Modellversuch zur Abluftreinigung Bramscher Klärwerker hoffen auf Algenfilter


Bramsche. In einem Modellversuch soll auf der Kläranlage an der Maschstraße die Wirksamkeit von Algen bei der Geruchsfilterung getestet werden. Wenn alles läuft wie erhofft, könnte der Abwasserbeseitigungsbetrieb der Stadt mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen.

Bisher wird die beim Klärprozess entstehende Abluft über einen Biofilter mit Wurzelholzfüllung gereinigt, erläutern Thomas Schulte und Frank Möller vom städtischen Abwasserbeseitigungsbetrieb. Der Beseitigung von Gerüchen komme immer größere Bedeutung zu, meint Diplom-Ingenieur Schulte mit Blick auf die Nachbarschaft.

Vor anderthalb Jahren sei dann Hilmar Franke auf die Bramscher Abwasserreiniger zugekommen. Der Professor aus Bramsche erforscht schon seit Jahren die Möglichkeit, Algen unter anderem zur Reduzierung des Kohlendioxid-Gehalts zu nutzen . Auch die Reinigung von Abluft sei vorstellbar.

„Im ganz kleinen Rahmen“ habe es dann im letzten Jahr eine erste Versuchsanlage auf der Kläranlage gegeben, erzählt Schulte. Das Ergebnis überzeugte die Klärwerksbetreiber, auf diesem Weg weiterzumachen. In warmen und hellen Räumen werden die Algenstämme nun „über den Winter gebracht“, wie Frank Möller sagt.

Im Jahr 2015 soll es einen weiteren Versuch geben, deutlich größer als der erste, aber immer noch klein im Gesamtrahmen der Anlage an der Maschstraße : Etwa 500 Kubikmeter Abluft die Stunde sollen dann durch den Algenfilter geleitet werden. In der kleinen, in diesem Jahr erprobten Anlage waren es nur 20 Kubikmeter. Beides ist allerdings wenig im Vergleich zu den 8000 Kubikmetern, die durch den Wurzelholzfilter geleitet werden.

„Man muss jetzt gucken und beobachten“, ist Schulte gespannt, was der größere Versuch erbringt. Ob der allerdings zustande kommt, hängt noch davon ab, ob es Fördermittel, etwa von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), gibt. Neben dem Versuchsaufbau selbst mit einem großen Zylinder für Wasser und Algen schlagen auch die Kosten für die erforderliche wissenschaftliche Begleitung zu Buche. Alles in allem bewege man sich im „guten sechsstelligen Bereich“, sagt Schulte.

Zur Technik gehört ein weiterer Schritt, der die Anlage noch attraktiver macht: Da die Algen im Laufe des Verfahrens wachsen, können die absterbenden Pflanzen dem Faulturm und damit dem Blockheizkraftwerk zur Energiegewinnung zugeführt werden. „Da hätten wir dann eine ökonomisch-ökologische Win-win-Situation“, schwärmt Dieter Sieksmeyer, Stadtratsmitglied von Bündnis 90/Die Grünen.

„Das ist dann schon wieder einen Schritt weiter“, bremst Schulte voreilige Erwartungen. Erst einmal müsse der Versuch die erhofften Ergebnisse bringen. Doch die Vorstellung, die Geruchsemissionen zu mindern und gleichzeitig die Stromproduktion im BHKW zu erhöhen, gefällt auch ihm.


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