Heinz Aulfes erinnert sich Bramscher Autor beschreibt Erlebnisse am Kriegsende

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Heinz Aulfes. Foto: BeinkeHeinz Aulfes. Foto: Beinke

Bramsche. Der Bramscher Heinz Aulfes liest am 8. Mai ab 16 Uhr auf der städtischen Gedenkfeier in der Kornmühle aus seinem Buch über seine Jugend in der Nazizeit in Bramsche. Im Interview schildert er seine persönlichen Erlebnisse als damals 18-Jähriger zum Kriegsende.

Herr Aulfes , wo und wie haben Sie den 8. Mai 1945 erlebt?

Ich war da gerade in amerikanischer Gefangenschaft geraten in Mecklenburg, in einem Dorf namens Wöbbelin. Ich bin vor dem Russen weggelaufen, bevor wir in ein Lager kamen. Ich bin mit noch jemanden immer nachts Richtung Westen gelaufen und am Morgen haben wir uns versteckt. Am dritten Tag kamen wir nach Wöbbelin. Da war gerade die Demarkationslinie. Am 8. Mai kamen die russischen Offiziere herüber und haben mit den Amerikanern gebechert und auch in die Luft geschossen. Da ist noch ein Bauernhaus aus Versehen in Brand geraten. Nach drei Wochen räumten die Amerikaner das Gebiet, weil das ja nicht ihre Zone war. Dann haben sie uns in Eisenbahnwagen verpackt und nach Schleswig-Holstein gebracht. Da war ich dann südlich von Laboe noch ein paar Monate in britischer Gefangenschaft. Da gab es sehr wenig zu essen.

Wie sind Sie nach Bramsche zurück gekommen?

Es gab da die Aktion Barleycorn, bei der Erntehelfer nach Hause geschickt wurden. Da gab es eine Liste, da stand ganz oben Landarbeiter und ganz unten als letztes Schüler und Studenten. Da stand dabei, dass bei falschen Angaben die Todesstrafe drohe, aber das war mir egal. Ich habe Landarbeiter und den Hof Kampmann in Epe als letzte Arbeitsstelle angebenen. So bin ich im Juli 45 wieder nach Bramsche gekommen.

Wie sah es da denn hier aus?

Wir wurden von Eutin aus entlassen und und mit einem Lastwagen nach Hellern gebracht. Am nächsten Tag wurden wir bei Beckermann an der Osnabrücker Straße ausgeladen, dann bin ich nach Hause in die Hasestraße gelaufen. Wir hatten vorher gehört, dass in Bramsche schwere Kämpfe gewesen sein sollen, was ja Gott sei Dank nicht stimmte. Da wolle ich schnell gucken, ob unser Haus noch steht. Da war ich ziemlich abgemagert.

Das änderte sich in Bramsche dann wieder?

Ja, man hatte ja seine Beziehungen zu den Bauern, teilweise verwandtschaftlich. Da bin ich im Laufe von sechs, acht Wochen aufgepäppelt worden. So konnte dann schon zum 1. Oktober in Osnabrück einen Übergangskurs zum Hochschulstudium besuchen für alle, die seit 1942 den Reifevermerk, das Notabitur, bekommen haben. Das traf bei mir zu, ich bin ja im September 1944 als Luftwaffenhelfer in Osnabrück entlassen worden, dann war ich erst im Arbeitsdienst und dann in der Armee Wenck.

Die sah Adolf Hitler als seine letzte Hoffnung im Endkampf um Berlin. Gab es überhaupt eine Chance, nach Berlin zu kommen?

Wir sind nur bis in den Raum Neuruppin, etwa 70 Kilometer nordwestlich von Berlin gekommen. Da kamen die Russen uns schon entgegen und hatten alles Mögliche an Waffen. Panzer, schwere Artillerie, Flugzeuge und so weiter. Wir hatten ja nur Gewehre und Maschinengewehre und ein paar Panzerfäuste. Und wir waren alles 17- und 18-jährige bis auf die Offiziere. In einem Tag sind über die Hälfte der Männer gefallen, das war ein richtiges Gemetzel. Ich habe nicht gedacht, dass ich da jemals rauskommen würde, aber irgendjemand hat ja Glück.


Zum Gedenken an den 70. Jahrestag des Kriegsendes am 8. Mai 1945 lädt die Stadt Bramsche am Freitag um 16 Uhr in die Kornmühle des Tuchmacher-Museums ein. Bürgermeister Heiner Pahlmann spricht eine Einleitung. Heinz Aulfes wird als Zeitzeuge aus seinem Buch „Ihr seid die beste Jugend des tüchtigsten Volkes“ vorlesen. Musikalisch wird die Veranstaltung von der Osnabrücker Pianistin Julia Habinger begleitet.

Bereits um 15.15 Uhr veranstaltet der SPD-Ortsverein eine Feier vor dem Gedenkstein für die Opfer des Nationalsozialismus an der Kuhstraße. Die Ansprache hält der Ehrenvorsitzende der Bramscher SPD, Lothar Lewandowsky.

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