„Zukunft der Landwirtschaft“ Lebhafte Agrar-Diskussion auf dem CSA-Hof in Pente

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Dichtgedrängt saßen die Zuhörer bei der Podiumsdiskussion zum Thema Landwirtschaft auf dem CSA-Hof in Pente. Christian Meyer, Johannes Hartkemeyer, Frank Oesterhelweg (v.l.) sorgten für eine engagierte Diskussion. Foto: Heiner BeinkeDichtgedrängt saßen die Zuhörer bei der Podiumsdiskussion zum Thema Landwirtschaft auf dem CSA-Hof in Pente. Christian Meyer, Johannes Hartkemeyer, Frank Oesterhelweg (v.l.) sorgten für eine engagierte Diskussion. Foto: Heiner Beinke

Pente. Der Platz reichte kaum aus im größten Raum auf dem CSA-Hof in Pente, wo am Mittwochabend Landwirtschaftsminister Christian Meyer und der Agrar-Experte der CDU-Landtagsfraktion, Frank Oesterhelweg über die „Zukunft der Landwirtschaft in Niedersachsen“ diskutierten. So buntgemischt wie das Publikum waren die Themen, die unter der Gesprächsleitung von Johannes Hartkemeyer abgearbeitet wurden.

Tierwohl , TTIP , Glyphosat , Verbraucherschutz, Antibiotikaeinsatz, Genmanipulation - Hartkemeyer ließ kein brisantes Stichwort aus, die beiden Experten blieben keine Antwort schuldig. Bei allen Unterschieden in Einzelfragen seien „doch einige Brücken vorhanden“, stellte der Moderator am Ende fest.

Weitgehende Einigkeit herrschte zum Beispiel bei der Einschätzung des Freihandelsabkommen TTIP. Die deutsche Landwirtschaft werde zu den Verlierern gehören, Standards bei Lebensmitteln seien nicht verhandelbar und Schiedsgerichte abseits der allgemeinen Rechtssprechung undenkbar, meinten beide. Oesterhelweg betonte aber ganz allgemein den Wert des Freihandelsabkommens, von dem Deutschland in vielen anderen Bereichen profitieren werde.

Größer waren die Unterschiede schon beim Thema Tierwohl. Meyer erläuterte seine Vorstellungen zum Thema sanfte Agrarwende, möglichst weg von der Massentierhaltung, hin zur nachhaltigen Stärkung kleinerer Betriebe. Qualität und faire Preise seien für die Landwirte wichtig, Ehrlichkeit und größere Klarheit bei der Kennzeichnung von Produkten seien für den Verbraucher wichtig. „Wir müssen honorieren, was die Gesellschaft will“, sagte Meyer.

Verbraucher wollen viel und günstiges Fleisch, „auch das ist die Wahrheit“, hielt Oesterhelweg dagegen. Der Bedarf an Eiern beispielsweise sei anders als durch Massentierhaltung gar nicht zu decken. „Ich möchte Verlässlichkeit für die Landwirte“, forderte Oesterhelweg eine Abkehr von immer neuen Vorschriften und Auflagen und mehr Anerkennung für „einen Berufsstand, der viel geleistet hat“.

Die Wortbeiträge der vielen Zuhörer zeigten schlaglichtartig, wie viele Aspekte es in der Debatte gibt. Einer betonte, Tiere seien fühlende Lebewesen, daher müsse Massentierhaltung schon aus ethischen Gründen verboten werden. Landwirte berichteten, wie sie mit jeden Cent kalkulieren müssen, wie immer neue Zielvorgaben und Förderrichtlinien immer wieder zu Existenzfragen würden.

Tiere seien keine Ware, für ihre Haltung müssten bestimmte Standards verlässlich gelten, stellte dazu Christian Meyer fest. Dennoch dürfe der Bedarf nicht außer Acht gelassen werden. „Die Welt ist nicht so einfach, wie wir sie gerne haben möchten“, hielt Oesterhelweg dagegen. Einig waren sich die beiden wieder bei der Ablehnung der Genmanipulation. Die müsse möglichst europaweit gelten, die diskutierte Freigabe der Entscheidung auf Ebene der Bundesländer sei jedenfalls komplett unsinnig.

Minister auch in Evinghausen

Bevor Christian Meyer in Pente zu Gast war, hattee der Landwirtschaftsminister dem Hof von Rolf und Monika Bruning in Evinghausen einen Besuch abgestattet. Er löste damit ein Versprechen ein, dass er nach der Verleihung des Niedersächsischen Nachhaltigkeitspreises gegeben hatte.

Bei einem Rundgang über den Hof, an dem auch Vertreter des Landvolks, der Landwirtschaftskammer sowie Bürgermeister Heiner Pahlmann und die Landtagsabgeordneten Filiz Polat und Clemens Lammerskitten teilnahmen, erklärte Rolf Bruning dem Gast die Grundzüge der Arbeit auf dem Hof, bei der die Brunings Wert auf Tierschutz, Biodiversität, Energie und Klima legen.

Einen sehr großen Aufwand betreiben sie dafür – der noch deutlich vergrößert wird durch den bürokratischen Aufwand, dem die Landwirte ausgesetzt sind. Dies machten Rolf Bruning und seine Mitstreiter, unter anderen Ralf Große-Endebrock vom Landvolk, Minister Meyer bei der anschließenden Kaffeetafel deutlich. „Alle paar Tage“, so meinte Bruning, kämen Kontrolleure auf den Hof. Zu sprunghaft seien Vorgaben, um an Fördergelder zu kommen. Die Pflicht zum Einbau von Filtern in Ställe mit mehr als 2000 Tieren macht derweil Ralf Große-Endebrock zu schaffen. Er wolle gerne einen zusätzlichen Maststall für 1000 Tiere bauen. Doch dann komme er in die Filter-Pflicht. „Da stehen Kosten und Ertrag in keinem Verhältnis“, monierte er. Die Alternativen seien für ihn nur: „Stillstand für immer – oder der ganz große Schritt. Aber ob sich das trägt, kann heute auch noch keiner absehen.“

Der Landwirtschaftsminister hörte sich die Kritikpunkte aufmerksam an, versprach, „dass wir Verfahren vereinfachen, wo wir es können“. In manchem Detail wies er die Vorhaltungen auch zurück. Einig wiederum war sich Meyer mit den Landwirten darin, dass die Pachtpreise für Ackerland nicht weiter explodieren dürfen. Nach seinen Worten arbeite die Landesregierung derzeit an einer „Pachtpreisbremse“ ähnlich der kürzlich eingeführten Mietpreisbremse.


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