Verständnis für EU-Pläne Plastiktüten möglichst selten im Einsatz in Bramsche



Bramsche. Praktisch, aber umweltschädlich: 71 Plastiktüten nutzt jeder Deutsche im Schnitt pro Jahr, europaweit sind es sogar fast 200. Die EU-Staaten wollen den hohen Verbrauch nun eindämmen, innerhalb von drei Jahren soll jedes Land dafür Regelungen einführen. Wir haben uns in der Bramscher Innenstadt umgeschaut.

In vielen Einzelhandelsgeschäften müssen die Verbraucher in Deutschland zwar schon heute für eine Tragetasche zahlen. Allerdings gibt es zugleich noch zahlreiche andere Branchen (Elektronik-Ketten, Bekleidung etc.), die Plastiktüten noch kostenfrei für ihre Kunden bereitstellen.

Im Schuhgeschäft Griese zum Beispiel ist man sich des Problems bewusst, trotzdem führt hier häufig kein Weg an der Plastiktüte vorbei. „Im Winter bei den großen Stiefelkartons braucht man schon eine große Tüte, wie soll man das denn anders mitbekommen?“, meint Verkäuferin Anita Thomann. Bei Kleinigkeiten werde aber schon gefragt, ob es so mitgehe. „Bei einem Satz Schnürsenkeln muss man nicht unbedingt eine Tüte herausgeben.“ Generell begrüßt die Schuhverkäuferin die Initiative der EU.

Wie in den meisten Läden der Bramscher Innenstadt gibt es auch im Bekleidungsgeschäft Riccio 1 Plastiktüten gratis an der Kasse. „Wir verschwenden die aber nicht“, versichert Verkäuferin Christina Barz. Wenn ein Kunde bereits eine eigene Tasche mithabe, brauche er schließlich keine neue. Das sei allerdings nur selten der Fall, „vielleicht jeder 15. Kunde hat einen Rucksack, einen Stoffbeutel oder eine Handtasche dabei“.

Bei unserem Besuch bedient sie allerdings gleich drei Kundinnen in Folge, die auf eine Plastiktüte verzichten. Eine von ihnen ist Elisabeth Elling, die ihre neue Kleidung in einer großen Handtasche verstaut. Zum Plastikmüll hat sie eine klare Einstellung: „Ich finde das schrecklich. Da kann man doch nicht einfach zusehen.“ Vor allem die gigantischen Müllinseln, die sich in den Ozeanen ansammeln, seien ihr ein Graus.

Elisabeth Elling ist auch beruflich in dem Thema involviert. In der Biologischen Station am Alfsee beschäftigt sie sich mit Umweltbildung, regelmäßig sind dort Grundschulklassen zu Besuch. Die Kinder werden dort für Umweltverschmutzung sensibilisiert.

Dass die Verbraucher zu viel Müll verursachen, darüber sind sich die Bramscher einig. Ob eine Steuer den hohen Verbrauch von Plastiktüten aber in der Praxis eindämmen kann, da ist Christina Barz skeptisch. „Das nützt nichts, das sind ja nur ein paar Cent. Wenn ich eine Tüte brauche, dann nehme ich eine.“

Als sinnvoller werden da bei den Bramschern stabile Leinenbeutel oder Jutetaschen gesehen, die man dauerhaft benutzen kann. „Ich finde das gut, vergesse es aber immer“, gibt eine junge Bramscherin zu. Dass es geht und sogar gut aussieht, beweist derweil Doris Wübbeling, die mit einer „I love Bramsche“-Jutetasche in der City unterwegs ist. „Ich brauche selten Plastiktüten. Für größere Einkäufe habe ich immer eine Kiste im Auto.“ Und wenn sie tatsächlich mal eine Plastiktüte von einem Einkauf nach Hause bringt, wird diese stets wiederverwendet.

Ende November verständigten sich die Vertreter der 28 EU-Mitgliedstaaten in Brüssel nach jahrelangen Beratungen auf einen Kompromiss. Spätestens in drei Jahren soll der gewohnte Griff zur Einwegtragetasche also der Vergangenheit angehören.

Die Bundesregierung muss sich nun entscheiden, wie sie den Verbrauch von derzeit 71 Tüten pro Person und Jahr drastisch senkt. Entweder man führt bis 2017 einen Abgabepreis ein, wie er schon jetzt von einigen Einzelhandelsketten erhoben wird. Oder man drückt mit anderen staatlichen Mitteln den Verbrauch auf höchstens 40 Tüten pro Jahr. Dieses Ziel muss spätestens 2025 erreicht sein.

Durchschnittlich 198 solcher Tüten verbraucht jeder EU-Bürger derzeit pro Jahr. Rekordhalter sind die Portugiesen, von denen jeder bis zu 500 Taschen aus den Fächern an den Kassen zupft. Besonders sparsam dagegen zeigen sich die Iren. Dort sank der Verbrauch nach Einführung einer Abgabegebühr von 22 Cent pro Plastiksack auf inzwischen 20 pro Kopf und Jahr.

Die besonders dünnen Oxo-Plastiktragetaschen, die häufig an Gemüse- und Obst- sowie Fleisch-Theken zur Verpackung von Lebensmitteln genutzt werden, darf es auch künftig geben – zum einen aus hygienischen Gründen, zum anderen aber auch, um die ökologisch gesehen weitaus schädlicheren Hartschaum-Schalen zu vermeiden.

Dennoch bleiben gerade die fast transparenten Beutel eine Gefahr, denn sie gelten ebenso wie die Plastiktaschen als besonders langlebig: Erst nach ungefähr 450 Jahren baut sich der Kunststoff in der Umwelt ab. Bis dahin stellen die Reste der einstigen Taschen ein ständiges Risiko für die Tierwelt dar: Bei der Entsorgung rutschen viele Kunststoffteile durch oder sie zersetzen sich in Mikro-Plastikteilchen, die sich dann letztendlich in den Weltmeeren sammeln.


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