Serie: Eine Stunde mit... Förster betreut Friedwald zwischen Achmer und Ueffeln

Von Christoph Lützenkirchen

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Achmer. Der Mann hat es mit dem Wald. Erst ist er Förster geworden. Dann war er 2002 einer der wenigen seiner Zunft, die das Potenzial des Konzepts „Friedwald“ erkannten. Inzwischen hat er sich dort selbst den Platz für seine letzte Ruhestätte gesichert. Obendrein – wirklich wahr! – heißt er auch noch „Buchwald“. Wolfram Buchwald, um genau zu sein. 55 Jahre alt, verheiratet, drei Kinder.

Der Diplomingenieur Forstwirtschaft ist Mitarbeiter des niedersächsischen Forstamts in Ankum. Teil seiner Aufgaben als Hauptförster ist die Betreuung und Entwicklung des Friedwalds auf dem Gehn zwischen Achmer und Ueffeln.

Heute ist Buchwald unterwegs, um ein neues Teilstück des 50 Hektar großen Areals vorzubereiten. „Wir haben jetzt dreizehn Hektar belegt“, sagt er. Buchwald erklärt, dass der Wald auf dem Gehn aus verschiedenen Gründen für den Friedwald ausgewählt wurde. Es sollte ein alter Wald sein. Die Nähe zu Osnabrück war wichtig. Durch einen Bach, der hindurch fließt, wird die Struktur aufgelockert. „Die Waldidylle ist da“, so Buchwald: „Menschen, die ihre Angehörigen besuchen, verbinden das oft mit einem Spaziergang.“ Der Waldcharakter soll erhalten bleiben, deshalb ist der auf Friedhöfen übliche Grabschmuck nicht erlaubt. Schlichte Schilder an den Bäumen geben Auskunft darüber, wer an einem Baum begraben wurde. Zudem liege der Friedwald in einem Gebiet, das gemäß der Fauna-Flora-Habitatrichtlinie (FFH) als besonders schützenswert gilt, so Buchwald: „Wahrscheinlich wird es bald unter Naturschutz gestellt.“

Für jeden Geschmack

Der Hauptförster markiert die Bäume, um die herum später Gräber liegen sollen, mit einem rot-weißen Flatterband. Am beliebtesten ist die Buche, aber auch Nadelbäume, Eichen und Birken werden häufiger gewählt. Buchwald versucht, seinen „Kunden“ möglichst entgegenzukommen und passende Bäume für jede Geschmacksrichtung anzubieten. „Manche mögen schlanke, gerade Bäume, andere suchen sich gezielt die besonders stark verästelten aus“, sagt er. Der Forstfachmann schaut sich die Bäume an und hat gleich Ideen dazu, welche besonders geeignet sind. Er sieht auch, wo der Wald noch gelichtet werden muss. Die Bäume müssen so weit auseinander stehen, dass rund um die einzelnen Bäume zehn Gräber angelegt werden können. Ihr Abstand zum Baum soll zwei bis drei Meter betragen. Es gibt spezielle Familienbäume, Partnerbäume oder Freundschaftsbäume. Buchwald legt später auch fest, in welche Preisklasse ein Baum eingestuft wird. Interessenten können die Preise an farbigen Plaketten erkennen. Die günstigsten Bäume kosten 2700 Euro (rosa Plakette), die teuersten 6350 Euro (orange Plakette). Je dicker der Baum desto teurer wird es. Auf dem Gehn liege der Durchschnittspreis bei 4500 Euro, erklärt Wolfram Buchwald. „Viele Menschen suchen sich den Platz, an dem ihr Grab liegen soll, ab Mitte 50 aus“, sagt er. Am beliebtesten seien dünnere Bäume. Dabei würden viele ganz pragmatisch nach dem Motto entscheiden: „Der wird ohnehin dick“.

Starke Emotionen

Buchwald hat Freude an der Arbeit im Friedwald, er erlebt sie als Bereicherung. „Man bekommt etwas zurück“, sagt er:“ Als Förster bin ich viel allein.“ Im Umgang mit den Menschen, die den Friedwald besuchen, um sich eine Grabstelle auszusuchen, kommt Buchwald regelmäßig mit starken Emotionen in Berührung. Oft seien die Interessenten schon krank, erzählt er. Im Vorfeld sei ihm diese Qualität der Arbeit gar nicht klar gewesen. Aufgrund der besonderen Anforderungen bietet die Friedwald GmbH als Kooperationspartner des Forstamts zweimal im Jahr eine professionelle Supervision an.

Die Arbeit im Friedwald macht mittlerweile etwa ein Viertel der Aufgaben von Wolfram Buchwald aus. Er sucht nicht nur die Bäume aus, er organisiert auch die folgenden Arbeiten. Im Rahmen der Auslichtung müssen Bäume gefällt werden. Sie sollen möglichst ohne Schäden am Bestand abtransportiert werden. Manchmal sind auch neue Bäume zu pflanzen. Von Donnerstagmittag bis Samstagabend nimmt der Förster sich Zeit für Termine mit Interessenten. Manchmal führt er Gruppen durch den Wald. Außerdem sind da natürlich noch die eigentlichen Bestattungen. Gräber sind herzustellen, zudem begleitet Buchwald die Trauergemeinden. Dabei hat er über die Jahre hinweg sehr unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Der Friedwald steht Menschen aller Religionen und Weltanschauungen offen. „Meist begleiten zwischen acht und zehn Angehörige die Urnenbeisetzung“, sagt der Hauptförster: „Ich habe aber auch größere Feiern mit 60 bis 80 Personen erlebt. Aus Hamburg kamen einmal 120 Menschen zu einer sehr eleganten Feier.“

Briefe des Vaters

Besonders berührt hat ihn die Beisetzung eines Vaters, dessen Tochter eine Decke mitbrachte, sich neben das Grab setzte und zwei Stunden lang Briefe ihres Vaters las. Für sich selbst hat Buchwald übrigens nicht etwa einen besonders großen, stattlichen Baum ausgesucht. „Ich habe mich für eine kleine Buche entschieden“, sagt er bescheiden.


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