Abschied nach 40 Jahren Bramsches einzige Zoohandlung geschlossen



Bramsche. Für Generationen von Tierfreunden in Bramsche waren sie die erste Adresse am Platz: Augusta Jarosch und ihre Tochter Liesbeth Rolfes-Krikke waren das Team von „Grondel Zoo“ am Gilkamp. Damit ist nun Schluss, zumindest vorübergehend und für einen großen Teil des Angebotes.

Da sind schon ein paar Tränen geflossen, als die altvertraute Tierhandlung an Heiligabend zum letzten Mal öffnete. Kinder brachten ein selbst gebasteltes Aquarium aus Pappe mit und sangen Lieder. Alte Stammkunden, die für Generationen von Haustieren Zubehör und Nahrung bei Grondel besorgten, brachten Rosen mit. Daran erinnert am Tag vor Silvester schon nichts mehr: Der Laden ist komplett ausgeräumt und wird neu gestrichen, was einen Teil der Stammkunden allerdings freuen wird: Ab Mitte Januar wird Liesbeth Rolfes-Krikke ihre Hundepflege hier in erweitertem Umfang anbieten.

Wer allerdings einen Hamster, ein Meerschweinchen oder Aquarienfische kaufen will, der muss künftig schon nach Osnabrück fahren. Denn Augusta Jarosch, die für diesen Geschäftszweig zuständige Seniorchefin, hört auf. „Ich bin jetzt 65, Arbeiten ist ja auch nicht alles. Ich möchte jetzt den Ruhestand genießen“, kündigt die Niederländerin an, die schon längst in Bramsche heimisch geworden ist .

Im Jahr 1968 kam sie nach Bramsche, als die Niederländer noch im Heseper Nato-Camp stationiert waren. Vier Jahre später eröffnete sie ihre erste kleine Tierhandlung an der Lessingstraße auf dem Bramscher Berg. Über Kuhstraße und Brückenort wechselte sie schließlich an den Gilkamp. „Wir haben Kunden, die schon als Kinder hierherkamen und jetzt selbst mit ihren Kindern wieder herkommen“, erzählt Augusta Jarosch. Ihren treuen Stammkunden stand sie stets mit Rat und Tat beiseite. Wer da nicht so genau wusste, welche Leuchte er für sein Aquarium benötigte, der konnte schon mal drei oder vier zum Ausprobieren mit nach Hause nehmen. „Man kennt sich ja hier in Bramsche, in einer großen Stadt wäre das so nie der Fall gewesen“, sagt die Seniorchefin.

Den Kunden stand die Firma auch in Notfällen bei. Wenn am Sonntag die Fische krank wurden, die Heizung ausfiel oder „das Aquarium geplatzt ist, dann hat Mama geholfen“, erzählt Liesbeth Rolfes-Krikke. Sogar ganze Weihnachtsfeste hat die Tierhandlung schon gerettet: Da gab es in einer Familie ein Kaninchen als Geschenk an Heiligabend. Doch das Tier segnete in der Nacht zum ersten Feiertag das Zeitliche. Zoo Grondel sorgte auf die Schnelle für Ersatz – ein Tausch, den die Kinder nicht bemerkten und die Eltern erst Jahre später eingestanden.

Wandel der Zeiten

Tiere als Geschenke sind heute nicht mehr so angesagt, „da muss schon ein Stecker dran sein“, sagt Liesbeth Rolfes-Krikke. Im Sinne des Tierschutzes findet ihre Mutter das grundsätzlich nicht schlecht. Dass aber allgemein Kinder sich weniger für Tiere interessierten und dafür mehr Zeit vorm Computer verbringen, stimmt sie nachdenklich. Der Wandel der Zeiten zeigt sich auch im Handel mit Zubehör. Große Ketten mit ihren Einkaufsmöglichkeiten sowie der Onlinehandel machten Selbstständigen das Leben schwer. Auch ein Grund, warum sich Liesbeth Rolfes-Krikke erst einmal ganz auf die Hundepflege konzentrieren will. Außerdem würden dort Termine vereinbart und es müssten keine Öffnungszeiten garantiert werden.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN