„Eine Schule für alle“ Neue IGS in Bramsche stellt sich vor

Von Hildegard Wekenborg-Placke

Rund 180 Zuhörer verfolgten die Erläuterungen des Planungsgruppenleiters Thomas Behning und seines Teams. Foto: Hildegard Wekenborg-PlackeRund 180 Zuhörer verfolgten die Erläuterungen des Planungsgruppenleiters Thomas Behning und seines Teams. Foto: Hildegard Wekenborg-Placke

Bramsche. Das große Interesse an der Informationsveranstaltung überraschte offenbar sogar die Organisatoren. Reihenweise mussten im Forum der Realschule zusätzliche Stühle aufgestellt werden, bevor Thomas Behning, der designierte Leiter der neuen IGS und sein Team, am Mittwochabend das Konzept der neuen Schule vorstellte, die sich das Motto gesetzt hat: „Vielfalt verbindet - gemeinsam erfolgreich“.

Kurz vor 19 Uhr strömt es in Richtung Realschulgebäude, in dem die neue Schule (mit)untergebracht sein wird. Behning und seine Pädagogenkollegen aus der Planungsgruppe, Tanja Hellwich, Christine Holle, Andreas Meyer, Karin große Holthaus und Beate Steuernagel begrüßen jeden Besucher mit Handschlag und drücken ihm einen Flyer in die Hand. Viele Eltern sind darunter, einige Kinder, Vertreter anderer Schulen, der Kommunalpolitik und der Verwaltung von Stadt und Landkreis als Schulträger. Auf rund 180 Zuhörer schätzt Volker Trunt vom Landkreis anschließend das Auditorium. „Ich bin ganz aufgeregt“, kommentiert eine sichtlich erfreute Annegret Christ-Schneider als schulpolitische Sprecherin der Bramscher Sozialdemokraten am Rande der Veranstaltung. „Wir gehen davon aus, dass die IGS vierzügig wird“. Die SPD der Tuchmacherstadt setzt sich bereits seit Jahren für die Einrichtung einer Integrierten Gesamtschule am Ort ein.

„Wir wollen eine freundliche Schule sein , für alle Begabungen, für Kinder jeder Herkunft, jeder Religion und jeder Nationalität“, unterstreicht Behning bei der Begrüßung. „Wenn jeder seine Stärken einbringt, stärken wir die Gemeinschaft“. „Dabei ist das, was wir betreiben, keinesfalls Kuschelpädagogik. Wir wollen das Potenzial jedes einzelnen Kindes herauskitzeln und dabei durchaus Leistung erreichen“, zerstreut der derzeitige Leiter der Wallenhorster Alexanderschule mögliche Bedenken gegen das Konzept der Schule. Demnach wird es bis zur achten Klasse keine Ziffernnoten geben. Sitzenbleiben ist ebenfalls nicht vorgesehen. Mitglieder der Planungsgruppe verweisen auf aktuelle Studien, die im Wiederholen eines Schuljahres nur einen kurzfristigen, wenig nachhaltigen Effekt sehen.

„Wir wollen Lücken gezielt und individuell schließen und wollen dafür ein großes Zeitfenster haben“, versichert Karin große Holthaus. Der Entwicklungsstand wird dabei in einem sogenannten „Logbuch“ festgehalten. Für das individuelle Arbeiten ist täglich ein Block im Stundenplan vorgesehen, die „PerLe“ oder auch „Persönliche Lernzeit. „Damit nehmen wir Ihnen auch die Hausaufgaben ab. Das entlastet das Familienleben doch ungemein“, bringt Behning Lockerheit in das ernste Thema Schulwahl. Tests werden im Übrigen auch geschrieben. Dass auch hier zunächst keine Ziffernnoten vergeben werden, heiße aber nicht „dass wir den Kindern keine Gelegenheit geben, zu überprüfen, was sie schon können“, meint große Holthaus. Ja, und auch Scheitern gehöre dazu. „Aus seinen Fehlern lernt man immer am meisten, “ beantwortet sie eine Elternfrage nach dem Fördern und Fordern.

Die Schüler der IGS nehmen an zwei Nachmittagen an verpflichtenden Ganztagsangeboten teil, in die auch die Profile Ästethik, Europa, Umwelt und Sport eingebunden sind. An zwei Tagen sind freiwillige Angebote vorgesehen. Von anderen Schulen unterscheidet sich die IGS durch Lerneinheiten von 75 Minuten pro Fach. „Dadurch haben wir einfach mehr Zeit zum Lernen“, stellt Planungsgruppenmitglied Andreas Meyer fest. Die unterschiedliche Taktung von IGS und Realschule, die sich (noch) im gleichen Gebäude befindet, „setzt allerdings schon ein hohes Maß an Toleranz auf beiden Seiten voraus“, räumt Behning ein.

Solche und ähnliche Fragen und besonders das Procedere der Anmeldung stehen schließlich im Mittelpunkt der Fragen aus der Elterschaft. Als Landkreisschule könne die neue IGS Bramscher Schülern keine Priorität einräumen, so Behing. Sollten mehr Anmeldungen vorliegen als für die maximal zur Verfügung stehenden 120 Plätze, wird gelost - allerdings noch einem nach Notenschnitt gewichteten Verfahren. „Besteht das Risiko, als Bramscher Kind keinen Platz zu bekommen?“ will eine Mutter wissen. „Ja“, gibt Behning unumwunden zu. „Aber das liegt an der Deckelung, die vorgenommen wurde, um bestehende Schulen nicht zu gefährden“. Im Interesse der Familien solle innerhalb einer Woche nach den Anmeldetagen am 17., 18. und 19. Juni Klarheit über Annahme oder Nicht-Annahme bestehen, verspricht er.

An den Start geht die neue IGS am 3. September, mit Rücksicht auf die berufstätigen Eltern allerdings nicht morgens, sondern um 16 Uhr. Bis dahin soll auch der Busfahrplan stehen, der die neue Schule an die umliegenden Kommunen anbindet. Die Gespräche laufen.


Nach den Sommerferien geht in Bramsche nach Fürstenau die zweite Integrierte Gesamtschule für den Nordkreis Osnabrück an den Start. Vorangegangen waren jahrelange zähe Verhandlungen auf politischer Ebene und mehrere Elternbefragungen, um den Bedarf nach einer solchen Schule abzuklären. Größte Sorge der IGS-Gegner: die neue Gesamtschule könne bestehende Schulen in Bramsche und den um liegenden Kommunen in ihrer Existenz gefährden. Gegenwind gab es auch aus Bersenbrück, wo Samtgemeindebürgermeister Horst Baier vehement eine IGS vor Ort forderte. In Bramsche selbst scheiterte die Verwaltung im Stadtrat mit ihrem Vorschlag, mit Start der IGS Realschule und Hauptschule zu einer Oberschule zusammenzufassen. In der Tuchmacherstadt gibt es also zum Schuljahr 2015/16 eine Hauptschule, eine Realschule, eine IGS und das Greselius-Gymnasium. Sowohl IGS wie auch Gymnasium befinden sich in Kreisträgerschaft und wollen perspektivisch im Rahmen der Sekundarstufe II zusammenarbeiten.