Neuer Vorstand gefunden Rettung in letzter Minute für Bramscher Hospizverein

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Für einen Neuanfang: Anke Hennig, Christiane Kohlenbach-Pajonk, Lutz Caje und Grit Beimdiek (von links). Foto: Hildegard Wekenborg-PlackeFür einen Neuanfang: Anke Hennig, Christiane Kohlenbach-Pajonk, Lutz Caje und Grit Beimdiek (von links). Foto: Hildegard Wekenborg-Placke

Bramsche. Buchstäblich in letzter Minute hat der in schwere Turbulenzen geratene Bramscher Hospizverein mit der Neuwahl eines Vorstandes seinen Fortbestand gesichert. Während der Mitgliederversammlung am Dienstag wurde zudem das Ausmaß der Verfehlungen der inzwischen wegen Untreue verurteilten früheren Vorsitzenden sichtbar.

Nach mehr als zweistündiger kontroverser Debatte und drei Stunden vor Ablauf einer letzten vom Amtsgericht gesetzten Frist fanden sich mit Anke Hennig (1. Vorsitzende), Grit Beimdiek (Stellvertreterin), Christiane Kohlenbach-Pajonk (Kassiererin) und Lutz Caje (Schriftführer) vier Mitglieder bereit, Vorstandsämter zu übernehmen. Ein hörbares Aufatmen ging durch die Versammlung im Gemeindehaus von St. Johannis in der Gartenstadt, als das neue Führungsquartett auf die Frage von Wahlleiterin Helga Lewandowsky „Nehmen Sie die Wahl an?“ mit einem klaren und deutlichen „Ja“ antwortete.

Dass der neue Vorstand einen Berg an Problemen würde abarbeiten müssen, war zuvor bei einem Bericht der kommissarischen Vorsitzenden Silke Hövelkamp klar geworden, die nach dem Rücktritt ihrer Vorgängerin die Vereinsgeschäfte geführt hatte. Die Ex-Vorsitzende wurde inzwischen verurteilt , weil sie sich in hoher vierstelliger Höhe aus der Vereinskasse bedient hatte. Obwohl das Geld inzwischen zurückgezahlt wurde, blieb verbrannte Erde: Hövelkamp berichtete von immer wieder von ihrer Vorgängerin abgesagten Mitgliederversammlungen, von der Weigerung, anderen Vorstandsmitgliedern Einsicht in die Konten zu gewähren und von Unterlagen, die erst nach mehrfacher Aufforderung „unsortiert und ungeöffnet in Wäschekörben“ zurückgegeben worden seien.

Doch das war wohl nur die sichtbare Spitze des Eisbergs. Offenbar wurden Bitten um Sterbebegleitung einfach abgelehnt und die Anfragen nicht weitergegeben, obwohl sechs Mitglieder des Vereins hierfür qualifiziert sind und auch bereit gewesen wären, diese schwere Aufgabe zu übernehmen. Das berichtete Anke Hennig nach einem Telefonat mit einem Eper Bürger, der um Hilfe für ältere Angehörige gebeten hatte. „Das haben wir nicht gewusst“, reagierten die „Aktiven“ des Vereins um Silke Hövelkamp fassungslos. „Wir waren alle blauäugig. Wir haben ihr einfach geglaubt. Wir haben Fehler gemacht“, merkte Hövelkamp selbstkritisch an. Viel zu viel Zeit sei vergangen, bis die übrigen Vorstandsmitglieder misstrauisch geworden seien und die Polizei eingeschaltet hätten.

Diese „Gutgläubigkeit“ und mangelnde klare Strukturen, beispielsweise bei der Erstattung von Auslagen („Das haben wir nie eingefordert“, Hövelkamp)) und der Zweckbindung von Vereinsvermögen, führten während der Mitgliederversammlung zu kritischen Nachfragen. Dennoch wurde den übrig gebliebenen Vorstandsmitgliedern mit großer Mehrheit Entlastung erteilt: „Wir verstehen Sie. Sie waren alle mit Herzblut dabei“, hieß es aus dem Plenum.

Alternativen, wie, sich dem Ostercappelner Verein „Spes Viva“ oder dem Hospizverein in Ankum anzuschließen, beziehungsweise als Hospizgruppe unter dem Dach der St.-Johannis-Gemeinde weiterzuarbeiten, kamen schließlich nicht zum Tragen. „Der Verein sollte weiter bestehen, weil Bramscher solche Dinge lieber vor Ort haben möchten“, meinte die spätere Vorsitzende Anke Hennig.

Der neue Vorstand will sich jetzt mit Nachdruck den administrativen Aufgaben widmen. „Ich bedanke mich im Namen meiner Vorstandskollegen für den Vertrauensvorschuss, und ich freue mich, hier etwas ganz Neues anzufangen“, fasste Hennig in ihrem Schlusswort zusammen.


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