Mitgliederbrief und Flyer Bramscher Hospizverein wagt Neuanfang

Hier ist Handarbeit gefragt: Grit Beimdiek und Anke Hennig (von links) falten und kuvertieren die neuen Flyer des Hospizvereins. Foto: Lutz CajeHier ist Handarbeit gefragt: Grit Beimdiek und Anke Hennig (von links) falten und kuvertieren die neuen Flyer des Hospizvereins. Foto: Lutz Caje

Bramsche. Nach heftigen internen Querelen, die schließlich im Rücktritt der inzwischen wegen Untreue verurteilten früheren Vorsitzenden mündeten, wagt der Bramscher Hospizverein jetzt einem Neustart. Die neue Vereinsvorsitzende Anke Hennig und ihre Vorstandskollegen haben sich jetzt in einem Brief an alle Mitglieder gewandt und ihre Ziele geschildert. In den nächsten Tagen sollen außerdem Flyer mit Informationen und Kontaktdaten verteilt werden.

  • Der Bramscher Hospizverein hat seine Mitglieder angeschrieben.
  • Der Vorstand will mit Flyern informieren.
  • Es werden Menschen gesucht, die sich zu Begleitern in der letzten Lebensphase ausbilden lassen möchten.

Noch vor vier Monaten hatte der Verein, der sich die Begleitung von Menschen in der letzten Lebensphase zur Aufgabe gemacht hat, unmittelbar vor dem Aus gestanden. Erst nach mehrstündiger kontroverser Debatte und exakt drei Stunden vor Ablauf der letzten vom Amtsgericht gesetzten Frist hatte sich mit Anke Hennig (1. Vorsitzende), Grit Beimdiek (Stellvertreterin), Christiane Kohlenbach-Pajonk (Kassiererin) und Lutz Caje (Schriftführer) vier Mitglieder bereitserklärt; Vorstandsämter zu übernehmen und damit den Verein vor der zwangsweisen Auflösung zu bewahren. Die Ex-Vorsitzende wurde inzwischen verurteilt , weil sie sich in hoher vierstelliger Höhe aus der Vereinskasse bedient hatte. Zudem wurden Vorwürfe laut, Anfragen nach Sterbebegleitung seien unter ihrer Ägide gar nicht weitergegeben, Schriftverkehr unsortiert in Wäschekörben aufbewahrt worden.

Kein finanzieller Schaden

So etwas soll nach dem Vorsatz des neuen Vorstands nie wieder vorkommen.“Seit unserer Wahl haben wir uns mehrmals getroffen, um die noch bestehenden Unklarheiten der Vergangenheit aufzuarbeiten. Dieses ist uns gelungen, sodass dem Hospizverein kein finanzieller Schaden entstanden ist , heißt es in dem Schreiben des neuen Vorstandes an die Mitglieder. Mit einem Paket von Anreizen will man in erster Linie Aktive gewinnen, die sich auch in der Sterbebegleitung einbringen möchten. So soll unter anderem während der Zeit einer aktiven Begleitung kein Vereinsbeitrag erhoben werden, Ausbildungskosten, Lehrgangsgebühren für Fachtagungen und Fortbildungen werden übernommen, nachgewiesene Fahrtkosten und Auslagen werden erstattet. Außerdem ist ein regelmäßiger Austausch im Kreise der Aktiven vorgesehen.

Beiträge für 2014 und 2015

Wenn der Verein auch letztlich ohne finanziellen Schaden aus der Affäre um die Ex-Vorsitzende herausgekommen ist, erfordere der Neustart doch ein gewisses finanzielles Polster, erläuterten jetzt die neue Vorsitzende Anke Hennig und ihre Stellvertreterin Grit Beimdiek. Deshalb sollen mit Stichtag 15. September die Beiträge für 2015 und rückwirkend auch für 2014 zusammen eingezogen werden. Pro Jahr sind dies 15 Euro. „Menschen, die das finanziell überfordert, können sich bis Ende August beim Vorstand melden“, sagten Hennig und Beimdiek.

Aktive gesucht

Zurzeit hat der Bramscher Hospizverein etwa 90 Mitglieder. Drei von ihnen haben eine Ausbildung durchlaufen, die sie qualifiziert, Menschen in ihrer letzten Lebensphase und auch deren Angehörige zu begleiten. Anfragen hat es bereits gegeben. „Wir stehen hier wieder am Anfang und haben uns entschlossen, mit dem Malteser Hospiz in Ankum zusammenzuarbeiten“, heißt es in dem Schreiben an die Mitglieder weiter. Später möchte man in Bramsche allerdings wieder autark werden, sowohl bei Organisation und Koordination als auch bei der Hospizbegleitung vor Ort. Beimdiek und Hennig werden sich selbst zu Begleitern ausbilden lassen und hoffen, dass ihr Beispiel Schule macht. Die Ausbildung dauert ein halbes Jahr, umfasst Themen rund um Sterben und Trauer, Gesprächsführung aber auch Selbstschutz und Achtsamkeit. „Wir brauchen die Aktiven. Auch Männer sind gern gesehen“, wirbt Beimdiek. Auch wer sich nicht aktiv in der Sterbebegleitung engagieren möchte, ist herzlich willkommen. „Die Begleitung ist nicht jedermanns Sache, aber wir brauchen breite Unterstützung. Es wäre schön, wenn auch die Spenden wieder reichlicher fließen würden“, geben Hennig und Beimdiek zu. „Viele wissen gar nicht, dass es in Bramsche Hospizarbeit gibt. Oder wieder gibt,“ sagt Hennig.

Um den Verein in der Öffentlichkeit präsenter zu machen, werden in den kommenden Tagen Informationsflyer verteilt. Auch bei Fachveranstaltungen wie dem Hospiztag am 10. Oktober in der Osnabrücker Marienkirche wollen die Bramscher dabei sein. Wer sich informieren möchte, kann das auch bei den regelmäßigen Treffen an jedem ersten Mittwoch im Monat im Gemeindehaus der St. Johannisgemeinde in der Gartenstadt tun. „Wichtig ist: die Altlasten sind weg. Mit dem Ex-Vorstand ist alles geklärt. Wir bemühen uns um Transparenz und treffen unsere Entscheidungen im Team“, versichern Hennig und Beimdiek.