Joachim Raffel Chamber Trio Wagemutige Klangexperimente

Von Sascha Knapek

Joachim Raffel, Marie Séférian und Anna-Sophie-Becker (v. l.) vermischten ungewöhnliche Klangexperimente mit Improvisationen und melodiösem Jazz-Pop. Foto: Sascha KnapekJoachim Raffel, Marie Séférian und Anna-Sophie-Becker (v. l.) vermischten ungewöhnliche Klangexperimente mit Improvisationen und melodiösem Jazz-Pop. Foto: Sascha Knapek

Bramsche. Bei seinem vorangegangenen Besuch im Tuchmacher-Museum hat Joachim Raffel mit Klängen experimentiert und die alten Maschinen zu einem Bestandteil des Konzerts gemacht. Verglichen damit ist die Livepremiere des Joachim Raffel Chamber Trios am Mittwochabend in der Kornmühle fast schon traditionell.

Diesmal hat der Osnabrücker Musiker Anna-Sophie Becker (Viola) und Marie Séférian (Gesang) an seiner Seite, um das Bramscher Publikum mit melodiegetragenem Jazz, kleinen Pop-Anleihen und elegant eingewobenen Klassikversatzstücken zu begeistern. Wagemutige Klangexperimente dürfen allerdings auch hier nicht fehlen.

Den Begriff Livepremiere kann man beim Joachim Raffel Chamber Trio an diesem Abend tatsächlich wörtlich nehmen. Die drei Musiker kennen sich erst seit Anfang des Jahres und wählten die Kornmühle, um hier ihren ersten gemeinsamen Auftritt zu feiern. Das Hauptaugenmerk des Konzerts liegt bei vielschichtigen Eigenkompositionen, die im nächsten Jahr auch als CD erscheinen sollen.

Schon bei der Vertonung des Shakespeare-Sonnets „Shall I compare thee to a summer’s day“ und dem Raffel-Original „Three Places“ wird deutlich, dass die drei musikalischen Protagonisten sich gleichberechtigt begegnen. Klavier, Viola und Gesang bekommen so viele Freiheiten wie nötig. Während Joachim Raffel das zwischendurch für Klangexperimente am Tasteninstrument nutzt, zupft Becker ihr Instrument auch schon einmal über längere Phasen mit den Fingern. Marie Séférian braucht nicht immer reale Worte, um ihre betörende Stimme in Szene zu setzen. Die Münsteranerin kreiert nicht selten lautmalende Vokalelemente, die als drittes Instrument in den Vordergrund treten.

Besonders spannend wird das Zusammenwirken des Trios immer dann, wenn man sich in improvisationslastigen Passagen gegenseitig zu Höchstleistungen anstiftet. Vor allem Becker und Raffel spielen sich zahlreiche Bälle zu, die die Mischung aus Jazz, Pop, Klassik und New Minimal Music mit instrumentaler Finesse abrundet.

Als das Publikum nach einer Adaption der Jazzkomponistin Carla Bley dann so lange klatscht, bis das Trio zu einer zweiten Zugabe in den Saal zurückkehrt, haben die Musiker ein Problem. Denn wie es bei derartig jungen Formationen üblich ist, ist das Repertoire noch etwas eingeschränkt. Als Improvisationskünstler der Extraklasse ist das für das Trio jedoch eine der leichteren Übungen. Séférian, die kurz zuvor beim Bley-Stück ein Megafon zu Hilfe genommen hatte und damit klanglichen Weltraumfunk ins Spiel bringen konnte, bittet das Publikum um ein Thema. Sekunden später verlieren sich die Künstler in ihrer Version von Dave Brubecks Jazz-Klassiker „Take Five“. Eine spannende Dekonstruktion dreier Musiker, die sich gesucht und gefunden haben.