Neuwahlen am 23. März Hospizverein Bramsche: Strafbefehl gegen Ex-Vorsitzende

Rechtskräftig ist mittlerweile der Strafbefehl gegen die ehemalige Vorsitzende des Bramscher Hospizvereins. BN-Symbolfoto: dpaRechtskräftig ist mittlerweile der Strafbefehl gegen die ehemalige Vorsitzende des Bramscher Hospizvereins. BN-Symbolfoto: dpa

Bramsche. Der Bramscher Hospizverein will nach heftigen Turbulenzen einen Neuanfang wagen. Für den 23. März wurde eine Mitgliederversammlung einberufen, während der ein neuer Vorstand gewählt werden soll.

Die bisherige Vorsitzende war Anfang des Jahres nach Vorwürfen zurück- und aus dem Verein ausgetreten, einen hohen vierstelligen Betrag aus der Vereinskasse unterschlagen zu haben . Das Amtsgericht Bersenbrück hat auf Antrag der Staatsanwaltschaft inzwischen gegen die Frau einen Strafbefehl wegen Untreue über 100 Tagessätze zu jeweils 30 Euro erlassen, der inzwischen rechtskräftig ist.

Silke Hövelkamp, die zurzeit kommissarisch die Geschäfte führt, sieht sich damit in ihrer Einschätzung bestätigt. Abgesagte Termine, Mitgliederversammlungen, die nicht zustande kamen, mehrfache vergebliche Versuche, mit der Ex-Vorsitzenden zu sprechen, hatten sie und ihre Vorstandskollegin Ingrid Huckriede-Klaus hellhörig gemacht. Als beide endlich Einblick in die Konten des Vereins nehmen konnten, wurde es Gewissheit: Das Konto war leer (wir berichteten). Der Verein erstattete Anzeige gegen die Ex-Vorsitzende.

Hövelkamp blieb in den vergangenen Monaten die Aufgabe, alle Vereinsangelegenheiten allein zu bewältigen. Ihre Mitstreiterin Huckriede-Klaus begleitet zurzeit einen Menschen in der letzten Lebensphase und steht für administrative Aufgaben nicht zur Verfügung .

Denn das ist die eigentliche Aufgabe, die sich der 40 Mitglieder starke Verein gesetzt hat. Sechs sogenannte „Aktive“ begleiten Menschen mit unheilbaren Krankheiten und ihre Angehörigen in der schwersten Phase des Lebens. Diese Aktiven haben eine intensive Schulung bei dem Hospizdienst Spes Viva e.V. in Ostercappeln absolviert. „Man muss hierfür keine medizinischen Vorkenntnisse mitbringen“, sagt Silke Hövelkamp. „Ganz wichtig ist Zeit. Und man muss mit sich selbst im Reinen sein, um für andere da sein zu können.“ Die Kosten der Ausbildung übernimmt der Verein.

Eine Begleitung ist eine schwere und oft belastende Aufgabe. „Wichtig ist, dass man Distanz zu den eigenen Erfahrungen schaffen kann“, sagt Hövelkamp.

Monatliche Treffen

Nicht zuletzt deshalb und um sich über die schweren Erlebnisse in der Begleitung Todkranker auszutauschen, treffen sich die Aktiven einmal monatlich in der St.-Johannis-Kirchengemeinde in der Gartenstadt. Dabei war bisher immer auch ein Mitglied des Vorstandes, da häufig organisatorische und finanzielle Fragen zu klären sind. Doch gerade hier liegen aber zurzeit die größten Probleme. Silke Hövelkamp und Ingrid Huckriede-Klaus werden nicht mehr antreten. Zu groß sind die Frustration und der Stress der letzten Monate. „Wir brauchen einfach etwas Ruhe“, sagt Hövelkamp. Dennoch hofft sie, dass der Verein noch eine Chance hat. „Wir haben zwar 40 Mitglieder, aber wir brauchen Leute, die aktiv werden und sich auch um die administrativen Belange kümmern wollen“, appelliert Hövelkamp an alle, die sich für den Verein einsetzen möchten.

Inzwischen hat sich mit Anke Hennig eine Bramscherin gefunden, die bereit wäre, im Vorstand aktiv zu werden und jetzt Mitstreiter sucht. „Der Verein ist ganz wertvoll und muss unbedingt erhalten werden“, sagt sie. Die Satzung erfordert einen vierköpfigen Vorstand mit 1. und 2. Vorsitzenden, Schriftführer und Kassierer. Letzterer könne mittlerweile wieder auf geordnete Finanzen zurückgreifen, denn die Ex-Vorsitzende hat das unterschlagene Geld inzwischen zurückgezahlt, beruhigt Hövelkamp.

Und wenn sich kein Vorstand findet? „Dann müsste ich den Verein abwickeln“, meint sie bedauernd. Es wäre das Ende von zehn Jahren Hospizarbeit in Bramsche. Die Aktiven könnten sich unter Umständen Spes Viva anschließen, aber eigentlich „möchten wir lieber den Verein hier am Laufen halten“.

Die Mitgliederversammlung findet am 23. März um 19 Uhr im Gemeindehaus St. Johannis in der Gartenstadt statt. Informationen bei Anke Hennig unter Tel: 0173-5150052.


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