BN-Serie: Kultur vor Ort Ueffelner Künstler malt wie die Aborigines

Von Yannick Richter


Ueffeln. Im Ruhrgebiet geboren und aufgewachsen, während seiner Reisen durch Australien von der Kultur und Lebensart der Aborigines infiziert, hat sich Manfred Heidbüchel seit einigen Jahren der Kunst der australischen Ureinwohner, der Punktmalerei, gewidmet und malt nun in Ueffeln Bilder im Stile der „Aborigine Art“.

Wenn Manfred Heidbüchel über Australien spricht, ist das Funkeln in seinen Augen nicht zu übersehen. Im Februar 1990 reiste der gelernte Radio- und Fernsehtechnikermeister erstmals nach Australien und verliebte sich auf Anhieb in den fünften Kontinent. „Auf meinen Reisen durch Australien habe ich den außergewöhnlichen Kontinent mit seiner Flora und Fauna kennen und lieben gelernt. Eine große Anzahl von Tier- und Pflanzenarten, die nur hier existieren, begeisterten mich, genauso faszinierend wirkte die Schönheit der Landschaften auf mich“, beschreibt Heidbüchel seine Faszination für Australien.

Seit Anfang der 90er Jahre zog es Manfred Heidbüchel dann immer wieder nach Down Under. Auf seinen wochenlangen Trips und über Achtzigtausend zurückgelegten Kilometern entwickelte der Künstler auch das Interesse für die Punktmalerei. „Angefangen hat alles in Alice Springs, als ein junger Aborigine in einer Galerie ein Bild verkaufen wollte. Ich sprach ihn an und er erklärte mir, welch hohen Stellenwert Symbole und Kreise für die Ureinwohner haben und dass sein Volk mithilfe symbolischer Motive und Malereien die Stammesgeschichte und Mythen verarbeitet“, erinnert sich Heidbüchel.

Mutter Erde

In der Literatur und auf weiteren Reisen durch Australien beschäftigte sich Heidbüchel zunehmend mit der Lebensweise und der Kultur der Aborigines, studierte deren Höhlen- und Felsenmalereien und suchte deren heiligen Plätze auf, um mehr über die Ureinwohner zu erfahren. „Mutter Erde ist für die Aborigines das Wichtigste“, weiß das Mitglied des Bramscher Kunstvereins.

„Die australischen Ureinwohner leben in Einklang mit der Natur. Sie verstehen ihre Sprache und haben ihre Lebensweise so an die Bedürfnisse Australiens angepasst, dass dadurch selbst die seltensten Tier- und Pflanzenarten erhalten blieben“, fährt der in Essen geborene Künstler fort. „Mit vielen verschiedenen Symbolen, von denen nur wenige für die Allgemeinheit freigegeben sind, da das Urvolk seine Stammesgeschichte sehr schützt, halten die Aborigines ihre Weisheiten und Geschichten für die Nachfahren fest“, erklärt er weiter.

Ruhe und Ausgleich

Nachdem Heidbüchel 1998 aufgrund einer Krankheit zum Austritt aus dem Berufsleben gezwungen wurde, fing der Künstler aus Ueffeln mit dem Malen an. Zuerst noch im Ruhrgebiet und nach seinem Umzug in die Stadt Bramsche findet er nun in seinem eigenen Atelier in Ueffeln die nötige Ruhe und den Ausgleich zum früheren hektischen Leben.

Getreu der „Aborigine Art“ verbildlicht der Künstler mit den freigegebenen Symbolen in seinen Werken Geschichten und Mythen über Land, Mensch und Natur. „Mithilfe der Malerei möchte ich eine Brücke zur heutigen Denk- und Lebensweise schlagen und die Fantasie der Betrachter anregen. Sie sollen über den tieferen Sinn der Bilder und der dort enthaltenen Geschichte nachdenken und sie auf ihr Leben übertragen“, verrät der Künstler seine Intention. „Und selbst, wenn jemand gar nichts mit den Bildern anfangen kann, kann er sich wenigstens an der beruhigenden Wirkung und der Farbenfroheit der Werke erfreuen“, scherzt der Australien-Fan.

Tausende von Punkten

Mehrere Tausend Punkte beinhalten die Bilder von Heidbüchel. Mit umfunktionierten Weinkorken, die mit einem Endstück eines Pinsels oder Stiftes, oder aber mit einem Zahnstocher bestückt sind, setzt der Künstler Punkt für Punkt auf sein Bild. Diese Punkte vereinen sich dann zu Symbolen und traditionellen Motiven.

Nach mehreren Ausstellungen im Ruhrgebiet und Nordrhein-Westfalen zeigte der Ueffelner Künstler seine Werke mittlerweile auch schon des Öfteren in Bramsche und in der Umgebung Osnabrücks. Weil nicht jeder sofort etwas mit den Bildern anfangen kann, nimmt sich Heidbüchel während der Ausstellungen gerne die Zeit, um interessierten Betrachtern den tieferen Sinn seiner Bilder zu erklären und die Betrachter an der einzigartigen Kultur des australischen Ureinwohnervolkes teilhaben zu lassen.