Interview mit Heimatforscher „Mehr Blindgänger im Raum Bramsche wahrscheinlich“

Von Heiner Beinke


Bramsche. Die Flugplätze im Zweiten Weltkrieg waren häufiger Ziel alliierter Luftangriffe, sagt Dieter Przygode im Interview. Der Geschichtsforscher aus Achmer würde sich daher nicht wundern, wenn dort noch mehr Blindgänger zu finden wären.

Der Angriff am 6. Dezember 1944 galt der Stadt Osnabrück. Wieso gingen die Bomben in Pente nieder ?

Um Osnabrück als wichtigem Verkehrsknotenpunkt mit seiner Stahlindustrie war eine Vielzahl von Flugabwehrstellungen (Flak) platziert. Deshalb gelang es nicht allen Angreifern, im Zielgebiet ihre Bombenlast loszuwerden. Sie mussten wegen des starken Flakbeschusses abdrehen, wurden von deutschen Jagdflugzeugen verfolgt und attackiert. Die Bomber mussten also zusehen, dass sie ihre Bombenlast so schnell wie möglich loswurden, um schneller auf dem Weg nach Hause zu sein und nicht bei einem Treffer in der Luft zu explodieren.

Wie lassen sich die Angriffe der Alliierten heute noch nachvollziehen?

Es gibt zahlreiche zeitgenössische Aufzeichnungen. Bei den Bomberformationen wurde nach einem Angriff schriftlich niedergelegt, wie der Angriff verlaufen war, welche Erfolge erzielt wurden und welche Verluste es gegeben hat. Zum Teil wurden während eines Angriffs oder durch Aufklärungsflüge unmittelbar danach Luftaufnahmen gemacht, die sofort ausgewertet wurden. Diese Unterlagen sind im Washingtoner Nationalarchiv oder im Public Record Office in London archiviert und stehen größtenteils für Forschungszwecke zur Verfügung. Auf deutscher Seite gab es Beobachtungsposten, die notierten, wann wo wie viele alliierte Flugzeuge unterwegs waren. Diese Meldungen wurden hier in Norddeutschland vom Flak-Sender „Primadonna“ über Rundfunk an die Bevölkerung weitergegeben und gleichzeitig schriftlich aufgezeichnet. In den Städten wurden von den Gendarmerieposten die Einzelheiten der Angriffe notiert. Die Schäden wurden dabei akribisch aufgezählt. Für Osnabrück gibt es für jeden der weit über 70 Angriffe zahlreiche Aufzeichnungen und Fotodokumente, die im Niedersächsischen Staatsarchiv in Osnabrück verwahrt und dort eingesehen werden können.

In Achmer, Hesepe und Vörden gab es während des 2. Weltkriegs wichtige Militärflugplätze. Wie stark wurden die bombardiert? Müssten da nicht noch viele Blindgänger im Boden liegen?

Das Flughafendreieck Achmer / Hesepe / Vörden lag an der alliierten Flugroute nach Berlin und war deshalb Ziel zahlreicher Angriffe, allerdings fast ausschließlich der amerikanischen Bomberverbände, die tagsüber einflogen. Verheerende Bombenangriffe auf Achmer und Hesepe gab es am 21. Februar, 23. März und 08. April 1944. Mit den Angriffen am 24. Februar und 21. und 24. März 1945 wurden die Plätze in Achmer und Hesepe nahezu vollständig zerstört. Nach Angaben der Amerikaner sind bei diesen Angriffen gewaltige Bombenlasten abgeworfen worden, darunter viele Bomben, die nicht detoniert sind. Da auf und um dem riesigen Flugplatzareal in Achmer / Halen / Seeste nur in wenigen Teilbereichen nach Ende des Krieges systematische Munitionssuchen stattgefunden haben, sollte es mich nicht wundern, wenn gerade auf dem unwegsamen Flugplatzgelände noch zahlreiche Blindgänger zu finden sind.

Hier gibt es den Liveticker zur Bombenentschärfung zum Nachlesen.