Neues Buch von Volker Issmer Das Ueffelner Blutbad im Gehn als Romanthema

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Osnabrück/Ueffeln. Was hat das „Blutbad im Gehn“ mit der spanischen Armada zu tun? Tja, das ist eine längere Geschichte. Der Osnabrücker Autor Volker Issmer erzählt sie in seinem neuen Roman auf 327 Seiten. Wie man es aus seinem bisherigen Werk kennt, wählt er historische Fakten zum Ausgangspunkt und schmückt sie dann fiktional aus.

In „Mein herzliebster Bruder im Fleisch und in Christo! – Armada –“ lässt der in Hellern lebende Historiker und Autor regionalgeschichtliche Episoden in einen Zusammenhang mit weltgeschichtlichen Ereignissen treten. Dazu wählt er die Form des Briefromans: Die (fiktive) Hauptperson Miguel Fitzgerald de Cordura, geboren 1565, schildert in insgesamt 14 Briefen ihrem (ebenfalls fiktiven) Halbbruder Rodrigo ihr Leben.

Seine Kindheit verbringt Miguel in der Festung Lingen/Ems. Die Spanier haben Lingen besetzt, um von hier aus die aufständischen Niederländer zu bekämpfen. Miguels Vater ist spanischer Hauptmann, seine Mutter Irin. Damit deuten sich bereits wesentliche Schauplätze und Handlungsmuster an: Miguel gerät in die Wirren der spanisch-englischen Auseinandersetzungen, nimmt an einer spanischen Expedition 1579 bis 1583 teil, die den Aufstand der katholischen Iren gegen die protestantischen Engländer unterstützen soll, aber grandios scheitert. Immerhin lernt er bei der Gelegenheit die Heimat seiner Mutter, Irland, kennen.

„An dieser Stelle fließt meine eigene Liebe zu Irland ein“, gesteht Issmer, der seit Studententagen 1967 fast in jedem Sommer in Irland war: „Diese Altertümlichkeit, dieses Verwobensein von Natur und frühchristlicher Kultur, die in allen Epochen dramatische Geschichte, diese Wetterabhängigkeit, Musik, Mythologie und Meer, für meine Frau und mich ist Irland zur zweiten Heimat geworden.“

Desmond-Rebellion

Im Roman muss Miguel im Zuge der Kämpfe – der sogenannten Zweiten Desmond-Rebellion 1579–1583 – feststellen, dass er sich zu ungeahnten Grausamkeiten hinreißen lassen kann. Seine Schuldgefühle lassen ihn daraufhin sein ganzes Leben nicht mehr los. Miguel nimmt schließlich wenige Jahre später auch an dem Flottenunternehmen der Armada teil, mit dem die Spanier 1588 versuchen, England zu erobern. Auch dieses Unternehmen endet, wie man weiß, im Desaster.

„Es ist historisch belegt, dass vor der Halbinsel Dingle drei Schiffe der Armada verloren gingen“, sagt Issmer, „daran musste ich denken, als wir bei einem Irland-Aufenthalt vor einigen Jahren auf ein Wrack am Strand stießen, das ein Sturm zur Hälfte wieder freigelegt hatte.“ Dieses Wrack war natürlich jüngeren Datums, „aber es schien mir als symbolisches Motiv für den Buchdeckel geeignet“.

Im Roman unternimmt Miguel schließlich eine Wallfahrt nach Köln. Auf dem Rückweg will er die Heimat aus Kindertagen, also das Emsland, besuchen und wird Zeuge eines Massakers, das spanisch-deutsche Freischärler unter Führung seines Jugendfreundes Cord Grothaus an wehrlosen Bauern im Gehn in Ueffeln verüben. Miguel schreitet ein…

Grothaus-Fehde

Auch dieses „Blutbad im Gehn“ ist historisch belegt. „Auslöser war eine typisch deutsche Michael-Kohlhaas-Geschichte – kleiner Anlass, große Wirkung“, urteilt Issmer über die sogenannte Grothaus-Fehde. Ritter Otto Grothaus brachte sie ins Rollen, als er 1549 beim Meierhof zu Heringen eine Mühle baute. Das missfiel Jost von Hettlage, dem Besitzer der Dütemühle in Atter. Eine längere Fehde entwickelte sich. Am 21. März 1591 kam es zum Showdown. Ein kleines Reiterheer von 60 spanischen Söldnern unter der Führung von Grothaus’ Sohn Cord stieß zwischen Ueffeln und Balkum auf 800 schlecht ausgerüstete Bauern und richtete ein Gemetzel an. 300 Bauern und ein einziger Spanier fielen. Ein Gedenkstein am Balkumer Grenzweg erinnert heute an das Blutbad.

Wie kann es geschehen, dass Menschen zu ungeheuerlichen Brutalitäten fähig sind? Diese Frage wirft Issmer immer wieder auf. Er möchte den Geist der damaligen Zeit, der Religionskriege im 16. Jahrhundert, wachrufen. Dabei müssen die Leser mit Schrecken erkennen, dass Gewalt im Namen einer Idee eben nicht „endgültig Geschichte“ ist, sondern uns in Gestalt des IS-Terrors tagesaktuell wiederbegegnet.

Eine öffentliche Buchpremiere und Autorenlesung finden am 25. März um 19 Uhr im „Forum am Dom“ statt.

Volker Issmer: „Mein herzliebster Bruder im Fleisch und in Christo! – Armada –“. Geest-Verlag, 327 Seiten, 12,50 Euro.


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