Täter sind ungemein geschult Vortrag im Bramscher Alloheim: Wie Senioren sich vor Kriminalität schützen und sicher leben können

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              <em>Für die Sicherheit</em> von Senioren setzen sich Andreas Stallkamp, Anita Kamp und Polizeibeamter Ralf Bergander ein. Bei zwei Vorträgen im Alloheim gab es zahlreiche Tipps. <Cust strParam="FH">Foto: Julia Kuhlmann</Cust></p>

Für die Sicherheit von Senioren setzen sich Andreas Stallkamp, Anita Kamp und Polizeibeamter Ralf Bergander ein. Bei zwei Vorträgen im Alloheim gab es zahlreiche Tipps. Foto: Julia Kuhlmann

Bramsche. In der Bramscher Seniorenresidenz Alloheim haben Anita Kamp, pensionierte Kriminalbeamtin, und Andreas Stallkamp, Wohnberater für ältere Menschen beim Landkreis, einen Vortrag über Sicherheit für Senioren im Alltag gehalten.

Die Methoden, mit denen Gauner speziell ältere Menschen zu Opfer machen, sind gleichermaßen erprobt wie perfide. Niemand weiß das besser als Bramsches ehemalige Polizeichefin Anita Kamp. Sie engagiert sich heute in der Kriminalprävention und informierte die Zuhörer im Bramscher Alloheim ausführlich besonders über die Maschen von Betrügern. Zwei Dinge schickte sie voran: Wer informiert ist, kann sich gegen solche Machenschaften wehren. Und wer dennoch einmal reingefallen sein sollte, ist damit nicht allein. Er kann sich an ein Netz von Helfern wenden, die sich mit ähnlich gelagerten Fällen auskennen.

Bramsche ist kein unsicheres Pflaster, auch wenn die Zahl der registrierten Straftaten jährlich bei rund 1870 liegt. Das sei absoluter Durchschnitt, sagte Kamp. Zum Vergleich: Die Stadt Osnabrück mit ihren 156000 Einwohnern zählt 17000 Straftaten jährlich.

Subjektiv würden ältere Menschen in der Regel als die größte Gruppe wahrgenommen, die Opfer von Straftaten wird, sagte Kamp. Die Zahlen sagten aber anderes: Vielmehr sind 16- bis 28-Jährige viel öfter betroffen. Nichtsdestotrotz sei nicht von der Hand zu weisen, dass es Tätergruppen gäbe, die sich auf ältere Menschen spezialisiert hätten.

„Nehmen Sie nur mit, was Sie wirklich brauchen“, riet Kamp den Trägerinnen von Handtaschen. Sie räumte beispielsweise mit dem Missverständnis auf, den Personalausweis müsse man immer dabei haben. „Den müssen Sie nur besitzen.“ Zum Friedhof müsse man auch nicht „voll ausgerüstet“ gehen. Die Tasche weder im Rollator-Korb noch im Einkaufswagen liegen zu lassen, sei außerdem wichtig. „Ich habe die Tasche doch im Blick“, höre man oft, spreche man Menschen auf ihre Leichtsinnigkeit an. Die Tasche auf dem Friedhof fix mal auf der Grabumrandung abgestellt und die zehn Meter zum Wasserholen gegangen? Es gibt Täter, die genau auf diesen Fall spezialisiert sind.

Die Täter seien geschult, sich das Vertrauen älterer Menschen zu erschleichen. Sie bitten an Türen um ein Glas Wasser, täuschen Unfälle vor oder geben Blumen für die Nachbarn ab. Mit eloquentem Auftreten und professioneller Gesprächsführung geben sie sich als Enkel der Angerufenen aus und bitten um Geld. Ruhe bewahren, sagte Kamp, sei das Erste, niemanden, der sich nicht ausweisen kann, ins Haus zu lassen und auf die Frage, „was glaubst Du, wer hier ist?“, niemals einen Namen zu nennen, waren die weiteren Ratschläge. Gerade der Enkeltrick - das beweisen aktuelle Fälle aus dem Osnabrücker Land - funktioniert immer wieder. „Die Täter sind verbal unglaublich geschult“, sagte Kamp und bat die Senioren, bei der Polizei anzurufen, sobald sie einen Enkeltrick-Anruf erhalten hätten. Bei Haustürgeschäften, die durchaus legal sind, müsse darauf geachtet werden, dass alles leserlich ist, vor allem das Datum. Denn es gelte ein 14-tägiges Rücktrittsrecht, aber nur, wenn das Datum auf dem Vertrag auch dem aktuellen entspräche. Geld, das zu Unrecht abgebucht werde, sollte zurückgebucht werden, auch wenn es nur kleine Beträge seien. Oft probierten Täter das Abbuchen mit geringen Beträgen aus und steigerten die abgebuchten Geldmengen dann. „Sie haben gewonnen“. Dieser Satz am Telefon sei in der Regel das Signal zum Auflegen, sagte Kamp. Oft würde so versucht, den Angerufenen ihre Kontodaten zu entlocken.

Auch Post von dubiosen Inkasso-Unternehmen wegen angeblich nicht bezahlter Rechnungen - zum Beispiel für vermeintlich heruntergeladene Daten aus dem Internet - sollten am besten unbeachtet bleiben. In solchen Fällen seien die Verbraucherzentralen die richtigen Ansprechpartner. „Ein gesundes Misstrauen ist angebracht“, riet Kamp dem Auditorium.

Um ganz praktische Hilfen fürs Wohnen im Alter ging es im Vortrag von Andreas Stallkamp. Er stellte Möglichkeiten und Hilfsmittel vor, um das Leben in den eigenen vier Wänden sicher und komfortabel zu machen. Die Hilfen reichen vom umgebauten Badezimmer über Bewegungsmelder für drinnen und draußen bis zum Telefon mit besonders großen Zifferntasten.


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