zuletzt aktualisiert vor

Aufträge schon vergeben Neue Zelte und Container für Heseper Asyl-Unterkunft

Noch mehr Zelte sollen in der Landesaufnahmebehörde in Hesepe aufgestellt werden. Foto: Michael GründelNoch mehr Zelte sollen in der Landesaufnahmebehörde in Hesepe aufgestellt werden. Foto: Michael Gründel

Bramsche . In der Asylunterkunft der Landesaufnahmebehörde in Bramsche-Hesepe sollen weitere Zelte und Container für Flüchtlinge aufgestellt werden. Die Aktion sollte am Samstag beginnen, wurde aber wegen des erwarteten Sturmes verschoben.

Wie Einrichtungsleiter Conrad Bramm berichtet, seien weitere Container bereits in Auftrag gegeben worden. Bis zur Lieferung werde es noch „ein paar Wochen dauern.

Erste Stellen vergeben

Von den 50 neuen Stellen, die Landesinnenminister Boris Pistorius bei seinem Besuch in Hesepe angekündigt hatte, seien die ersten bereits über Mitarbeiter von Zeitarbeitsfirmen besetzt worden. „Da holt uns die Entwicklung aber immer ganz schnell ein“, verweist er auf den Anstieg der Flüchtlingszahlen. Im Vergleich zum Vorjahr gebe es eine Steigerung um 137 Prozent. „Dagegen ist unheimlich schwer zu planen“, sagt Bramm. Immerhin ist er mit der Zusammenarbeit mit anderen Behörden und der eigenen neuen Behördenleiterin Susanne Graf sehr zufrieden: „Da haben wir jetzt Priorität.“

Das Thema im Ort

Nicht erst seit den Vorfällen in der Nacht zum Mittwoch , als Flüchtlinge aus Nordafrika und aus Syrien aufeinander losgingen, ist die Überbelegung der Landesaufnahmebehörde (LAB) in ihrem Ortsteil das einzige Thema der Heseper. Dabei geht es zunächst einmal gar nicht um Vorbehalte gegen Flüchtlinge, sondern um deren schiere Zahl: Hesepe hat 2531 Einwohner, in der Aufnahmebehörde sind aktuell 2496 Flüchtlinge gemeldet.

Er finde es „gut, dass wir hier in Hesepe die LAB haben und den Flüchtlingen geholfen wird“, betont deshalb Hans Macke. Nicht gut findet der Rentner allerdings den Trubel, der vor seiner Haustür auf der Hauptstraße herrscht. Diese Straße nehmen die Asylbewerber, wenn sie von der LAB zum Bahnhof wollen. „In der Aufnahmestelle selbst ist offenkundig auch ständig Stress“, sagt Macke. Nicht so schlimm wie bei den Vorfällen in der Nacht zum Mittwoch, aber dennoch sei von dort nachts häufig Lärm zu hören: „Sie singen, grölen, telefonieren in einer Lautstärke, dass man zwangsläufig wach wird.“

Mitarbeiter im Lager, die ihren Namen lieber für sich behalten möchten, berichten von unkontrollierten Strömen von Neuzugängen. Da komme es gelegentlich schon vor, dass die nachts auf Matratzen oder gar dem Fußboden in und vor den Büros der Mitarbeiter übernachten müssten. Einen Nachbarn, der ebenfalls anonym bleiben möchte, stört, dass seiner Meinung nach die weitaus meisten Asylbewerber aus Staaten kämen, in denen ihnen keine Verfolgung drohe: „Für Bürgerkriegsflüchtlinge würde ich notfalls auch meine Garage räumen, aber doch nicht für die Leute vom Balkan.“

„Situation unhaltbar“

„Die Situation ist meiner Meinung nach inzwischen sowohl für die Bewohner, aber auch für Anwohner nicht mehr haltbar“, sagt Andreas Quebbemann, CDU-Fraktionsvorsitzender im Bramscher Stadtrat. „Tabuisieren und Verschweigen von Problemen hilft auf Dauer nicht“, meint Quebbemann, der aber einen sensiblen Umgang mit dem Thema anmahnt.

Bramsches Bürgermeister Heiner Pahlmann (SPD) fordert „kurzfristige Sachen, die der Bevölkerung helfen“. Mehr Polizeipräsenz und Ideen gegen die „Müllproblematik“. Er verweist darauf, dass Hesepe seit über 25 Jahren klaglos mit der Einrichtung lebt, in der zunächst Spätaussiedler, dann verschiedene Gruppen von Asylbewerbern untergebracht waren. Die Heseper Bevölkerung „verhält sich außerordentlich vernünftig“, hatte auch Pistorius betont. Er will nach den Sommerferien wieder nach Hesepe kommen und mit den Bürgern reden.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN