Wer geht wohin, wenn IGS kommt? Schulstruktur in Bramsche im Umbruch

Von Heiner Beinke


Bramsche. Die IGS für Bramsche ist beschlossene Sache. Was macht das mit den anderen Bramscher Schulen? Ein Überblick über den Stand der Diskussion vor der richtungweisenden Sitzung des Schulausschusses am Dienstag, 2. Dezember.

Die Verwaltung will dort vorschlagen, die Realschule aufzulösen und die Hauptschule in eine Oberschule am Standort Heinrichstraße umzuwandeln. Die Neue Mehrheit im Stadtrat hat aber schon angekündigt, diesen Vorschlag abzulehnen. Sie plädiert für die selbstständige Fortführung beider Schularten .. Das wiederum hält der SPD-Fraktionsvorsitzende Oliver Neils für falsch, weil die Hauptschule weiter geschwächt würde. Die SPD werde dem Verwaltungsvorschlag folgen.

Wie ist die Ausgangslage?

Vorausgesetzt, der Antrag des Landkreises auf Genehmigung einer Integrierten Gesamtschule in Bramsche zum Schuljahr 2015/2016 wird genehmigt und Stadt und Landkreis einigen sich über einen Verkaufspreis oder eine Nutzungsgebühr für die jetzige Realschule, würde hier jahrgangsweise wachsend eine IGS aufgebaut. „Nach Erfahrungswerten anderer Kommunen“ geht die Stadt davon aus, dass sich die Anmeldezahlen für das Greselius-Gymnasium durch die IGS nicht wesentlich ändern werden. Die Stadt muss nun entscheiden, welches Schulangebot sie den Kindern macht, die weder die IGS noch das Gymnasium besuchen wollen.

Wie ist die Verwaltung zu ihren Lösungsvorschlägen gekommen?

Weil noch unklar ist, wie viele Kinder aus Bramsche die IGS besuchen werden, hat die Verwaltung eine ziemliche Spanne kalkuliert. Pro Jahrgang würden 35 bis 70 Schüler übrig bleiben, also zwei bis drei weitere Sekundarschulzüge. Wenn Haupt- und Realschule erhalten blieben, würde aller Voraussicht nach nur eine einzügige Hauptschule übrig bleiben. Dies sei aber nur in Ausnahmefällen und in Kooperation mit anderen Hauptschulen zulässig, sagt der Erste Stadtrat Ulrich Willems, der an die Schließung der Hauptschule Engter erinnert, die wegen ihrer Einzügigkeit keine Perspektive mehr hatte.

Die Realschule könnte mit zwei Klassen je Jahrgang weitergeführt werden, die Frage ist aber an welchem Standort. Nach und nach würde die IGS das gesamte Gebäude der Realschule ausfüllen, für die Realschule bliebe auf Dauer auch nur der Standort Heinrichstraße , den sie sich dann mit der Hauptschule teilen müsste. „Zwei selbstständige Schulen an einem Standort sind immer ein Riesenproblem“, sagt Schulfachmann Willems. Bei „zwei zu klein werdenden Systemen“ ist für ihn die Oberschule die richtige Lösung.

Was sagt die Realschule?

Norbert Szczepanek kann seine Meinung zum Verwaltungsvorschlag in einem Satz zusammenfassen: „Die Realschule ist der große Verlierer.“ Der Schulleiter vermisst jegliche pädagogische Unterfütterung des Vorschlags, die auch zu einer Qualitätsdebatte führen müsse. Gerade diese Fragen interessierten aber die Eltern: „Viele Eltern stellen Fragen, aber wir sind nicht in der Lage, Antworten zu geben, die andere geben müssten“, beschreibt Szczepanek die gegenwärtige Situation, die sich belastend aufs Schulklima auswirke. „Ungewissheit in Schulen ist grundsätzlich schlecht“, sagt der ehemalige Dezernent der Schulaufsichtsbehörde. Er verweist darauf, dass die Realschule mit mehr als 100 Schülern pro Jahrgang neben dem Gymnasium die größte Schulform sei.

Was sagt die Hauptschule?

Die neue Leiterin Sandra Castrup weiß Schulvorstand und Kollegium mehrheitlich hinter sich, wenn sie sich für die Umwandlung in eine Oberschule ausspricht. „Dann haben die Eltern eine echte Wahlmöglichkeit, und wir werden weiterhin einen Schwerpunkt auf die praktische Orientierung legen.“ Castrup und ihrem Kollegium geht es vor allem darum, die anerkannt gute Arbeit mit der konsequenten Ausbildungsorientierung und einer familiären Atmosphäre fortzusetzen. Das sei in einer Oberschule gut möglich. Bei Einführung einer IGS drohe einer selbstständigen Hauptschule das Aus, ist die Pädagogin überzeugt: „Das ist dann ein Sterben auf Raten.“

Der Schulausschuss tagt am Dienstag, 2. Dezember, um 18Uhr im kleinen Sitzungssaal im Rathaus.