Rasch Tapeten, Sanders, Grimme Russland-Krise wirkt sich auf Bramscher Betriebe aus

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Bramsche/Rieste. Frederik Rasch lässt keinen Zweifel aufkommen. Die Russland-Krise „ist das dominierende Thema heute“ beim Tapetenproduzenten aus Bramsche. Und der jüngste Absturz der russischen Wirtschaft sei „eine Krise, die uns massiv betrifft“, stellt das Geschäftsleitungsmitglied der Tapetenfabrik Gebr. Rasch GmbH & Co. KG heraus. Sein Unternehmen habe augenblicklich bei der Warenausfuhr aus Bramsche nach Russland und in die Ukraine „einen Umsatzrückgang von rund 30 Prozent“ zu beklagen. Eine gewaltige Delle.

Noch heftiger fällt diese in der Ukraine selbst aus. Auch hier hat die Gebr. Rasch GmbH eine Fabrik. 150 Kilometer südlich von Lemberg. „Auch von dort gibt es einen Warenexport nach Russland, aktuell minus 40 Prozent“, so Rasch. „Die Verfassung der lokalen Volkswirtschaften ist problematisch“, hebt er hervor, „und die Nachfrage nach Tapeten, die hochwertig sind, lässt nach.“

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Vor der Wirtschaftskrise sei das anders gewesen. „Die Menschen in Russland und der Ukraine haben ganz einfach weniger Geld zur Verfügung“, sagt Rasch: „Ihr Konsumverhalten hat sich verändert.“ Die Auswirkungen bekommt unter anderem das Bramscher Traditionsunternehmen zu spüren.

Rezession, gewaltige Währungsschwankungen bei Rubel und Griwna, Sanktionen der EU, militärische Konflikte – die Region Eurasien ist in Schieflage geraten. „Die Krise ist für uns nur sehr schwer einzuschätzen, weil es eine politische Krise ist. Aber die Folgen sind die einer Wirtschaftskrise“, unterstreicht Manfred Brosda. Auch er gehört der Rasch-Geschäftsleitung an.

Im Werk in der Ukraine mussten zuletzt 30 Mitarbeiter gehen, berichtet Brosda. In Bramsche waren es „etwa zehn“. Zudem wurde mit Jahresbeginn 2015 in der Tuchmacherstadt – bis zum Sommer – die Wochenarbeitszeit auf vier Tage reduziert. Löhne und Lohnkosten wurden entsprechend gesenkt, so Brosda.

750 Mitarbeiter hat die Gebr. Rasch GmbH weltweit. Der Jahresumsatz der Gruppe lag bei 161 Millionen Euro im Jahr 2014. Wie es mit Blick auf das Russland-Ukraine-Geschäft weitergeht? „Man guckt da in eine Glaskugel“, stellt Manfred Brosda fest.

„Guckt in eine Glaskugel“

Ähnlich formuliert es Alexander Schuhmann. Er ist einer der Verkaufsleiter beim Landmaschinen-Hersteller Grimme, einem ebenfalls international agierenden Unternehmen. Unter anderem mit Werken in Damme sowie im Niedersachsenpark in Rieste, aber auch im russischen Kaluga (dort 54 Mitarbeiter). „Die gesamte Krise in Russland trifft uns schwer“, sagt Schuhmann, „aber sie ist nicht allein auf die EU-Sanktionen zurückzuführen.“ Zur Folge hat sie momentan jedenfalls gewaltige Umsatzrückgänge bei Grimme im Russland-Geschäft (auf ca. ein Drittel im Vergleich zum Vorjahr). In Kombination mit einer allgemein angespannten Lage auf dem Weltmarkt für Landmaschinen alles andere als eine betriebswirtschaftlich einfache Situation.

Da kann sich Hans-Christian Sanders wohl noch vergleichsweise glücklich schätzen, „denn wir können bestimmte Umsatzrückgänge in Russland noch mit Geschäften anderswo ausgleichen.“ Die Krise im Osten habe die Gebrüder Sanders GmbH & Co. KG „eben nicht ins Mark getroffen“. Russland bliebe als Absatzmarkt für Bettwaren und Heimtextilien „ein höchst interessanter Standort“. Ebenso die benachbarte Ukraine – trotz einer politisch instabileren Lage und härteren Bedingungen für Firmen – als Produktionsstätte.

Dort hat der Geschäftsführende Gesellschafter Sanders bereits vor vielen Jahren in Wynograd eine Näherei und Produktion für Bettwaren errichten lassen. Allein hier arbeiten 630 Menschen für ihn und das Unternehmen mit Hauptsitz in Bramsche. „30 Personen davon haben wir gerade erst in 2014 eingestellt“, sagt Sanders. „Wir haben in Wynograd außerdem investiert und modernisiert. Drei bis vier Millionen Euro zusammen in 2013/14.“

Aus der Ukraine, aber auch aus Bramsche beliefert seine Unternehmensgruppe (Gesamtumsatzziel im laufenden Jahr ca. 59 Millionen Euro) „in Zusammenarbeit mit einem großen skandinavischen Möbelhaus“ den russischen Markt. Umsatz, der hier momentan ausbleibe, werde durch Sanders-Geschäfte in China und ganz anderen Teilen Europas kompensiert.

Eine Perspektive, die sicherlich auch für die Verantwortlichen bei Rasch Tapeten und Grimme grundsätzlich erträglich wäre.


Wir meinen: Nicht leicht „Die kommenden Wochen und Monate werden für die Verantwortlichen und die Arbeitnehmer bei Rasch Tapeten gleichermaßen kein Zuckerschlecken. Denn in Bramsche hat niemand den entscheidenden Hebel in der Hand, um den politischen Konflikt zwischen Russland und der Ukraine mit all seinen weitreichenden Folgewirkungen zu beenden. Die Lösung dieses Konfliktes wird aber dafür entscheidend sein, ob besagte Wirtschaftsräume in Osteuropa auch für das Traditionsunternehmen aus unserer Region weiterhin wichtige Produktionsstätte, Absatzmarkt beziehungsweise Einnahmequelle sein können. Rasch Tapeten bleibt somit nur eine eher passive Zuschauerrolle. Nicht sicher wissend, was da noch kommen mag. Auf einer solchen Basis unternehmerische Aktivitäten zu planen bzw. Arbeitsplätze zu sichern, ist wahrlich nicht leicht. Ein tragfähiges Konzept wird sich wohl nur dann finden lassen, wenn Unternehmensleitung und Arbeitnehmer in nächster Zeit verantwortungsbewusst und ohne Winkelzüge an einem Strang ziehen.“

Moskauer Probleme: Rubel-Talfahrt und Kaufkraftverluste

Zum einen die von der EU verhängten Wirtschaftssanktionen nach den (militärischen) Konflikten um die Krim und den Osten der Ukraine. Zum anderen ohnehin eine Rezession in Russland, die von einer Abwertung des Rubel, einem Ölpreisverfall und enormen Kaufkraftverlusten der Bevölkerung begleitet wird. Um die ökonomische Entwicklung im – mit Blick auf die Fläche – größten Land der Erde (mit seinen 143,5 Millionen Menschen) ist es momentan nicht zum Besten bestellt.

Auch zahlreiche deutsche Unternehmen haben das zuletzt zu spüren bekommen. Das Statistische Bundesamt veröffentlichte Zahlen, die im Januar 2015 (im Vergleich zum Vorjahr) einen Exportrückgang nach Russland um 35 Prozent belegten. Aus Deutschland werden vor allem Fahrzeuge, Maschinen und Chemieprodukte in das ca. 17 Mio. Quadratkilometer große Riesenreich geliefert.

Laut ihrer Verfassung ist die Vielvölkerregion Russland übrigens ein förderativer Staat. Dessen Oberhaupt – und politisch zentrale Figur – ist der Präsident, aktuell Wladimir Putin. Regierungschef ist Dmitri Medwedew.

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