Adventskalender-Serie Die BN öffnen Türen: Beim Post-Zustellstützpunkt



Bramsche. „Die Bramscher Nachrichten öffnen Türen“ – unter diesem Motto stellen wir bis Heiligabend Orte und Räumlichkeiten aus Bramsche und Umgebung vor, die sonst nicht unbedingt zugänglich sind. An jedem Erscheinungstag einen, einem Adventskalender gleich. Heute sind wir im Zustellstützpunkt von Post und DHL an der Bahnhofstraße.

Morgens um 7.30 Uhr im Zustellstützpunkt: Es herrscht ein riesiges Chaos. Zumindest wirkt es so auf einen Außenstehenden, der hier zum ersten Mal zu Besuch ist: Pakete und Päckchen stapeln sich zu Hunderten, wenn nicht gar zu Tausenden, scheinbar wild durcheinander laufen die Zusteller, um ihre Wagen zu beladen. Marcus Havermann aber ist zufrieden: „Es läuft heute richtig gut, die Kollegen kommen zügig voran“, lobt der Stützpunkt-Leiter. Dass Gäste dies nicht so erkennen können, verwundert Havermann allerdings nicht: „Das ist hier wie in einem Ameisenhaufen: Es ist ein großes Gewusel, aber jeder weiß ganz genau, was er zu tun hat.“

Havermann kommt selbst „aus der Zustellung“, wie er es ausdrückt. Über ein Förderprogramm der Post hat er sich zum Teamleiter des Stützpunkts weiterentwickelt, ist zuständig für den Personaleinsatz. Im Moment hat er mehr Mitarbeiter zu koordinieren als sonst: Kurz vor Weihnachten werden viele, sehr viele Pakete und Päckchen verschickt - dem stetig zunehmenden Online-Handel sei Dank: „Im Durchschnitt sind es rund 3,5 Millionen Stück bundesweit pro Tag, vor Weihnachten steigt es auf bis zu sieben Millionen“, nennt Maike Wintjen Zahlen. Für diese Spitzenzeiten werde in allen Zustellzentren zusätzliches Personal eingesetzt, erklärt die Pressesprecherin der Post DHL für Westniedersachsen und Bremen: „Erfahrene Kräfte. Jetzt neue Leute einzuarbeiten, das würde gar nicht gehen.“ Denn auch mehr Briefe würden jetzt verschickt: „Die Weihnachts-Postkarte hat noch lange nicht ausgedient“, so Wintjen. Sortiert werden diese im Zustellstützpunkt Bramsche im ersten Stock - auch hier ein emsiges Treiben.

Ab dem frühen Morgen wird der Stützpunkt Bramsche vom Versandzentrum Greven aus beliefert. „Die Päckchen und Pakete kommen bereits vorsortiert an“, nennt Havermann einen ersten Anhaltspunkt dafür, dass an der Bahnhofstraße eben doch kein Chaos herrscht. Hier im Stützpunkt übernimmt das Eingangs-Team die Zuordnung zu den Zustellbezirken. „Die Kollegen kennen Bramsche wie ihre Westentasche, wie ein guter Taxifahrer“, meint Havermann. Briefe werden in „Zustellspinde“ hausnummerngenau sortiert. Das Einladen in die Wagen übernehmen die Zusteller selbst. „Es gibt Vorgaben, wie sie ihre Routen möglichst effektiv abfahren können. Aber letzten Endes kennen sie sich selbst am besten aus und sortieren ihre Wagen auch, wie sie es für richtig halten.“

8.30 Uhr ist es mittlerweile. An der Bahnhofstraße kehrt allmählich Ruhe ein. Das scheinbare Chaos hat sich aufgelöst. Die Zusteller machen sich auf den Weg: Für insgesamt 16000 Haushalte gibt es sechs Briefzusteller, 17 Verbundzusteller, die Post und Pakete zugleich ausliefern, und derzeit sechs Paketfahrer, drei mehr als in ruhigeren Zeiten. Auf sie alle wartet ein langer Tag.


Über viele Jahre wurde das Gebäude an der Bahnhofstr. 6 als Postamt genutzt, bevor im Jahre 2002 der Umzug an die Große Straße erfolgte. Der Ursprung war ein anderer: Eine Familie Niewöhner baute das Haus 1876 als Bahnhofshotel. Die Oberpostdirektion Oldenburg mietete es 1895 an, der Umbau zum Postamt folgte – gegen den Willen von Bürgern und Magistrat des damaligen Weichbildes Bramsche. Es hieß, das Gebäude sei zu weit vom Stadtinneren entfernt.

Die Post wollte das Gebäude 1926 kaufen, doch die Familie Niewöhner verlangte damals stolze 70000 Reichsmark. Im Jahr 1929 ging das Haus dann doch an die Post für 58000 Reichsmark.

Bis 2002 blieb hier das Postamt, unterbrochen von 1987 bis 1989: Damals wurde das Haus, nach einem ersten großen Umbau 1937, renoviert. Schalter- und Diensträume wurden für diese Zeit in die ehemalige Hauswirtschaftsschule an der Hasestraße verlegt.

Heute befindet sich die Bahnhofstr. 6 in Privatbesitz, die Deutsche Post DHL ist Mieter.

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