[’pro:c-dur] im „Universum“ Zu wenig Einfälle bei Musikkabarett in Bramsche

Von Sascha Knapek

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Wenig komische [’pro:c-dur]:Timm Beckmann und Tobias Janssen bei ihrem Auftritt im „Universum“. Foto: Sascha KnapekWenig komische [’pro:c-dur]:Timm Beckmann und Tobias Janssen bei ihrem Auftritt im „Universum“. Foto: Sascha Knapek

Bramsche. Mit ein paar Minuten Verspätung beginnt der Auftritt des musikalischen Comedy-Duos [’pro:c-dur] im Filmtheater Universum: Pianist Timm Beckmann ist sein Handy kurz vor dem Gang auf die Bühne ins Klo gefallen. Ein Umstand, der sich in der Folge kalauernd durch fast das komplette Programm zieht. Das Problem ist nur, dass die Passagen über das unappetitliche Missgeschick leider zu den witzigeren Einlagen der zwei Unterhalter gehören.

„Klassik trifft Rock“: Was Bands wie Metallica oder Queen dazu nutzten, ihre alten Gassenhauer neu zu vermarkten, mutet auch im Rahmen einer Comedy-Show nicht sonderlich originell an. Dass Gitarrist Tobias Janssen bereits in der Ouvertüre auf die Heavy-Metal-Ikonen um James Hetfield („Enter Sandman“) zurückgreift, ist stellvertretend für die wenig einfallsreiche Auswahl an Künstlern und Stücken, die [’pro:c-dur] in der Folge durch den Kakao ziehen. Andreas Bouranis WM-Hymne „Auf uns“ persifliert man mit der Imitation eines Deutschrockers, den jeder Comedy-Azubi beherrschen muss ( Herbert Grönemeyer ), und einer leider unvermeidlichen Wolle-Petry-Einlage. Pharrell Williams bekommt für „Happy“ sein Fett weg, und natürlich dürfen auch einige Gags über die sinnfreien Texte von Helene Fischer nicht fehlen. So weit, so vorhersehbar.

Spannend und originell wird es dann, wenn Tobias Janssen und Timm Beckmann das ausgewählte Fremdmaterial tatsächlich dekonstruieren und sich nicht nur über flache Texte und Äußerlichkeiten lustig machen. Während sich der Pianist um klassische Momente von Brahms oder Mozart kümmert, grätscht der E-Gitarrist immer wieder als lauter Wachmacher dazwischen. Das funktioniert zum Beispiel bei der komödiantischen Aufarbeitung von „Carmen“. Die Oper von Georges Bizet „singt“ Janssen auf seiner Les Paul und Beckmann unterstützt mithilfe von Konservenklängen aus dem Sequencer. Am Ende landet man beim schunkeligen „La Paloma“, und der Saal lacht.

Während des „Hymnentests“ bemühen [’pro:c-dur] dann erneut die Fußball-WM. Dass man Englands „God Save the Queen“ gerne für Robbie Williams‘ “Let Me Entertain You“ eintauschen würde und selbstverständlich auch „Tage wie diese“ von den Toten Hosen nicht unerwähnt lässt, bringt keine Punkte für Einfallsreichtum. Eher schon die eingeflochtenen Hintergrundinfos zu einigen Komponisten und lustige (Fußball-)Anekdoten über die Nationalhymnen von Frankreich oder Holland.

Am Ende ist es aber zu wenig, um von [’pro:c-dur] restlos überzeugt zu sein. Vieles war vorhersehbar und die Comedy-Begegnung von Klassik und Rock stellenweise zu konstruiert. Da hilft auch kein in die Toilette gefallenes Smartphone, das für diverse harmlose Gags herhalten musste.


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