Für seelische Gesundheit Bramscher Psychiatrie jetzt offiziell am Start

Stellvertretend für die 160 Mitarbeiter der neuen Abteilungen: Vertreter der verschiedenen Berufsgruppen mit der leitenden Ärztin Yvonne Walonka (3. von links) und Chefarzt Professor Wolfgang Weig. Foto: Hildegard Wekenborg-PlackeStellvertretend für die 160 Mitarbeiter der neuen Abteilungen: Vertreter der verschiedenen Berufsgruppen mit der leitenden Ärztin Yvonne Walonka (3. von links) und Chefarzt Professor Wolfgang Weig. Foto: Hildegard Wekenborg-Placke

Bramsche. Mit einer kleinen Feier im Mitarbeiterkreis sind am Mittwoch Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik an den Bramscher Niels-Stensen-Kliniken offiziell an den Start gegangen.

Das Bramscher Haus ist damit Teil des neu gegründeten „Zentrums für seelische Gesundheit“ der Niels-Stensen-Kliniken unter der Gesamtleitung von Professor Wolfgang Weig. Zu diesem Zentrum gehören weiter die Magdalenen-Klinik in Georgsmarienhütte und die Ambulanz im Ärztehaus am Osnabrücker Marienhospital. Für die Leitende Ärztin in Bramsche, Yvonne Walonka; ist der Name Programm. „Hier sollen nicht nur Patienten Heilung finden und neue Kraft tanken. Mein Ziel ist, dass auch die Mitarbeiter mit Freude ihrer Arbeit nachgehen“, sagte sie. In vielen Einrichtungen bleibe unter Kosten- und Zeitdruck die Menschlichkeit auf der Strecke, die Atmosphäre mache nicht selten auch die Mitarbeiter krank. „Das soll hier nicht so sein“, beschrieb sie ihre Vorstellung von „einer anderen Psychiatrie, die menschengerecht ist und in der Menschen sich nicht eingesperrt fühlen.“ Das Motto „seelische Gesundheit“ müsse für Patienten wie Mitarbeiter gelten“, sagte Walonka weiter, die ebenso wie die Psychologin Nira Finke bislang in der Clemens-August-Klinik in Neuenkirchen-Vörden tätig war. Das Ärzte- und Psychologenteam soll in den kommenden Monaten weiter verstärkt werden.

Chefarzt Prof. Wolfgang Weig hatte sich zuvor erfreut gezeigt, dass die Niels-Stensen-Kliniken jetzt auch für Kassen- und nicht nur wie bislang schwerpunktmäßig für Privatpatienten ein ganzheitliches und individuelles psychiatrisches Angebot zur Verfügung stellen könnten. „Der Mensch ist nicht nur Leib und Verstand, sondern auch Seele. Patienten haben nicht nur körperliche, sondern auch religiöse und spirituelle Bedürfnisse“, sagte Weig und zitierte Hermann Hesse: „Allem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben.“

Die neue Psychiatrie beginnt, wie im niedersächsischen Krankenhausbedarfsplan vorgesehen, mit 40 Betten, die psychosomatische Medizin mit 20. Die Zusammenarbeit mit der Inneren Medizin, die auch künftig in Bramsche bleiben wird, soll weiter ausgebaut werden. Es gibt bereits ein interdisziplinäres Angebot zur qualifizierten Entgiftung von Suchtkranken mit dem Psychiater Sascha Riepenhoff. „Wir sind aufeinander angewiesen und profitieren sehr stark voneinander“, versicherte Weig. Bramsche werde weiterhin ein Allgemeinkrankenhaus mit innerer Medizin bleiben und keine reine psychiatrische Klinik. „Keine Sorge, wir Psychiater breiten uns nicht so aus, dass nichts mehr übrig bleibt“, versicherte der Chefarzt schmunzelnd.

In einem ersten Schritt der Umstrukturierung waren zum 1. Oktober vergangenen Jahres zunächst 30 psychiatrische Betten eingerichtet worden – ein Angebot, das sich in erster Linie an ältere Menschen mit seelischen Erkrankungen richtete. Das soll in Zukunft zwar kein Schwerpunkt mehr sein, ältere Menschen mit einem entsprechenden Krankheitsbild werden aber auch weiterhin behandelt.

Niels-Stensen-Geschäftsführer Werner Lullmann zeigte sich überzeugt, dass die Bramscher Klinik „nach einer Phase der Depression jetzt eine Perspektive hat“. Erste Planungen seien aufgenommen worden, Gespräche mit Hannover über die Finanzierung sollen in absehbarer Zeit folgen, „damit wir nicht nur planen, sondern auch bauen können“. Im Zuge der Umstrukturierung werde ein neues Raumkonzept erforderlich, das mehr in Richtung „Hotelbetrieb mit Seminarräumen“ geht, wie der Geschäftsführer am Rande bemerkte.


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