Landkreis: Wurde nachalarmiert Kam der Notarzt zu spät nach Achmer?

Die Notarzt-Versorgung in Bramsche wird weiterhin kritisch beäugt. Archiv-Foto: Marcus AlwesDie Notarzt-Versorgung in Bramsche wird weiterhin kritisch beäugt. Archiv-Foto: Marcus Alwes

Bramsche/Achmer. Durch eine Verpuffung in einer privaten Garage ist am Mittwochabend ein Mann in Achmer schwer verletzt worden. Aus den Reihen der Feuerwehr wurde moniert, dass der ebenfalls verständigte Notarzt erst 20 Minuten nach der Alarmierung vor Ort war.

Der 27-Jährige wollte in der Garage wohl ein Fahrzeug mit Treibstoff befüllen. Es kam zu einer Verpuffung, durch die der Mann schwer verletzt wurde. Er musste in ein Krankenhaus gebracht werden.

Der Verletzte wurde zunächst von den Rettungsassistenten versorgt. Deren Handeln sei auch „absolut einwandfrei“ gewesen, meinten Feuerwehrleute. Aber: Das Unglücksopfer habe durch Verbrennungen starke Schmerzen gehabt, gegen die auch die Rettungsassistenten nichts ausrichten konnten: Schmerzlindernde Medikamente dürften ausschließlich Notärzte verabreichen. Sie werden von der Rettungsleitstelle immer dann – zusätzlich zum Rettungswagen (RTW) – alarmiert, wenn die Vitalfunktionen eines Patienten beeinträchtigt sind (beispielsweise Herzinfarkt, Schlaganfall) oder der gemeldete Notfall einen Notarzteinsatz erforderlich erscheinen lässt wie beispielsweise bei einem schweren Verkehrsunfall mit Hinweis auf Verletzte oder einem Brand mit Hinweis auf Personenbeteiligung.

Seit Beginn dieses Jahres gibt es in Bramsche allerdings keine 24-Stunden-Bereitschaft eines Notarztes mehr. Von Bramsche aus fährt der Notarzt nur noch montags bis donnerstags von 7.30 bis 19 Uhr und am Wochenende durchgehend von freitags, 7.30 Uhr, bis sonntags, 23 Uhr. In den übrigen Zeiten werden Wagen aus Ostercappeln, Osnabrück oder eben, wie nach Achmer, aus Ankum angefordert. Dass das späte Eintreffen des Notarztes am Mittwochabend etwas mit diesen Umstrukturierungen zu tun hat, verneint indes der Pressesprecher des Landkreises Osnabrück, Burkhard Riepenhoff: Demnach sei zunächst, um 18.54 Uhr, ein Garagenbrand gemeldet worden, von Verletzten sei nicht die Rede gewesen. „Für diesen Fall sehen die Alarmierungsregeln vor, dass die Feuerwehr ausrückt und das nur für die Eigensicherung der Feuerwehrleute flankierend immer ein RTW mitgeschickt wird“, erklärt Riepenhoff auf Anfrage. Und weiter: „So war es auch hier. Um 18.56 Uhr wurden also die Feuerwehren Achmer, Pente, Hesepe und Bramsche-Mitte alarmiert und zur Eigensicherung der Feuerwehrleute auch noch das RTW Bramsche.“

17 Minuten Anfahrt

Erst um 19.09 Uhr sei dann vom Einsatzort die Rückmeldung gekommen, dass ein weiterer RTW sowie der Notarzt gebraucht würden, da eine Person mit Brandverletzungen vor Ort gefunden worden sei. „Um 19.11 Uhr sind Notarzt und RTW Ankum alarmiert worden, um 19.26 Uhr waren das RTW und um 19.28 Uhr der Notarzt vor Ort“, nennt Riepenhoff minutiös die Abläufe. Bei den Einsatzkräften vor Ort könne der Eindruck eines verspäteten Eintreffens dadurch entstanden sein, dass sie davon ausgingen, Feuerwehr, erstes RTW und Notarzt seien gleichzeitig alarmiert worden. „Dem war aber nicht so.“ Auf diese 17-minütige Anfahrt bezogen sich allerdings auch die Beschwerden mancher Feuerwehrleute, die dies als zu lang empfanden.

*Nach unseren ersten Informationen sollte der verunglückte Mann 21 Jahre alt sein. Die Feuerwehr hat nun mitgeteilt, er sei 27 Jahre alt. Der Text ist entsprechend korrigiert worden.*


Das Rettungswesen und damit auch die Notarztstandorte fallen in den Zuständigkeitsbereich des Landkreises Osnabrück. Per Vertrag ist die Notarzt-Versorgung in Bramsche an die Niels-Stensen-Kliniken delegiert. Der bestehende Vertrag über den Notarztstandort Bramsche ist Ende 2014 ausgelaufen, sodass eine Neuregelung nötig war. Vorgeschrieben ist, dass das erste „Rettungsmittel“ – das ist in der Regel der Rettungswagen – innerhalb von 15 Minuten nach Alarmierung am Einsatzort ist.

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