Adventskalender-Serie Die BN öffnen Türen: Heute im Kloster Lage



Rieste. „Die Bramscher Nachrichten öffnen Türen“ – unter dem Motto stellten wir im Dezember Orte und Räumlichkeiten aus Bramsche und Umgebung vor, die sonst nicht unbedingt zugänglich sind. Unser „Adventskalender“ öffnet sich heute zum letzten Mal. Wir besuchen das Dominikanerinnen-Kloster auf Lage.

Wie von Geisterhand öffnet sich die schmiedeeiserne Pforte der früheren Kommende Lage schon vor Betätigung des Klingelknopfes. Auf dem Innenhof schaue ich mich hilfesuchend um. Schwester Susanna hat mich erwartet und öffnet freundlich lächelnd die Eingangstür. Im Vorraum gesellt sich Priorin Maria Magdalena dazu. In einem schlicht eingerichteten, aber dennoch gemütlichen Besucherzimmer nehmen wir Platz.

Eine Tür öffnen? Aber welche? Das haben sich die Schwestern gefragt. Man sei überrascht, dass gerade das kontemplative Dominikanerinnenkloster (siehe Info-Box) ausgewählt worden sei. Denn die Schwestern wirken mehr oder weniger „im Verborgenen. Was aber nicht heiße, abseits und außerhalb allen Weltgeschehens auf „Wolke 7“, betont Schwester Susanna. Sie verstünden sich als Gruppe, die versuche, die Nöte, Sorgen und Anliegen der Menschen um sich herum wahrzunehmen und im Gebet vor Gott zu tragen. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, gibt es den Klausurbereich, eine räumliche Zone, die den Schwestern vorbehalten ist. Dazu gehört auch eine Bibliothek, die für die Bramscher Nachrichten heute geöffnet wird. Die beiden Dominikanerinnen führen mich in einen großen hellen Raum. Große Mengen an Büchern, viele Sammelbände, auch viele geisteswissenschaftliche Titel lassen vermuten, dass hier fleißig studiert wird. Ja, eine junge Schwester lerne zum Beispiel gerade Griechisch, heißt es. Das Durchschnittsalter der zehn Dominikanerinnen liegt übrigens bei 56, was in heutiger Zeit selten ist. Die jüngste Schwester ist Ende 20, die älteste 80 Jahre alt.

Neben der täglichen Arbeit in Haus und Garten sei das Beten die Hauptaufgabe der Schwestern. Aber „wie der Bäcker auch nicht für sich selbst backt“, so beten die Dominikanerinnen für andere Menschen, erklärt Priorin Maria Magdalena. Um 5.45 Uhr starte das erste Chorgebet, also das Gemeinschaftsgebet, das inklusive Eucharistiefeier und persönlicher Gebetszeit bis 8 Uhr dauert. Danach gibt es Frühstück. Sieben Gebetszeiten, von der Glocke der Kapelle eingeläutet, strukturieren den Tag. Das sei bei allen Dominikanerklöstern der Fall, erfahren wir. „Irgendwo auf der Welt wird immer gebetet“, sagt die Priorin. Und das sei manchmal „wirklich Arbeit“, denn nicht immer falle es leicht, seine Arbeit zu unterbrechen, gibt sie zu. So abgeschottet wie früher zu leben, das sei heute gar nicht mehr möglich. „Die Zeiten ändern sich“, stellt die Priorin fest, man müsse manchmal auch mitgehen. So haben sich mit der Pfarreienzusammenlegung einige Änderungen ergeben. Zwar stehe die heilige Messe im Kloster grundsätzlich jedem offen, doch jetzt gilt die sonntägliche Messe offiziell als Gemeindemesse, da in der Pfarrkirche am Sonntag keine Messe mehr gefeiert werde. Bei der Kolpingmesse neulich mit rund 70 Riestern aller Altersgruppen sei es in der kleinen Kapelle rappelvoll gewesen, freut sich Schwester Susanna.

Der Gründer des Ordens, der heilige Dominikus, habe allen ans Herz gelegt, auf die Zeichen der Zeit zu achten. So sehen es die Dominikanerinnen als Pflicht an, sich über das Leben „draußen“ zu informieren. Dann werde auch einmal ein Harry-Potter-Roman gelesen. Und wenn – wie neulich geschehen – ein verzweifelter junger Mann an der Pforte klingelt, werden die festen Gebetsriten unterbrochen, um Hilfe anzubieten. Bei den Dominikanerinnen auf Lage steht für Exerzitien außerdem auch nicht kirchlichen Menschen die Tür offen.

Gibt es auch weltliche Rituale zu Weihnachten, möchte ich wissen. Ja, es werde am Nikolaustag „gewichtelt“. Jede Schwester ziehe den Namen einer Mitschwester, für die sie ein Jahr lang bete. Am Heiligabend werde musiziert und bei selbst gebackenen Plätzchen gemütlich geplaudert. Eine große Bescherung gibt es allerdings nicht. Der Mensch sei kein „Konsumroboter“, der nach dem Motto „mach, was du willst“ handeln sollte, meint Priorin Maria Magdalena. Für eine Dominikanerin sollten gute geistige, seelische und soziale Fähigkeiten nicht brach liegen bleiben.


Die Dominikaner sind ein Orden der Prediger, im 13. Jahrhundert durch den Heiligen Dominikus gegründet.

Der Orden zeichnet sich durch intensive Studien und eine demokratische Verfassung aus. Alle Mitglieder haben Mitspracherecht, Prior oder Priorin werden auf drei Jahre gewählt. Zu den Säulen gehören Gemeinschaftsleben, Liturgie, Arbeit, Studium und persönliches Gebet.

Die Ordensgemeinschaft auf Lage gehört zu den Kontemplativen. Die Mitglieder wirken nicht außerhalb des Klosters, sie versuchen, durch regelmäßige Gebetszeiten und Zeiten der Stille die Nähe zu Gott zu erfahren, um zum Heil der Menschen zu wirken. Weitere Informationen finden Interessierte unter www.dominikanerorden.de.

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