Cornelia Glindkamp liest Bramscherin aus der Reha-Werkstatt zum NDR

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Bramsche. Für Cornelia Glindkamp ist es schon fast Routine: Bereits zum dritten Mal liest die Mitarbeiterin der Bramscher Reha-Werkstätten eigene Texte im Rahmen der Andachtsreihe „Himmel und Erde“ auf NDR 1. Glindkamp wird am 24., 26. und 28. August jeweils um 9.15 Uhr in NDR 1 zu hören sein. „Von kleinen Wundern im großen Alltag“ lautet das Wochenmotto.

Glindkamp ist 44 Jahre alt, verheiratet und lebt am Bramscher Berg. Seit 1999 arbeitet sie in der Einrichtung der Heilpädagogischen Hilfe Bersenbrück an der Hermann-Bohne-Straße in Bramsche. Eine seelische Erkrankung und ein chronisches Rückenleiden machten es ihr schwer, auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. In der Reha-Werkstatt arbeitet sie in der Handbuchbinderei, fertigt Bücher aller Art, Alben, Schachteln und vieles mehr. Zudem unterliegt ihr die Qualitätskontrolle der fertigen Objekte. Neben ihrer handwerklichen Arbeit schreibt sie unter anderem für zwei Werkstatt- und Verbandszeitschriften und das Ortsteilmagazin „Wir in Ueffeln und Balkum“. Sie singt im Gospelchor und liest in Gottesdiensten Gebete und andere Texte.

„Schreiben ist einfach mein Hobby“, sagt die Bramscherin. „Die Inspiration fliegt mich einfach so an, zu allen Zeiten, an jedem Ort“. Oft verarbeitet sie dabei persönliche Erfahrungen, manchmal sind es Erlebnisse von Bekannten oder Kollegen, die sie in ihren Texten aufgreift. „Ich habe keinen journalistischen oder theologischen Hintergrund“, räumt sie ein. Aber vielleicht macht gerade das ihre Texte so authentisch.

„Tausend-Meter-Läufer“

„Wer braucht schon Tausend-Meter-Läufer“? fragt sie in der ersten Andacht, die am 24. August gesendet wird. So manch ein unsportlicher Mensch wird sich wiedererkennen in Glindkamps Erinnerungen an den Sportunterricht, an die bissigen Kommentare des Lehrers: „Kannst du nicht oder willst du nicht?“. An das böse Wort „Leistungsverweigerung“. „Doch natürlich wollte ich. Wer will schon Klassenletzter sein“, fragt die Autorin. Um dann zu schildern, dass auch scheinbare Versager ihre Qualitäten haben können. In ihrem Fall der Umgang mit Worten - geschrieben oder gesprochen.

Vier bis fünf Texte

In jedem Jahr hat die Bramscherin „vier bis fünf Texte“ eingereicht, drei wurden ausgewählt. Neben den „Tausend-Meter-Läufen“ hat sich Glindkamp dem Thema „Doping am Arbeitsplatz“ und der Notwendigkeit, Grenzen zu setzen, auch einmal „Nein“ zu sagen, gewidmet.

Die Andachten wurden Ende Juli im Funkhaus Hannover im Funkhaus Hannover aufgenommen. Das Projekt wird vom neuen NDR-Radiopastor Oliver Vorwald betreut. Neben Glindkamp ist im Rahmen der Andachtsreihe der Hannoveraner Religionswissenschaftler Claus Mohr zu hören, der wegen einer spastischen Lähmung auf den Rollstuhl angewiesen ist.

Das morgendliche „Wort zum Alltag“ wird in der Regel von Pastorinnen und Pastoren gesprochen. In einer Sendewoche treten aber Menschen ans Mikro, die wissen, was es bedeutet, eine barrierefreie Wohnung zu bewohnen, einen Partner fürs behinderte Leben zu finden oder mit Einschränkungen zu leben, wie es in einer Mitteilung des Senders heißt. Cornelia Glindkamp hat diese Aufforderung gern genutzt. Und es wird nicht das letzte Mal ein. „Pastor Vorwald hat schon für das nächste Jahr angefragt, und ich habe zugesagt“, berichtet sie. 2016 im Jahr der Olympischen Spiele und der Paralympics wird der Sport, oder genauer, der Behindertensport das Leitthema sein.


„Wer braucht schon Tausend-Meter-Läufe?“

Jeder hat Talente - es müssen nicht immer sportliche sein, findet Cornelia Glindkamp. Hier ein Ausschnitt ihres Textes:

„Der Sportunterricht in der Schule. Für mich eine Zeit frei von Titeln und Triumphen.

Ich bin ein unsportlicher Mensch, damals wie heute. Nicht aus Mangel an Interesse oder wegen meines heutigen Handicaps, sondern aus Mangel an Talent. Heute kann ich locker dazu stehen, damals war es für mich eine Katastrophe. Egal, wie sehr ich mich bemühte – ich kam auf keinen grünen Zweig.

Beim Zirkeltraining brach ich unter dem Gewicht des Medizinballs fast zusammen. Schwimmen lernte ich erst im Erwachsenenalter, und wenn ich wieder mal einen Tausend-Meter-Lauf nicht beenden konnte, erntete ich böse Blicke und bissige Kommentare der Sportlehrer: „Kannst du nicht, oder willst du nicht?“ Doch, natürlich wollte ich. Wer will schon Klassenletzter sein? ....

Die ganze Andacht: 24. August, 9.15 Uhr, NDR 1 Niedersachsen)

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