Projekt in der Hauptschule Kekse backen und Englisch sprechen in Bramsche

Von Holger Schulze

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So geht intensiver Fremdsprachenunterricht auch: Muttersprachler Martin Nicolls (links im Bild) mit Schülerinnen der Jahrgangsstufe zehn beim Plätzchen backen auf Englisch. Foto: Holger SchulzeSo geht intensiver Fremdsprachenunterricht auch: Muttersprachler Martin Nicolls (links im Bild) mit Schülerinnen der Jahrgangsstufe zehn beim Plätzchen backen auf Englisch. Foto: Holger Schulze

Bramsche. Man nehme einen Muttersprachler, Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe zehn, eine Anleitung für Marmeladeplätzchen, die dafür nötigen Zutaten und verlege das Klassenzimmer in die Schulküche, fertig ist das Rezept für einen Englischunterricht, bei dem nicht für die Schule gelernt, sondern eifrig aktiv die Fremdsprache in einer lockeren Atmosphäre benutzt wird.

„Lingua Projects“ nennt sich das Angebot, bei dem Native Speaker aus aller Welt für eine Woche die Stundenplangestaltung übernehmen sowie als günstige Alternative zur Schüleraustausch den praktischen Umgang mit der Fremdsprache effektive voranbringen.

An der Hauptschule findet dieser ganz spezielle Unterricht gegenwärtig erneut eine Woche lang für die Zehntklässler statt. Englischlehrer Stefan Rudys hatte, wie bereits im vergangenen Jahr, vier Dozenten zu Gast, die wenig Deutsch, dafür umso mehr den entspannten Sprachunterricht in einer benotungsfreien Atmosphäre beherrschten.

Gefördert von den Stadtwerken, der Bürgerstiftung und den Förderverein blieben fünf Tage lang die Schulbücher und Klausurenhefte außen vor. Dafür wurde in vier Gruppen bei Sport, Rollenspiel, Quiz und eben in der Küche Englisch gesprochen, was die Fähigkeiten des Einzelnen hergaben.

„Erstaunlicherweise kommen hier selbst die Schülerinnen und Schüler aus sich heraus, die sonst eher schweigsam am Unterricht teilnehmen“, wussten Schulleiterin Sandra Castrup und Stefan Rudys aus den Erfahrungen der Vergngenheit zu berichten.

Der Gebrauch der deutschen Muttersprache war in den Schulstunden eins bis sechs untersagt. Benotet wurde nicht, sondern in der direkten Konversation korrigiert.

„Es hilft uns für die mündlichen Prüfungen, die ganze Zeit Englisch zu sprechen, und der Dozent erklärt uns alles mit Geduld“, gab Edona aus der 10b Auskunft, als sie gerade mit ihren Mitschülern auf den Schlüssel für die Sporthalle wartete.

Dass Englischunterricht sogar lecker riechen kann, war bereits beim Betreten des Schulgebäudes wahrzunehmen.

Inmitten von entspannt werkelnden Schülern befand sich Martin Nicolls in der Schulküche. Es gehört zum Konzept von „Lingua Projects“, nicht die durch akademische Abschlüsse belegte Lehrbefähigung der Dozenten in den Vordergrund zu stellen, sondern mitunter sehr bunt und individuell gelebte Lebensläufe anzubieten.

Hundetrainer bei der Armee sei er gewesen, gab Martin Nicolls Auskunft. Davor hatte er etliche andere Jobs gehabt und seine Kinder großgezogen. Nun stand der 1,90-Meter-Mann mit all seiner freundlichen Lockerheit zwischen den Schülern, erläuterte das Backrezept und kam auf Nachfrage eines Jugendlichen auf seinen Lieblingssportklub in Liverpool zu sprechen.

Nicht nur bei Oguzhan kam diese Form des Unterrichts bestens an. „Es ist sehr effektiv für uns. Wir lernen, uns vernünftig auszudrücken und der Dozent ist sehr locker und nett. Gut finde ich auch, dass wir nicht wie Schüler behandelt und benotet werden“, fasste er seine Eindrücke vom Intensivenglischkurs zusammen.

Abgeschlossen wird diese Projektwoche mit einer Präsentation der Arbeitsergebnisse aus den vier Gruppen, natürlich auch vollständig auf Englisch. Diese findet am Freitag ab 11.30 Uhr in der Hauptschule statt.


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