zuletzt aktualisiert vor

Märchen der Gebrüder Grimm und Struwwelpeter nicht mehr kindgerecht Der Bramscher Frauentreff erinnert sich an die Bücher aus Kindertagen

Von Denis Schimmelpfennig

Die Mitglieder des Frauentreffs Bramsche mit ihren literarischen Schätzen aus Kindertagen. Foto: Dennis SchimmelpfennigDie Mitglieder des Frauentreffs Bramsche mit ihren literarischen Schätzen aus Kindertagen. Foto: Dennis Schimmelpfennig

Bramsche. Welche Bücher, Märchen und Geschichten haben uns in der Kindheit begleitet? Diese Frage stellte sich der Frauentreff Bramsche im Rahmen des Literaturprojektes „Nimm‘ dir ein Buch“ in der Alten Webschule.

Grimms Märchen, „Der Struwwelpeter“, „Max und Moritz“ oder „Der Räuber Hotzenplotz“ – unter den Büchern aus Kindertagen der Teilnehmerinnen des Erinnerungsabends befinden sich berühmte Werke der Kinderliteratur. Aber auch unbekanntere Titel wie „Grauschimmelchen“ von John Symonds wurden vorgestellt. „Das habe ich früher meinem Bruder vorgelesen“, erklärte Elke Splett der gemütlichen Runde. Dieser hat das Buch 1966 zum Geburtstag bekommen. Protagonist der Geschichte ist ein Schaukelpferd, das seinen Weg von seinem alten Besitzer, der nicht mehr schaukelt, zu einem jungen Mädchen findet. Vorgelesen hatte die damals Siebenjährige oft zur Schlafenszeit unter einer kleinen Lampe, erinnerte sich Splett: „Dafür gab’s dann Ärger von den Eltern.“

Christiane Bergmann, die ihre Jugend in der DDR verbrachte, sind besonders zwei Bücher in Erinnerung geblieben, die sie auch über die Zeit rettete: „Beim Puppendoktor“ von Walter Krumbach und „Wer heißt schon Alfons Zitterbacke?“ von Gerhard Holtz-Baumert. Letzteres las Bergmann in der fünften Klasse als Schullektüre. „Die Geschichte war in der Zeit eine willkommene Abwechslung“, berichtete Bergmann, „Sonst gab es nur trockene, sozialistisch korrekte Sachen zu lesen.“

Marie-Theres Kempe war die Einzige in ihrer Familie, die gerne las. Deshalb gab es auch nur wenige Bücher im Haushalt. Ihren Lesehunger konnte sie bei den Nonnen des Klosters in Merzen stillen, bei denen sie allerdings meist nur religiöse Bücher ausleihen konnte. So hatte Kempe bereits in jungen Jahren das Alte Testament komplett gelesen. Aber auch die „Ulrike“-Bücher von Marie Luise Fischer gehörten zur Lektüre ihrer Kindheit.

Besser hatte es da Monika Rodts, die auf eine umfangreiche Sammlung in der Bibliothek der Grundschule Achmer zurückgreifen konnte. „Bücher waren für meine Eltern mit fünf Mark aufwärts ziemlich teuer“, sagte Rodts. Trotzdem hätte die Familie auch viele Märchenbücher besessen, die mittlerweile dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallen wären.

Die Märchensammlung der Gebrüder Grimm oder auch den Struwwelpeter finden die meisten der Frauen heute noch sehr brutal. Die mit Illustrationen von brennenden Kindern versehenen Ausgaben ließen die Frage nach der Kindgerechtheit dieser Geschichten aufkommen. Edith Franz bevorzugt die Bücher um den Igel Mecki: „Der lebt im Schlaraffenland und reist durch die Welt“, erklärte sie. Sie habe ihn bereits so lieb gewonnen, dass sie gemeinsam mit ihrem Mann schon fast alle Titel der Reihe erworben habe.

Heute lesen alle gerne Krimis, besonders die von skandinavischen Autoren wie Stieg Larsson begeisterten die Runde. Mit den neuen E-Books können die wenigsten etwas anfangen, man brauche auch die haptische Wahrnehmung beim Lesen und genieße das Geräusch beim Umblättern der Seiten. Zum Abschluss rezitierte Ilka Hoffmann auswendig ihre Lieblingsgeschichte „Der Daumenlutscher“ aus dem „Struwwelpeter“,.

Die nächste Veranstaltung des Literaturprojektes, die Lesung „Ein schöner Tag für den Tod“ von Harald Keller, findet am Donnerstag um 20 Uhr im Tuchmacher Museum statt.