BN-Serie: Haarwerk, Jungstylist In Bramsche gefragt: Lust, Leidenschaft, Kreativität

Von Marcus Alwes


Bramsche. „Wichtig ist, die Auszubildenden sollten Lust und Kreativität mitbringen. Und Freude am Umgang mit Menschen aus allen Altersklassen haben“, betont Melanie Finck. Seit fast sechs Jahren bildet sie in ihrem Salon Haarwerk am Lutterdamm junge Menschen aus. Zum Stylisten. Früher hätte man wohl vom Friseur gesprochen.

Der achte Teil unserer Serie „Hier kann ich lernen – Bramscher Betriebe bilden aus“ hat uns in die Gartenstadt geführt. Dorthin, wo Melanie Finck die Chefin und die 17-jährige Viviene deren Auszubildende ist.

Von 420 bis 570 Euro

Lehrlinge heißen in dieser Branche übrigens Jungstylisten. „Und Friseur muss man aus Leidenschaft werden“, fügt Finck mit Bestimmtheit hinzu. Und eben solche Leidenschaft setzt zunächst einmal Überzeugung voraus. Viviene scheint diese zu haben. „Meine Tante war Friseurin. Das fand ich toll. Das wollte ich auch unbedingt machen“, erzählt sie. „Ich mag den Kontakt mit den Menschen. Und schön ist, dass man in diesem Beruf sofort das Ergebnis seiner eigenen Arbeit sieht.“ Am Kunden.

Drei Jahre dauert eine Ausbildung zum Jungstylisten. „Zwei Tage in der Woche geht es zur Berufsschule. Den Rest der Zeit sind die Auszubildenden hier im Salon“, erläutert Finck. Überbetriebliche Ausbildungseinheiten an der Handwerkskammer in Osnabrück runden die Lehre ab. „Bei einem guten Notendurchschnitt kann die Dauer von drei Jahren auch verkürzt werden“, so die Friseurmeisterin.

Fünf Tage in der Woche ist ein Azubi im Betrieb „Zum Sonntag gibt es einen weiteren freien Tag“, betont Finck. Mittagszeit und Pausen inbegriffen sei „8.30 Uhr bis 18.30 Uhr eine Art Kernarbeitszeit“, Vom Beginn bis zum Ende der Ausbildung steige das Gehalt für Lehrlinge von 420 Euro auf 570 Euro. „Jeder unserer Mitarbeiter hier kann sich aber zusätzlich einen Verkaufsbonus beim Produktverkauf sichern“, unterstreicht Finck.

Wo bleiben die Jungs?

„Wir gehen mit der Mode“, hebt die Haarwerk-Inhaberin den Willen zur Weiterentwicklung bei der täglichen Arbeit hervor. Und erwartet diesen auch von ihren Mitarbeiterinnen. Aus acht Damen besteht das gesamte Team augenblicklich. „Wer sich als Auszubildender hier bei uns bewirbt, sollte einen guten Hauptschulabschluss mitbringen“, sagt Finck, „doch mindestens genauso interessieren mich das Sozialverhalten und das Elternhaus der Bewerber.“ Wer möchte, könne zuvor auch gerne ein Praktikum am Lutterdamm absolvieren. „Da kann man sich gegenseitig kennenlernen und sehen, ob das harmoniert.“ Auf diesem Weg ist übrigens auch Viviene zu Haarwerk gekommen.

Freuen würde sich Finck aber auch über Bewerbungen von Jungen auf eine Lehrstelle als Stylist: „Wir hatten schon ein paar Jungs bei uns als Praktikanten, aber eine Bewerbung auf einen Ausbildungsplatz ist hier noch nie eingegangen.“ Die Unternehmerin würde sich darüber jedenfalls sehr freuen.

Woran die Zurückhaltung der jungen Männer liege? Da könne sie nur mutmaßen, sagt die Unternehmerin. „Es gibt da anscheinend irgendwie eine Hemmschwelle – in kleineren Städten oder auf dem Lande mehr. Offenbar ist das in den viel größeren Städten anders.“ Dort würden Jungen durchaus den Stylistenberuf erlernen.

Diesen Mut wünscht Finck sich auch von den Bramschern. „Denn man kann sich auf Dauer in diesem Job richtig toll weiterentwickeln.“