Adventskalender-Serie Die BN öffnen Türen: Bei der Autobahnpolizei

Die Tür öffnen uns Oliver Findling (links) und Dienststellen-Leiter Manfred Tapken. Foto: Matthias BenzDie Tür öffnen uns Oliver Findling (links) und Dienststellen-Leiter Manfred Tapken. Foto: Matthias Benz

Bramsche. „Die Bramscher Nachrichten öffnen Türen“ – unter diesem Motto stellen wir bis Heiligabend Orte und Räumlichkeiten aus Bramsche und Umgebung vor, die sonst nicht unbedingt zugänglich sind. An jedem Erscheinungstag einen, einem Adventskalender gleich. Heute sind wir bei der Autobahnpolizei.

Die Eingangstür der Autobahnpolizei in Schleptrup gehört zu den am besten geschützten in unserem Adventskalender. Zunächst müssen wir in der Schleuse warten. Alle Fensterscheiben sind hier aus schusssicherem Glas, selbst die Polizisten kommen nur mit einem Zahlencode in das Gebäude. Schließlich öffnet sich die zweite Tür aber, und dahinter empfängt uns Manfred Tapken.

Der Erste Polizeihauptkommissar leitet diese Dienststelle der Autobahnpolizei, zu der auch noch zwei Standorte in Bissendorf und Osnabrück gehören. Damit ist Tapken für insgesamt 68 Mitarbeiter und rund 100 Kilometer Autobahnstrecke auf der A1, A30 und A33 verantwortlich. „Dass die Dienststellenleitung hier ist, ist einfach historisch gewachsen“, zuckt der Polizist mit den Schultern. Entsprechend ist der Standort in Bramsche um einige Verwaltungsräume größer als die Wache in Bissendorf. „Langfristig sollte es aber schon ein Ziel sein, alle Kollegen in einer Dienststelle unter einem Dach zu haben.“

Vor 30 Jahren wurde der Bungalow an der Autobahn gebaut. Es ist eine von nur ganz wenigen Wachen, die direkt an der Fahrbahn liegen. Im Inneren befinden sich Büroräume, eine Küche und ein Gemeinschaftsraum. Vorn mit Blick auf die A1 sitzt Oliver Findling hinter zwei Computermonitoren und Funkgeräten. Als Wachhabender koordiniert er die Streifen, die gerade unterwegs sind.

„Unsere Haupttätigkeit sind Verkehrskontrollen“, stellt Manfred Tapken klar. 50 Polizisten sind im Schichtdienst rund um die Uhr im Einsatz. „Der Altersschnitt liegt bei uns deutlich unter 40 Jahren. Das ist schon ungewöhnlich“, betont er, wie jung das Team derzeit ist. „Gerade die Kollegen, die schon länger hier sind, identifizieren sich auch richtig mit der Arbeit.“

Vergleiche mit der RTL-Serie „Alarm für Cobra 11“ bekommen Manfred Tapken und seine Kollegen natürlich häufig zu hören. „Das hört man öfter. Aber wir fliegen nicht durch die Luft und fahren nicht jede Woche einen Dienstwagen zu Schrott“, lacht er. Trotzdem komme es schon auch mal zu Verfolgungsfahrten, wie kürzlich mit einem großen Geländewagen. „Der Fahrer war erst auffällig langsam, hat dann aber auf 250 km/h beschleunigt und ist sogar auf der Landstraße mit 200 Sachen gefahren. Unsere Kollegen haben dann irgendwann die Verfolgung abgebrochen, weil es für sie und die anderen Verkehrsteilnehmer zu gefährlich wurde. Der Fahrer wurde dann schließlich in Hannover festgenommen.“ Die meisten Verfolgungsjagden gewinne die Polizei aber, auch weil die Streifenwagen stärker motorisiert seien.

Zentral sei es aber, die Sicherheit zu gewährleisten. „Wir haben hier direkt vor der Tür den Übergang von drei auf zwei Spuren. Das ist schon ein Nadelöhr, bei dem es häufiger zu Unfällen kommt“, erklärt Tapken. 60000 Fahrzeuge passieren die Autobahnpolizeiwache jeden Tag. Erst kürzlich hat es wieder einen Toten gegeben. „Das sind die negativen Dinge unserer Arbeit“, sagt Tapken. Doch bei Unfällen oder Gegenständen auf der Fahrbahn wird es auch für seine Leute ernst. „Das Erste, was die Polizisten hier lernen, ist: Wie überlebe ich auf der Autobahn?“, so Tapken. Erst wenn der gesamte Verkehr angehalten sei und man sich abgesichert habe, könne man die Fahrbahn betreten.

Sperrungen seien aber immer ein Problem, weil sich sofort Stau bilde. „Wir müssen schauen, den Verkehr möglichst fließend zu halten. Gerade auf der A 30 ist ja ständig Stau. Das hat dann auch immer gleich Einfluss auf den Verkehr in Osnabrück“, macht Manfred Tapken die Auswirkungen deutlich.

Auf der Nord-Süd-Strecke der A1 und der Ost-West-Strecke A30 ist auch viel Schwerlastverkehr unterwegs, der kontrolliert wird. „Das ist aber eine andere Sache als bei einem Pkw. Bei uns kann eine Kontrolle bis zu eine Stunde lang dauern“, erläutert Manfred Tapken. Gerade überladene Fahrzeuge sind ein Problem. Und für Dokumentenfälschungen, zum Beispiel unechte Führerscheine, gibt es im Autobahnpolizeikommissariat sogar extra einen Fachmann. „Es kommt auch häufiger vor als man denkt, dass sich Lkw-Fahrer hier selbst anzeigen, weil sie von ihren Disponenten so getriezt werden und viel zu lange hinterm Steuer sitzen.“

Ansonsten kommen aber selten Leute vorbei, Anzeigen werden eher telefonisch aufgegeben. „Manchmal rufen auch Leute an und behaupten, ihnen sei an der Raststätte Dammer Berge das Auto gestohlen worden. In der Regel haben sie dort aber nur das Brückenrestaurant auf der falschen Seite verlassen und merken es gar nicht“, erzählt Manfred Tapken mit einem Schmunzeln. Auch in solchen Fällen hilft die Autobahnpolizei natürlich gerne.


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