Gemeinsam zum Public Viewing Bramscher Suchtberater machen Freizeit zum Thema

Therapiehund Lissy gehört zum Team der Fachstelle Sucht Rieke Kuhlmann, Karl-Ernst Kuhnert, Natalie Ruder, Daniela Reifschneider, Mirco Bock und Olga Schneider (von links).Foto: Hildegard Wekenborg-PlackeTherapiehund Lissy gehört zum Team der Fachstelle Sucht Rieke Kuhlmann, Karl-Ernst Kuhnert, Natalie Ruder, Daniela Reifschneider, Mirco Bock und Olga Schneider (von links).Foto: Hildegard Wekenborg-Placke

Bramsche. Dem Alkohol, der Droge, dem Glücksspiel den Rücken gekehrt – und auf einmal hat der Tag freie Stunden – eine Lücke, die sinnvoll gefüllt werden will. Das Suchtberaterteam der Diakonie will den Abhängigen deshalb Freizeit-Alternativen zum Suchtmittelkonsum vermitteln.

„Im Rahmen der ambulanten Therapie bieten wir in den Gruppen in regelmäßigen Abständen verschiedene Freizeitaktivitäten ab“, sagt Daniela Raifschneider, die Leiterin der Bramscher Fachstelle Sucht im Diakonischen Werk in Stadt und Landkreis Osnabrück. Gemeinsam mit den Beratern und Therapeuten gehen die Betroffenen essen, bowlen oder kegeln, die Frauengruppe besuchte die Salzgrotte im Hasebad, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Vorschläge aus den Gruppen sind willkommen. Von der Diakonie gibt es einen Zuschuss von zehn Euro pro Person und Quartal.

Vielen dieser Aktivitäten ist eines gemeinsam: Sie bringen Spaß, aber sie konfrontieren die Betroffenen auch mit ihrer Sucht. Beraterin Rieke Kuhlmann nennt ein Beispiel: Während der Fußball-Weltmeisterschaft im vergangenen Sommer besuchte eine der Gruppen das Public Viewing auf dem Bramscher Marktplatz. Die Reize waren vielfältig: die Bier- und Cocktailstände, die Gruppen alkoholisierter Zuschauer. Für die Betroffenen sei das sicherlich nicht leicht gewesen. Gemeinsam und von den Therapeuten begleitet, hätten die Betroffenen allerdings erlebt, dass es möglich ist, sich von den Reizen abzugrenzen, dem Suchtdruck zu widerstehen und Freude ohne Alkohol oder Drogen zu empfinden. „Das habe ich ja noch nie gemacht“, habe sie hinterher oft gehört. Und „Ich bin froh, dass wir das geschafft haben“.

Bei der Organisation solcher Highlights in der ambulanten Therapie werden die Abhängigen stets mit eingebunden – und erleben so Erfolgserlebnisse, die vielen längst fremd geworden sind. „Manche Menschen können sich in den Gruppenstunden nicht so mitteilen“, hat Suchttherapeut Karl-Ernst Kuhnert festgestellt. Bei der Vorbereitung von Gruppenveranstaltungen, der „non-verbalen Begegnung“, wie es Kuhnert nennt, zeigten die Betroffenen häufig bisher unentdeckte Qualitäten, die für den Einzelnen wie für die Gruppe von großem Nutzen seien.

„Viele Abhängige haben Angst vor der Langeweile. Das Gefühl der Leere führt zu einer Depression, die wiederum zur Sucht“, sagt Kuhnert. Solche Phasen des Nichtstuns müsse man aushalten lernen. Aufkommende Unruhe nicht mit einem Suchtmittel, sondern eher mit Entspannungstechniken zu begegnen, ist neben den Gesprächsrunden und den Freizeitaktivitäten ein weiterer wichtiger Bestandteil der ambulanten Therapie. Die Gruppen in Bramsche und Quakenbrück sind jederzeit für neue Mitglieder offen.


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