Gedenkfeier in der Gartenstadt Erstmals Erinnerung an KZ-Grauen auch in Bramsche

Im Namen der Biku legten Ahmet Irmak, Annette Specht und Gisela Spengler Kränze am Mahnmal für die Bramscher Zwangsarbeiter in der Gartenstadt nieder. Foto: Heiner BeinkeIm Namen der Biku legten Ahmet Irmak, Annette Specht und Gisela Spengler Kränze am Mahnmal für die Bramscher Zwangsarbeiter in der Gartenstadt nieder. Foto: Heiner Beinke

Bramsche. Es war nur ein kleiner Kreis, der sich da am Dienstagnachmittag am Zwangsarbeiterdenkmal in der Gartenstadt versammelte. Aber er möchte Bedeutsames anstoßen: 70 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz fand zum ersten Mal aus diesem Anlass eine Gedenkfeier für die Opfer des Nationalsozialismus in Bramsche statt. Sie soll eine feste Einrichtung werden.

Initiatorin der Kranzniederlegung ist die Bramscher Initiative für das Miteinander der Kulturen (Biku) und hier namentlich Gisela Spengler. Die Künstlerin hat das Denkmal zur Erinnerung an die in der Gartenstadt eingesperrten Zwangsarbeiter überwiegend aus den Niederlanden gestaltet. Die Skulpturengruppe wurde im letzten Jahr um ein kleines Kind ergänzt und damit komplettiert . Auch daran wollte Spengler mit der Kranzniederlegung erinnern. „Und ich wollte in Zeiten von Pegida ein Zeichen setzen gegen Rassismus und Intoleranz“, fügte die Penterin hinzu.

„Ich finde das gut und wichtig“, sagte Bürgermeister Heiner Pahlmann, der kurzfristig eingeladen worden war und spontan zusagte. „Es ist wichtig, solche Tage zu haben, an denen man sich mit der Geschichte auseinandersetzt“, fand Pahlmann. Die Erinnerung an das Grauen der Konzentrationslager und den Massenmord der Nazis müsse wachgehalten werden. Deshalb begrüßte Pahlmann auch die Ankündigung des Partnerschaftsvereins, bei der nächsten Fahrt ins polnische Biskupiec einen Besuch in Auschwitz einzuplanen. Der Bürgermeister bedankte sich bei der Biku für die Idee, aus der eine feste Veranstaltung, auch in einem größeren Rahmen, werden solle.

Für die Biku erinnerte Ulrike Kohn an die Frauen, Männer und Kinder, deren Leben im Dritten Reich ausgelöscht worden ist, „weil sie dem Regime nicht passten, weil sie angeblich nutzlos und überflüssig waren, weil sie ethnisch nicht dazugehörten, weil sie homosexuell waren, weil sie...“. Und sie gedachte der Menschen, die zwar lebend befreit wurden, deren Seelen aber „mit grausamen Erlebnissen beladen“ waren. Diese Geschichte sei „so nah“. Die Biku werde dem in der Runde geäußerten Wunsch nach einer jährlichen Wiederholung in einem größeren Rahmen gerne nachkommen, sagte Annette Specht: „Das ist ein gutes Ziel, das unseren Vereinszielen gerecht wird“, meinte das Vorstandsmitglied.

In den Baracken am Lutterdamm , ungefähr dort, wo heute die Johanniskirche steht, waren im Zweiten Weltkrieg Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene aus allen überfallenen Ländern untergebracht. Zu Polen, Belgiern, Franzosen und Ukrainern kamen 1944 noch rund 800 Niederländer aus Hilversum, die bei einer Razzia verhaftet und verschleppt worden waren . Ihr Schicksal wird unter anderem in dem Buch „Aufstehen! Kaffee holen“ beleuchtet, das Bramscher und Hilversumer gemeinsam schrieben.


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