Podiumsdiskussion im Gymnasium Von Religionen, Gewalt und Frieden

Von Holger Schulze

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Über den Zusammenhang von Religion und Gewalt diskutierten Avraham Radbil, Werner Wasmuth, Diaa Eldin Hassanein, Reinhold Mokrosch, Silvia Horsch-Alsaad, Ulrike Wackerbarth, Leon Aleithe und Thorben Tschiedel (von links). Foto: Holger SchulzeÜber den Zusammenhang von Religion und Gewalt diskutierten Avraham Radbil, Werner Wasmuth, Diaa Eldin Hassanein, Reinhold Mokrosch, Silvia Horsch-Alsaad, Ulrike Wackerbarth, Leon Aleithe und Thorben Tschiedel (von links). Foto: Holger Schulze

Bramsche. Die Religionen an sich seien friedlich. Fehlinterpretationen und Ideologisierung führten jedoch dazu, dass Gewalt und Krieg in den Religionen vorkämen, so Reinhold Mokrosch in einer ersten Stellungnahme zu Beginn der Veranstaltung „Religion und Gewalt“ am Dienstagvormittag im Greselius-Gymnasium.

Eingeladen hatte zu dieser Podiumsdiskussion mit anschließenden Kleingruppengesprächen die Fachgruppe Religion/Werte und Normen am Greselius-Gymnasium . Auf dem Podium tauschten unter der Moderation der Schüler Leon Aleithe und Thorben Tschiedel die Postdoktorandin am Institut für Islamische Theologie in Osnabrück, Silvia Horsch-Alsaad, Pastorin Ulrike Wackerbarth, der islamische Religionspädagoge Diaa Eldin Hassanein, Reinhold Mokrosch, em. Professor für evangelische Theologie, Werner Wasmuth, Pastor in Rente, und der Rabbiner der Jüdischen Gemeinde in Osnabrück, Avraham Radbil, ihre Ansichten zum Thema aus.

„Es sei nicht leicht, sich das Judentum und Gewalt vorzustellen, denn innerhalb der Geschichte waren wir mehr Opfer als Täter“, hielt Radbil dagegen. Erl räumte jedoch ein, dass sich hier eine Verschiebung mit der Gründung des Staates Israel vollzogen habe, mit der „wir von Opfern in Richtung Täter gerückt wurden“. „Doch das Judentum ist nicht Israel“, hob der Rabbiner hervor, und stellte noch einmal fest: „Im Judentum ist jegliche Form von Gewalt verboten, außer bei Selbstverteidigung und Hilfe für andere.“

Auch für Silvia Horsch-Alsaad ist ihr Glaube, der Islam, friedfertig. Das gegenteilige Bild werde von den einseitigen Berichterstattungen durch die Medien erzeugt.

Nach diesen Einschätzungen zum Gewaltpotenzial der Religionen ging die Diskussion in eine Fragerunde über.

„Hätten wir ohne Religion weniger Leid und Krieg?“ war hierbei die erste Frage, gerichtet an Ulrike Wackerbarth. „Ohne Religion würde uns etwas Entscheidendes fehlen. Zum Beispiel auch die Frage nach dem Sinn des Lebens. Wenn ich den Frieden will, brauche ich auch Vorbilder hierfür, und da ist Jesus Christus ein sehr guter Maßstab“, lautete zusammengefasst die Antwort der Theologin.

Silvia Horsch-Alsaad bedauerte das Fehlen des Unterrichts für ihre Glaubensgemeinschaft in Deutschland. „Gewalttätig werden meistens Menschen, die nicht in der Moschee sozialisiert wurden, sondern ihre Informationen dem Internet entnehmen“, so die Feststellung von Horsch-Alsaad.

„Die Religionen sind friedensstiftend, nur die Menschen sind bösartig?“ Dies wollte anschließend Mokrosch etwas provokant hinterfragt wissen. Diaa Eldin Hassanein wandte sich bei diesem Diskussionspunkt erneut gegen die wörtliche Interpretation und Umsetzung bestimmter Stellen im Koran.

Angriff oder Verteidigung

Auch Radbil wollte sich nicht der Interpretation von Mokrosch anschließen, der auch in der Thora etliche Stellen der Kriegsbefürwortung gefunden hatte. Die Unterscheidung zwischen Angriffs- und Verteidigungskrieg sei in diesem Zusammenhang wichtig.

„Wieso fällt es heute so schwer, andere Religionen zu akzeptieren und mit ihnen friedlich zusammenzuleben?“ „Brauchen wir den Religionsunterricht an der Schule, um zu verhindern, dass Religion zu Gewalt und Krieg führt?“ Oder: „Wenn alle Religionen den Frieden befürworten, warum grenzen sich dann die einzelnen Gemeinschaften so voreinander ab?“, waren weitere Fragen, mit denen sich die Diskussionsrunde auseinandersetzte,

Die Bitte um ein „Rezept für ein friedliches und gelungenes Zusammenleben zwischen den Religionen“ sollte die Diskussion beschließen.

Respekt und Toleranz, genaues Zuhören und Wahrnehmen, was bei dem anderen ist und alles ohne Polemik, Entdeckung der Schönheiten der anderen Glaubensrichtungen, Schuldbekenntnis der Religionen hinsichtlich ihrer jeweiligen Gräueltaten, das Anerkenntnis, dass Gott die Verschiedenheiten der Religionen als Prüfung und als einen Wettbewerb um gute Taten gewollt hätte, sowie das Anliegen, einander zu verstehen und dies auf gleicher Augenhöhe, lauteten die Anregungen, die die Expertengruppe vor der Kleingruppenarbeit dem Publikum hinterließen.

Bei den anschließenden Gruppengesprächen konnte das zuvor Gehörte noch weiter hinterfragt und ergänzt werden.


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