Grundschüler als Artisten „Manege frei“ in Achmer

Von Hildegard Wekenborg-Placke

Wie richtige Artisten: Wenn die Kinder Pyramiden üben, gibt Marcello Maatz (im Hintergrund) fachkundige Hilfestellung. Foto: Hildegard Wekenborg-PlackeWie richtige Artisten: Wenn die Kinder Pyramiden üben, gibt Marcello Maatz (im Hintergrund) fachkundige Hilfestellung. Foto: Hildegard Wekenborg-Placke

Achmer. „Und hepp!“ Acht Mädchen und ein Junge stürmen in die Manege, springen auf die Matte, stemmen die Hand in die Hüfte und strahlen um die Wette. Im Zirkuszelt hinter der DGA Achmer wird für die Galavorstellungen am Donnerstag um 17 Uhr und am Freitagmorgen geprobt. Die Akteure: Achmeraner Grundschüler und ihre „Zirkuslehrer“ Sylvia Kaselowsky-Maatz und ihr Mann Marcello Maatz.

Seit Donnerstag ist die Zirkusfamilie in Achmer. Am Wochenende wurde das Zelt aufgebaut, aber quasi nur als Rohbau. Den Rest erledigten am Montagmorgen die Schüler. „Die Kinder sollen schon sehen, wie viel Arbeit hinter einer Zirkusvorstellung steckt“, sagt Sylvia Kaselowsky. Bevor geprobt werden kann, wurden deshalb Bodenbretter verlegt, Gestühl aufgestellt und das farbenprächtige Eingangportal aufgerichtet. Alles unter fachkundiger Anleitung. „Es war alles total organisiert. Die Kinder haben zum Beispiel gesehen, dass man ein langes, schweres Brett am besten zu dritt anpackt“, lobt Renate Settelmeyer, die Leiterin der Bühner-Bach-Schule . Kräftig mit anfassen, das kennen manche Kinder gar nicht, meint sie.

In den Zirkuswagen hat jeder Ausrüstungsgegenstand seinen Platz, das Trapez, die Matten, aber auch so kleine Teile wie Jonglierteller und -stäbe. Außerdem haben die Leute vom Schulzirkus Bellissimo mehr als 300 Kostüme dabei, wenn sie zu Projektwochen in Schulen anreisen. „Früher habe ich noch viel selbst genäht. Dazu habe ich jetzt leider keine Zeit mehr“, erzählt Sylvia Kaselowsky. Heute lässt sie nähen. Schließlich soll für alle genügend Auswahl da sein, wenn die Kinder sich für die Galavorstellung herausputzen.

In Achmer sind es „nur“ rund 110 Kinder. „Manchmal haben wir auch Schulen mit 300 oder 400 Jungen und Mädchen“, berichtet Kaselowsky. Bei den Mitmachangeboten gibt es reichlich Auswahl. Wer sich nicht wie die Mädchen in der Manege zum Akrobaten berufen fühlt, kann sich als Clown versuchen, bei der Fakir-Show mitmachen, als Jongleur, Seiltänzerin oder – für ganz Wagemutige – am Trapez aktiv werden, in die Zauberkiste greifen oder die Show moderieren. Oder, wie Milana (7) und Vitalina (6), mit der Hunde- und Ziegendressur auftreten. „Wir mögen einfach Tiere“, meinen die beiden.

„Für die Kinder ist das eine ganz tolle Sache“, sagt die „Direktorin“, die ebenso wie ihr Mann aus einer alten Zirkusfamilie stammt. Vor zwölf Jahren haben sie sich mit dem Projektzirkus Bellissimo selbstständig gemacht und sind mittlerweile im Osnabrücker Land, aber auch in der Region Kassel, Göttingen oder im Raum Leipzig unterwegs. Dabei sehe sie immer wieder, wie auch ängstliche Kinder bei den Übungen Selbstbewusstsein entwickelten. „Hier können alle einmal im Rampenlicht stehen und das Gefühl haben ,Ich bin ein Star‘“, findet sie.

Das Highlight im Achmeraner Grundschuljahr wird zum Teil aus Landesmitteln, aber auch aus Elternbeiträgen und Eintrittsgeldern finanziert. Bei den Galavorstellungen verkaufen Elternvertretung und Förderverein Punsch und Wüstchen. Für Donnerstagabend habe sich übrigens „hoher Besuch“ angesagt, verrät Renate Settelmeyer. Neben Eltern, Großeltern, Freunden und Nachbarn werden Ortsbürgermeister Dennis Kaden und Bramsches Bürgermeister Heiner Pahlmann kommen.

Milana und Vitalina haben derweil noch einen Grund, sich über den Zirkus zu freuen. „Wir haben die ganze Woche keine Hausaufgaben auf“, grinsen die Mädchen.


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