Bramscher Wirtschaft im Porträt Bramscher Haustechniker ein Kontaktmann aus Leidenschaft

Von Christoph Lützenkirchen

Den „Roten Faden“, der unserer Serie den Namen gibt, hat Mathias Strehl aufgenommen. Foto: Christoph LützenkirchenDen „Roten Faden“, der unserer Serie den Namen gibt, hat Mathias Strehl aufgenommen. Foto: Christoph Lützenkirchen

Bramsche. Er ist Meister für Heizungsbau. Er ist Meister für Sanitäranlagen. Doch seine Königsdisziplin sind Kontakte. Mathias Strehl interessiert sich vor allem für Menschen. Damit ist der Chef des gleichnamigen Bramscher Handwerksbetriebs erfolgreich. Innerhalb von 22 Jahren baute er ein Unternehmen mit 13 Mitarbeitern und namhaften Kunden auf.

Die Neigung zum Umgang mit Menschen war früh erkennbar. Nach der Schule ging Strehl in die Lehre, er war 16 Jahre alt. Direkt im Anschluss daran absolvierte er eine Weiterbildung zum Kundendienstler. „Ich arbeitete fünf Jahre lang im Kundendienst“, sagt er, „das hat mich geprägt.“ Einfacher Handwerker zu bleiben, das reichte dem ehrgeizigen Bramscher nicht. Er machte seinen Meister, und das gleich zweifach. Fünf Jahre lang besuchte er berufsbegleitend die Meisterschule. „Ich habe normal gearbeitet und zusätzlich mittwochs und freitags je vier Stunden in der Abendschule gesessen“, erinnert er sich: „Auch die Samstagvormittage verbrachte ich in der Schule.“ Das Ergebnis waren die Meistertitel für Heizungsbau und Sanitäranlagen. Und: Strehl hatte gemerkt, welche Belastbarkeit und Leistungsbereitschaft in ihm steckte. An eine Selbstständigkeit dachte er dennoch nicht. „Ich wollte nie eine eigene Firma, nie eine Familie, nie Kinder“, sagt er. All das hat der Bramscher heute und ist glücklich darüber.

Die Anregung kam 1992 von außen. Strehl war 30 Jahre alt. „Ein Bekannter meinte, ich sei doch eigentlich der Typ für eine Selbstständigkeit“, erinnert er sich. Im Keller seines Hauses in Epe gründete Strehl die Firma. Nach fünf Jahren wurde es dort zu eng; er zog an den heutigen Firmensitz um, eine ehemalige Tischlerei. Der Schlüssel zum Erfolg sei sein Anspruch auf Zuverlässigkeit gewesen, meint der inzwischen 52-jährige. Er arbeitet überwiegend für Privatkunden, aber auch für Stadt und Landkreis oder Firmen wie Duni und Rasch. Immer wieder spricht Strehl vom „stolzen Handwerker, der nicht von seinen Kunden abhängig ist“. Wie es seine Art ist, bringt er diesen Stolz offensiv zum Ausdruck. „Ich will kein Subunternehmer sein, sondern Partner meiner Auftraggeber“, sagt er. Der Heizungsbauer versucht, dieses Selbstverständnis auch an seine Mitarbeiter weiterzugeben. Sie sollen die Scheu verlieren, frei zu sprechen, so Strehl. Seit mehr als zehn Jahren gibt es deshalb regelmäßige Mitarbeiterversammlungen. „Ich glaube, da ist eine eigene Firmenkultur entstanden“, gibt Strehl sich überzeugt: „Wir sprechen offen miteinander.“ Die Offenheit – auch wenn es manchmal um Kritik am Chef geht – sei notwendig, wenn man sich entwickeln wolle.

Strehl ist Vollblutunternehmer, daran lässt er keinen Zweifel aufkommen. Auch wenn er nicht verschweigt, dass das gar nicht so geplant war und er als junger Mann vorhatte, sich „die Welt anzusehen“. Er vermisse nichts, so Strehl, der Beruf sei ihm Berufung geworden. „Ich kann führen, Menschen motivieren und sie für unsere Arbeit begeistern“, sagt er: „Deshalb gehe ich auch gern in Schulen. Ich will junge Menschen für das interessieren, was wir tun.“ Das häufige Gejammer über die schlechten Auszubildenden gehe ihm auf die Nerven, gibt er zu Protokoll. Er ist nicht der Typ, der sich damit zufrieden gibt, sondern beginnt, nach Lösungen zu suchen. Strehl zitiert an dieser Stelle einen der großen Visionäre des letzten Jahrhunderts. John F. Kennedy habe gesagt: „Fragt nicht, was euer Land für euch tun kann – fragt, was ihr für euer Land tun könnt.“ Strehl machte sich das zu Eigen und entwickelte zusammen mit befreundeten Firmen den Bramscher (Berufs-) Orientierung-Parcours BOP . Auf einer Art Markt lernen junge Menschen bei dieser Veranstaltung verschiedene Berufe und Unternehmen kennen. Sie laufen einen Parcours mit Stationen ab, an denen sie jeweils praktische Aufgaben bewältigen müssen. Strehl ist begeistert vom Erfolg der Veranstaltung. „Ich habe jetzt schon meinen Auszubildenden für den August 2015“, berichtet er stolz: „Mein künftiger Lehrling, der kribbelt, der geht auf Menschen zu.“ Insgesamt vier Lehrlinge beschäftigt Mathias Strehl in seinem Betrieb. Er habe Freude daran, die Mitarbeiter an die eigenen Grenzen zu bringen, sagt er. Jeder soll in seinem Unternehmen die Bedingungen finden, sein Bestes zu geben. Eine Lehre sei viel mehr als das Erlernen eines Berufs, glaubt Strehl: „Man lernt ganz viel über das Leben. Das Behütete hört auf.“ Strehls Meister Bastian Heuer war 16, als er bei ihm mit der Lehre anfing. Das ist nun 17 Jahre her und aus dem Stift ist Strehls Partner in der Leitung des Unternehmens geworden. „Der teilt meine Werte“, sagt er: „Zuverlässigkeit, Stolz, Pünktlichkeit.“ Zum Team gehören verschiedene weitere langjährige Mitarbeiter.

Nicht nur im innerbetrieblichen Umgang entfaltet Mathias Strehl die für ihn typische Initiativkraft. Der 52-Jährige hat einige Kollegen aus der Region davon überzeugt, sich regelmäßig zum Erfahrungsaustausch zu treffen. „Jeder von uns führt eine Firma, die in sich funktioniert. Dennoch ist es unvermeidlich, dass man da betriebsblind wird“, sagt Strehl: „In der Gruppe tauschen wir uns offen und ehrlich miteinander aus. Wir treffen uns alle zwei bis drei Monate.“

Was macht so ein Hansdampf wie Mathias Strehl eigentlich, wenn er nicht irgendwo, irgendwen anstiftet? Er tanzt – „das ist das Wichtigste, das mache ich mit meiner Frau“ – er joggt und er geht gern in die Sauna. Da hat er sich als Mann vom Fach doch sicher eine schöne Heimsauna gebaut? Strehl schaut verwundert, vielleicht auch ein wenig tadelnd wegen der Fehleinschätzung. „Richtig schön wird das Saunieren doch erst durch die Menschen, die man dort trifft“, sagt er. Deshalb besucht er lieber die nahegelegene Varus-Therme und ist jedes Mal gespannt darauf, mit wem er dort ins Gespräch kommt. Kontakte sind halt seine Königsdisziplin


Die Serie „Roter Faden – Bramscher Wirtschaft im Porträt“ stellt Firmen-Chefs und Geschäftsführer von Unternehmen in unserer Region vor. Im Mittelpunkt stehen dabei die Persönlichkeiten, die mit ihrem Engagement das Unternehmen voranbringen. Ihre berufliche Entwicklung wird ebenso nachgezeichnet wie das Wachsen des Betriebs. Das Besondere dabei: Jede/r Porträtierte schlägt unserem Mitarbeiter den nächsten Kandidaten für diese Serie vor. So zieht sich – nach und nach – ein „Roter Faden“ durch die örtliche Wirtschaft, mit dem die Bramscher Nachrichten die Vielfalt von Industrie, Handel und Gewerbe in der Umgebung aufzeigen. Im Rahmen dieser Serie wurden bisher vorgestellt: Hans-Christian Sanders (Bettwaren Sanders), Dario Rasch (Tapeten Rasch), Michael von Laer (Bierhefeverarbeitung Leiber), Frank Tschörtner (Grabmale Tschörtner), Michael Wittchen (Elektroinstallation Wittchen), Jan-Hendrik Evers (Semcoglas), Sabine und Michael Jedamczyk (Fun-Sport and more), Geraldine di Silvestro (SPL Computer Trading), Ingrid David und Kai Brickwedde (Steuerkanzlei), Jürgen Sewczyk (Intercup Büroeinrichtungen), Axel Melke (Kalz & Melke Sanitär u. Heizungsbau), Axel Mutert (Architekturbüro), Frank Mrosek (Gebäudereinigung), Anja Meyer und Margaretha Wagner (MeWa Gastro + Service GmbH, Jonny‘s Pantry), Ute Elschen (Pflegedienst), Markus Vije (Computer-Service), Jörg Barowski (Bäckerei Justus), Christian Sostmann (Feinkostfleischerei), Jörg Beckermann (Busunternehmen), Stefan Berghegger (Spedition)

Zusammen mit dem Chef und der Chefin gehören 13 Menschen zur Mathias Strehl Haustechnik. Das Unternehmen bietet seinen Kunden Leistungen in den Bereichen Heizung, Sanitär, Lüftung, Solarwärme und Regenwassernutzung. Dabei legt der Chef großen Wert auf die Beratung. „Ich versuche, den Kunden Entscheidungshilfen in der Vielfalt der Möglichkeiten zu geben“, so Strehl. Im firmeneigenen Beratungsraum sind 3D-Animationen möglich. Der Heizungsbauer nimmt sich Zeit: Mit jedem Kunden fährt Strehl persönlich zum Großhandel, um die richtigen Armaturen und Einrichtungsgegenstände auszuwählen. „Vertrauen ist das wertvollste, was der andere mir geben kann“, so Strehl. Die Kunden danken es ihm. Etwa zwei Drittel der Beratungen führen seinen Angaben zufolge zu Aufträgen. Zu 80 Prozent kommen sie aus der Region. „Weiter als bis nach Hilter und Badbergen sind wir eigentlich nie unterwegs“, sagt Strehl.

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