Aus Vereinskasse bedient? Bramsche: Hospizverein zeigt Ex-Vorsitzende an

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Jetzt muss die Justiz entscheiden. Ein Verfahren wegen Untreue gegen die ehemalige Vorsitzende des Hospizvereins ist anhängig. BN-Symbolfoto: dpaJetzt muss die Justiz entscheiden. Ein Verfahren wegen Untreue gegen die ehemalige Vorsitzende des Hospizvereins ist anhängig. BN-Symbolfoto: dpa

Bramsche. Der Bramscher Hospizverein kämpft um seine Existenz. Nachdem die bisherige Vorsitzende wenige Stunden vor einer Versammlung zurückgetreten ist, erheben Vorstandsmitglieder schwere Vorwürfe: Die bisherige Vorsitzende habe über mehrere Jahre in die Vereinskasse gegriffen. Es wurde Anzeige erstattet.

Die erste Mitteilung des Hospizvereins über die Jahreshauptversammlung Anfang des Jahres war äußerst knapp gehalten. Man habe leider ohne Ergebnis getagt. Silke Hövelkamp und Ingrid Huckriede-Klaus seien gewählt worden, um bis Ende März kommissarisch die Geschäfte des Vereins zu führen. Man werde einen neuen Termin anberaumen und dann die Mitglieder fristgerecht einladen, teilte Huckriede-Klaus, die bisherige Kassiererin des Vereins, mit.

Was war geschehen? „Wir hatten kurzfristig zwei Rücktritte im Vorstand“, berichtet die Kassenführerin zunächst ganz vorsichtig. Am Nachmittag vor der Versammlung hätten die Vorsitzende und ihr Mann ganz plötzlich die Ämter niedergelegt. „Sie sollten endlich Unterlagen beibringen“, erinnert sich Huckriede-Klaus. „Aber darauf warten wir immer noch.“ Das Ehepaar habe alle „Kommunikationsversuche abgeblockt“.

Aufseiten des restlichen Vorstandes wurde das Bedürfnis nach Kommunikation allerdings immer größer. „Im Verlauf des Jahres 2014 sind wir allmählich misstrauisch geworden“, sagt Huckriede-Klaus. Man suchte das Gespräch, aber mehrfach seien Verabredungen kurzfristig abgesagt worden. Huckriede-Klaus und ein weiteres Vorstandsmitglied schmissen hin. Drei Termine für Neuwahlen wurden angesetzt, für August, September und Oktober. „Aber es sind nie Einladungen verschickt worden.“ Damit war satzungsgemäß keine Neuwahl möglich. Versuche, persönlich Kontakt aufzunehmen, seien gescheitert, sagt Huckriede-Klaus. „Man hat uns an der Tür stehen lassen.“

Schließlich wurde es der Kassenprüferin zu bunt. „Wir mussten uns schließlich an das Amtsgericht wenden, um an das Konto des Vereins zu kommen“, berichtet sie.

Als die Genehmigung schließlich vorlag, war es noch ein kleiner Schritt bis zur traurigen Gewissheit: In den Jahren 2011 bis 2014 war das Vereinskonto leer geräumt worden. Der Schaden habe sich auf eine „hohe vierstellige Summe“ belaufen, so Huckriede-Klaus. Man erstattete Anzeige. „Das hat uns viele schlaflose Nächte gekostet“, sagt sie. Und Arbeit – die Ex-Vorsitzende musste aus allen Akten gestrichen werden.

Versuche, die ehemalige Vorsitzende mit den Vorwürfen zu konfrontieren, scheiterten. Dennoch habe die Beschuldigte wohl um die Vorwürfe gewusst, meint Huckriede-Klaus. Am Tag der Mitgliederversammlung, während der die kommissarische Führung eingesetzt wurde, sei das Geld wieder auf das Vereinskonto eingezahlt worden.

Die Polizei bestätigte auf Anfrage, dass eine Anzeige vorliege. „Zu weiteren Einzelheiten können wir uns wegen des schwebenden Verfahrens nicht weiter äußern“, sagt Bramsches Polizeichefin Ann Oldiges. Auch die Staatsanwaltschaft Osnabrück bestätigte inzwischen ein „entsprechendes Verfahren wegen Untreue“.

Und was wird nun aus dem Hospizverein, dessen Mitglieder in den vergangenen Jahren etliche Menschen in der letzten Lebensphase und ihre Familien begleitet haben? „Wir wissen nicht, ob wir uns halten können“, sagt Huckriede-Klaus. Es ist ein schweres Ehrenamt, das den Einzelnen stark fordert und oft auch an die persönlichen Grenzen bringt. Nachwuchs gibt es wenig. „Ich selbst werde jetzt wahrscheinlich erst einmal ein- oder eineinhalb Jahre pausieren“, sagt Ingrid Huckriede-Klaus.

Ende März soll wieder eine Mitgliederversammlung stattfinden. Hier müsste dann ein neuer Vorstand gewählt werden. Sollte das nicht gelingen, ruht der Verein zunächst. Das Geld ist und bleibt so lange auf dem Vereinskonto.

Die Ex-Vorsitzende war unterdessen auch für die Redaktion nicht zu erreichen.


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