Die Weihnachtsgeschichte im NDR Der Bramscher Superintendent und die Pinsel-Predigt

Mit Stift und „Malerweste“: Hans Hentschel zeichnet die Weihnachtsgeschichte. BN-Screenshot: NDR/Foto: Jürgen GutowskiMit Stift und „Malerweste“: Hans Hentschel zeichnet die Weihnachtsgeschichte. BN-Screenshot: NDR/Foto: Jürgen Gutowski

Bramsche. Im Kirchenkreis sind Staffelei, Stift und Farbkasten längst zu seinem Markenzeichen geworden. Damit lockert Hans Hentschel Gottesdienste auf, macht den Konfirmandenunterricht anschaulich und bringt auch mal Dinge des Alltags karikaturistisch auf den Punkt. Als „Sonntags-Maler“ erzählt und zeichnet der Bramscher Superintendent jetzt für die Kirche im NDR die Weihnachtsgeschichte. Die Fernsehmacher haben dem Auftritt einen griffigen Namen gegeben: „Die Pinsel-Predigt“.

Autor Jürgen Gutowski, der im Übrigen aus Bramsche stammt, hat die Staffelei vor dem Altar der historischen Martinskirche aufstellen lassen. Ein weißer Herrnhuter Stern verbreitet warmes Licht. Hentschel steht nicht im Talar, sondern in bunter Malerweste vor dem Altar. „Wir wollten weg von dem üblichen Predigt-Schema“, erläutert er. Mit Aquarellfarben hat er dem Blatt bereits eine Grundstruktur gegeben, aber noch lässt es sich erst vage erahnen, welche Geschichte hier in wenigen Minuten Gestalt annehmen wird.

„Mal-Zeit“ begrüßt der Superintendent seine Zuschauer, und das meint er wörtlich. Mit schnellem Markerstrich entsteht zunächst ein Dach, Wände. Natürlich! Der Stall von Bethlehem. „Das Wichtigste ist erst einmal, dass man einen Stall hat, in dem das Christkind geboren wird, in dem Maria und Josef zu Hause sind, in dem sie sich geborgen fühlen können, nachdem sie keinen Raum gefunden haben. Auch der Glaube braucht ein Zuhause.“ Hentschel malt und erzählt gleichzeitig. So entstehen Maria, Josef, das Christkind. Die Hirten, die „rauen Männer, die wissen, dass das Leben kein Ponyhof ist“, der Engel, „der in unserer Fantasie natürlich Flügel und bloße Füße hat“. Und immer findet der Theologe einen Bezug zwischen Weihnachtsgeschichte und Glaubensverkündigung. Die Magier aus dem Osten – „Menschen, die sich rufen lassen“, die reich sind und Gaben mitbringen, „wie wir, die wir mit Gold Weihrauch und Myrrhe da sein können für Flüchtlingen, für Menschen, die in Lagern geboren werden“. Ein letzter Strich, ein letzter Aufruf, die Botschaft der Weihnachtsgeschichte noch einmal zu überdenken.

„Meine Bilder sind keine hohe Kunst, aber es ist eine Begabung, so schnell zu malen“, meint Hentschel. „Denn die Geschichten entstehen nicht nur auf meiner Staffelei, sondern auch mit Worten. Der Witz ist, dass es so schnell geschehen muss: Ich muss immer reden und gleichzeitig malen. Meine Mutter war Kunstmalerin, die uns Kindern so schnell wie möglich einen Pinsel in die Hand gedrückt hat“, berichtet Hentschel: „Wenn andere noch am Bleistift geknabbert haben, während sie nachgedacht haben, habe ich schon angefangen zu malen und mir ein Bild zu machen. Denn wir können uns Dinge leichter merken, wenn wir sie mit einem Bild verbinden“, so Hentschel.

Dass er diese Begabung nun auch im Fernsehen nutzt, geht auf ein Treffen der Rundfunksprecher der „Kirche im NDR“ zurück. „Da gibt es immer einen Abend, an dem jeder etwas Originelles einbringen soll“, erinnert sich der Superintendent. „Bei mir war es das Malen. Ich habe die Geschichte von einer Frau erzählt, die immer so traurig ist, dass sie ganz grau aussieht, habe „Frau Grau“ gleichzeitig gemalt und gezeigt, wie sie wieder bunt wird“. Hentschel schmunzelt: „Zeichnen, und gleichzeitig reden - das war wohl eine Art Alleinstellungsmerkmal.“ Fernsehpastor Jan von Lingen zeigte sich angetan. Die Idee für die „Mal-Zeit“-Reihe war geboren.

Der Titel hat eine Vorgeschichte, erzählt Hentschel. Als Filmemacher Jürgen Gutowski am Buß- und Bettag in St. Martin eintraf, hatte ihn offenbar der Hunger geplagt. „Er biss gerade herzhaft in sein Brötchen. Da habe ich „Mahlzeit“ gesagt“ – die Idee für das titelgebende Wortspiel war geboren. Und so begrüßt der Superintendent die Zuhörer und Zuschauer jedes Mal mit einem herzhaften „Mal-Zeit“.

Pünktlich zu Weihnachten veröffentlicht der NDR den Internet-Film mit dem Bramscher Superintendenten. Die weihnachtliche „Mal-Zeit“ ist die erste von zunächst drei sogenannten „Bild-Andachten“, die anlässlich des Themenjahres „Reformation und Bild“ konzipiert wurde. Die anderen Beiträge werden im Januar und Februar gesendet.

Zu sehen ist die Pinselpredigt unter www.ndr.de/kirche, unter www.radiokirche.de, unter www.evlka .de sowie auf Youtube , Suchwort hans hentschel.


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