Sinfonieorchester in Fabrikhalle Junge Musiker beweisen in Lappenstuhl ihr Können

Von Holger Schulze

Orchestermusik auf hohem Niveau: Christopher Wasmuth (links) dirigiert die Junge Philharmonie Osnabrück. Foto: Holger SchulzeOrchestermusik auf hohem Niveau: Christopher Wasmuth (links) dirigiert die Junge Philharmonie Osnabrück. Foto: Holger Schulze

Lappenstuhl. Ein ausgewachsenes Sinfonieorchester in einer ehemaligen Fertigungshalle für Tiertransporter; es war ein ungewöhnliches Ambiente, in dem die Junge Philharmonie Osnabrück unter der Leitung von Christopher Wasmuth am Samstagabend spielte.

Von zeitgenössischer Musik aus den 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts bis hin zum Klassiker Beethoven reichte das Programm, das von den jungen Musikern vorbereitet worden war. Das Orchester besteht mehrheitlich aus Musikstudenten. Dennoch reicht die Altersspanne bei den Mitgliedern von 15 bis 72 Jahre.

Für das optische Ambiente sorgte der Besitzer der Immobilie, die Firma Welzel Anlagen, durch eine gefällige Beleuchtung. Da in der Halle früher auch Motoren getestet worden waren, besaß die Verkleidung der Wände eine entsprechend hallarme Konstruktion und somit auch eine gute Gesamtakustik.

„Wir haben Musik ausgewählt, die, wenn auch manchmal nur entfernt, mit Industrieklängen in Verbindung steht“, lautete die stichwortartige Einführung, die Christopher Wasmuth in den Konzertabend gab. Eine Lichtbildershow mit alten Bildern rund um die Vergangenheit der ehemaligen Firma Ka-Ba-Fahrzeugbau ergänzte im Hintergrund die Ausführungen des Dirigenten. Mit kurzen Ausschnitten aus dem Programm stellte Wasmuth noch die industriegeräuschnahen Klangfolgen und Rhythmen der einzelnen Stücke vor, bevor es mit der Sinfonie Nr. 7 in A-Dur von Ludwig van Beethoven schließlich losging.

Die zunächst getragenen Bläsersätze und dezenten Streicher verließen bald schon die im ersten Satz der Komposition enthaltene anfängliche Ruhe und Gelassenheit, um in furiosen Läufen selbst die Kontrabassisten hinein und durch die höheren Regionen ihres Instrumentes zu schicken.

Auch in den drei weiteren Sätzen der Sinfonie zeigte sich, auf welch hohem Niveau der Klangkörper von Christopher Wasmuth zu musizieren in der Lage ist: Sein klar verständliches Dirigat wurde mit akzentuiert-präzisem sowie temposicherem Zusammenspiel umgesetzt.

Nach der Pause folgte auf den Klassiker Beethoven die Moderne, repräsentiert durch den Komponisten John Adams. Sein „Short Ride in a Fast Machine“ von 1986 stellte die Junge Philharmonie Osnabrück vor die Herausforderung, eine vierminütige, hochkomplizierte Komposition zu bewältigen. „Short Ride in a Fast Machine ist eine fast übermütig anmutende Spritztour, in der das Orchester den Sportwagen fährt“, versprach das Begleitheft zum Programm. Dem ist nur noch hinzuzufügen: Das junge Orchester fuhr den Boliden über weite Strecken hinweg im Vollgasmodus und ohne Geschwindigkeitsbeschränkung, ohne dabei jemals Gefahr zu laufen, aus der Kurve zu fliegen.

Ein ebenso selten gespieltes Werk ist „Pacific“ von Arthur Honegger, das sich der rasanten PS-Fahrt des Vorgängerstückes anschloss. Auch hierbei nahm die Junge Philharmonie Osnabrück erneut erhebliche Fahrt auf. Zu hören war ein, in seiner Intensität sich ständig steigernder Klangteppich, der mit aberwitzig dynamischer Rhythmik den Start und das Ende einer Zugfahrt akustisch umsetzte, um am Ende monströs zu erlahmen. Visuell unterlegt wurde das Musikstück durch eine Videoeinspielung auf der Leinwand im Hintergrund, die junge Leute aus dem Jugendzentrum „Altes Stahlwerk“ in Melle passend zur Musik hergestellt hatten.

Nach all der Moderne im zweiten Teil des Konzertes fanden Dirigent und Orchester nochmals zu etwas melodischeren Klängen zurück. Mit dem Bolero von Maurice Ravel durfte das Publikum sich in einem zunächst unaufgeregten Tongebilde seelisch niederlassen, das mit seiner wiegenden Monotonie über etliche Minuten hinweg erst einmal Ruhe einkehren ließ, um schließlich nach zahlreichen Steigerungen in einem Forte zu enden.

Die Nachwuchsmusiker lieferten eine durchgängig wache und inspirierte Aufführung von der Stuhlkante aus. Die Ausführung der unterschiedlichen Aufgabenstellungen und Herausforderungen sowie die musikalische Feinabstimmung in der außergewöhnlichen Konzerthalle erfolgten auf höchstem Niveau, sodass dem Publikum ein schöner Abend bereitet wurde.