Sprachlernklassen in der „Brücke“ „Wir machen das einfach mal“

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In der ehemaligen „Auszeit“-Räumen lernen die Flüchtlingskinder erste deutsche Vokabeln. Foto: Hildegard Wekenborg-PlackeIn der ehemaligen „Auszeit“-Räumen lernen die Flüchtlingskinder erste deutsche Vokabeln. Foto: Hildegard Wekenborg-Placke

Hesepe. Im Geschäftsleben würde man von einer klassischen „Win-win-Situation“ sprechen, einer Situation, von der beide Seiten profitieren. Seit Beginn dieser Woche werden die älteren Flüchtlingskinder aus der Landesaufnahmebehörde in den Räumen der „Brücke“ in Hesepe unterrichtet. Die Bildungseinrichtung hat damit eine neue Nutzung für etliche Räume gefunden, die nach dem Wegfall des Projekts „Auszeit“ leer standen. Hauptschulleiterin Sandra Castrup machte sich jetzt vor Ort ein Bild.

Die Atmosphäre ist gelöst. Die Jungen und Mädchen zwischen 10 und 16 Jahren haben ihre Hefte vor sich ausgebreitet. Als sich Sandra Castrup vorstellt, gibt es fragende Gesichter. Dann greift Lehrerin Hanna Sundermann ein. Sie zeigt auf ihre Chefin und sagt nur: „The boss“. Die Kinder grinsen. Manche Worte brauchen keine Übersetzung.

Seit Montag sind die Jugendlichen hier untergebracht, nachdem ihre Klassenräume als Notquartiere für die wachsenden Flüchtlingsströme gebraucht wurden. Zuständig für die „Großen“ ist die Hauptschule, die Jüngeren werden von der Grundschule Hesepe betreut. „Wir haben hier endlos Räume“, sagt Brücke-Geschäftsführer Michael Kaufmann. „Als ich gelesen habe, dass es ein Problem gibt, haben wir gleich gedacht ‚Das könnten wir heute noch regeln‘“, sagt er mit Blick auf seinen Mit-Geschäftsführer Volker Hohmann. Im hinteren Bereich des weitläufigen Geländes stehen Schulräume und Werkstätten leer, nachdem der Landkreis mit dem Projekt „Auf Kurs Junior“ die Arbeit mit Schulverweigerern neu geordnet hat.

Nach einigem anfänglichen Hin-und-her ging am Freitag letzter Woche alles ganz schnell. „Wir machen das einfach mal“ , beschreibt Kaufmann die Stimmung unter den Brücke-Mitarbeitern. „Wir machen uns unsere Schule selbst“. Alle packten an. Am Freitagabend war der Umzug durch. „Das macht uns richtig Spaß“, versichert Hohmann.

Anpacken hat für die Brücke-Leute Tradition, erinnert sich Kaufmann. „Als die Aussiedler in die Region kamen, haben wir mit diesen Leuten einen Großteil der Arbeiten am Kindergarten Auf dem Vogelbaum gemacht. Die Menschen wurden in den Handwerkern angeleitet, viele sind später in den Betrieben geblieben. Wir hatten eine ehrliche Vermittlungsquote von 50 Prozent“. Und er ergänzt: „Was wir hier mit den Flüchtlingskindern tun, entspricht zu 100 Prozent unserer Satzung: Unterstützung zu leisten ohne Ansehen von Religion, Herkunft, Hautfarbe und Geschlecht“.

Trotz aller Routine im „Anpacken“ liegt auch in diesem Tagen der Teufel im Detail. Zahlreiche Fragen gibt es zu Beginn zu klären. Wie kann der Busverkehr geregelt werden? Die Jugendlichen müssen rechtzeitig zurück sein, „sonst bekommen sie im Camp kein Essen mehr“. Wer besorgt das Frühstück, denn „hungrig kann man nicht lernen“, so Sandra Castrup. Mittlerweile ist alles geklärt. Immer wieder sind Hohmann und Kaufmann voll des Lobes für die unkomplizierte Zusammenarbeit mit dem Fachbereich 3 Jugend und Soziales der Stadt und seinem Leiter Wolfgang Furche.

32 Schüler sind es an diesem Morgen da. „Es kann täglich wechseln“, sagt Lehrerin Hanna Sundermann. Die weitaus meisten Schüler kommen aus Albanien und dem Kosovo. Häufig sind sie nur eine Woche in der LAB, ihre Chance in Deutschland bleiben zu können ist nicht groß. Armut im Heimatland ist nach deutschem Recht kein Asylgrund. Das haben erst am Freitag die Innenminister von Bund und Ländern bekräftigt.

Der Freude von Hanna Sundermann, Christa Backhaus und Christian Kalmeyer an ihrer Arbeit tut das keinen Abbruch. „Freundlich und offen“ seien die Kinder, wenn sie die anfängliche Reserviertheit überwunden hätten. „Fast meine liebste Klasse“, zitiert Castrup eine ihrer Kolleginnen.


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