruppe. Zum Glück sei das aber seit Jahrzehnten nicht mehr so, darüber sind sich alle im Verein einig. Der Sport steht für jeden offen, genau wie der TC Bramsche.