Wildschwein von Zug überfahren Der Wolf in Achmer – (noch) nur ein Gerücht

Ist der Wolf  bald auch wieder in der Region zuhause? Experten mahnen zur Besonnenheit. Foto: BN-ArchivIst der Wolf bald auch wieder in der Region zuhause? Experten mahnen zur Besonnenheit. Foto: BN-Archiv

Bramsche. Zwischen Achmer und Halen habe die Nordwestbahn einen Wolf überfahren. Dieses Gerücht macht zurzeit in Jägerkreisen die Runde. Das sei aber tatsächlich nur ein Gerücht, betont Bezirksförster und Jägermeister Martin Meyer Lührmann. Es gebe noch keinen ernsthaften Hinweis auf ein Wolfsvorkommen im Raum Bramsche. Wobei die Betonung durchaus auf noch liegt.

„Innerhalb der nächsten fünf Jahre werden wir den Wolf auch im Bramscher Land haben“, ist Meyer Lührmann sicher. Derzeit gebe es schon vermehrte Hinweise auf Vorkommen im Raum Diepholz und im nördlichen Landkreis Vechta.

Der Jägermeister erhält nach eigenen Angaben immer wieder Hinweise auf vermeintliche Wolfssichtungen. Bei Whatsapp beispielsweise mache ein Video die Runde, das einen Wolf auf einem Fahrradweg zeige. „Das ist mir auch zugeschickt worden mit dem Hinweis, das sei irgendwo hier in der Nähe“, erzählt Meyer Lührmann. Die niedersächsische Wolfsbeauftragte Britta Habbe habe ihm aber erklären können, wo der Räuber tatsächlich gefilmt worden ist: im Raum Munster. „Aber das Video geht jetzt durch die ganze Republik, und immer soll der Wolf dort gewesen sein“, lacht Meyer Lührmann.

So entstand das Gerücht

Der Jägermeister kann auch erklären, wie das Gerücht vom Wolf in Achmer entstanden ist. Ein Zug habe in der Nähe des ehemaligen Truppenübungsplatzes einen 70 Kilogramm schweren Keiler überfahren. Weil der nachfolgende Zugführer den Kadaver neben der Strecke liegen gesehen und der Zentrale ein überfahrenes Tier, „vielleicht ein Wolf“, gemeldet habe, sei aus dem Wildschwein ein Isegrimm geworden.

Mehr über Wölfe in der Region und Nachweise von Wolfsvorkommen in Norddeutschland auf unserer Themenseite auf www.noz.de/wolf

Das Beispiel zeigt aber auch, wie ernst Hinweise genommen werden. Meyer Lührmann weiß, wie sensibel das Thema ist. Bei einigen Naturfreunden löse die Rückkehr von canis lupus regelrecht „Euphorie“ aus , andere dagegen machten sich Sorgen und hätten Angst vor dem größten Räuber in heimischen Wäldern, der nach Ansicht des Försters aber „kein gefährliches Tier“ ist. Meyer Lührmann plädiert für Aufmerksamkeit und Sachlichkeit. Unaufgeregt müsse abgewartet werden, wie sich die Population weiterentwickele und welche Verhaltensweisen der Europäische Wolf in der modernen Landschaft entwickele. In der Region steht ihm dabei der ehrenamtliche Wolfsbeauftragte Arndt Eggelmeyer aus Ueffeln zur Seite.

Eggelmeyers Hauptaugenmerk gilt den Nutztierhaltern, die um ihren Bestand fürchten. Nach den Bestimmungen des niedersächsischen Umweltministeriums sollen die Wolfsberater für ein „konfliktarmes Nebeneinander von Mensch und Wolf“ sorgen. Eine ganz wesentliche Rolle spielt dabei die Entschädigung für vom Wolf gerissene Nutztiere. In der „Richtlinie Wolf“ der Landesregierung ist festgelegt, dass der Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) prüft, ob ein Tier tatsächlich vom Wolf gerissen worden ist. Auf der Internetseite www.wildtiermanagement.com lässt sich das Geschehen verfolgen. Danach wird zurzeit auch der Tod eines Kalbes in Hesepe im Oktober 2014 untersucht. Das Ergebnis der Untersuchungen wird ebenfalls veröffentlicht. Noch würde es Eggelmeyer als „Sensation“ betrachten, wenn es wirklich ein Wolf gewesen wäre.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN