BN-Breitensport: Jugendturnen Barren, Balken und eine Rolle vorwärts in Engter

Von Marcus Alwes


Engter. Die gute alte Rolle vorwärts. Ausgeführt mit etwas Schwung. Und aus der Rolle dann wieder in den Stand. Wir lange habe ich das schon nicht mehr versucht?! Entsprechend ungelenk – wir können auch von hilflos reden – dürften meine Versuche ausgesehen haben, als ich jetzt auf Schüttenheide die ältere Jugendturngruppe des TuS Engter besucht habe. Mit unserer BN-Serie „Fit in unserer Stadt“ waren wir für Folge 18 einmal mehr in Bramsche sportlich unterwegs. Das erste Mal nach den Herbstferien.

Die Trainerin dieser Gruppe, Vanessa Mielke (im „normalen“ Leben eine Schullehrerin), nennt das Turnen „ein tolles Hobby“. Die elf Mädchen bzw. jungen Damen, die sich heute zur 90-minütigen Übungseinheit eingefunden haben, nehmen nicht an Wettkämpfen teil. „Sie treffen sich aus Spaß an der Bewegung hier“, sagt Vanessa. „Da kann jeder mitmachen.“

„Spaß an der Bewegung“

Allerlei Elemente des Bodenturnens – inklusive anfänglicher Dehn- und Kraftübungen – wechseln sich mit Geräteturnen (auf einem Schwebebalken und am Barren) und einigen Minuten auf dem Trampolin ab. Die Turnerinnen hier sind zwischen 10 und 19 Jahre alt. Aliah ist die Jüngste, Juliana die Älteste. Alle haben unterschiedliche Vorlieben bei den einzelnen Übungen. „Unterschiedlichkeit wird hier respektiert“, unterstreicht Vanessa. Alle sollen ihre persönlichen Stärken entfalten können – und daran ihre Freude haben.

Ich selbst haben seit Jahrzehnten keine Rolle vorwärts mehr gemacht. Keine sogenannte Kerze und auch keinen Handstand. Vom Radschlagen, Flickflack oder einem Spagat ganz zu schweigen. Alles ist heute während der Übungsstunde dran. Und ich stoße dabei – zugegeben – relativ schnell an Grenzen. So beweglich wie die Mädels bin ich nicht. War ich auch wohl nie. Trotzdem habe ich in den anderthalb Stunden meinen Spaß. Augenzwinkernd sage ich in Richtung der lächelnden Trainerin: „Als ich das letzte Mal sauber eine Rolle vorwärts gemacht habe, waren die ganzen Teilnehmerinnen hier noch gar nicht geboren …“

Spagat, Salto & Flickflack

Und ich musste sogar erst 45 Jahre alt werden, um erstmals in meinem Leben auf einem Schwebebalken zu turnen. Beim Aufstieg auf das Gerät wird mir eine Hand gereicht, damit ich nicht aus dem Gleichgewicht gerate. Immerhin der Gang über den schmalen Balken (vorwärts) gelingt mir ohne Absturz – barfuß. Das sorgt „gefühlt“ für einen besseren Halt. Später versuche ich mich auch noch am Barren und am Trampolin. Juliana hat da schon die ersten zwei, drei Salti hinter sich.

„Ich bin schon im Verein bei den TuS-Turnern, seitdem ich fünf Jahre alt bin. Ich habe zwischendurch als Kind auch mal drei Jahre Pause gemacht. Dann bin ich wieder angefangen – und bis heute dabei“, erzählt sie mir, „irgendwann habe ich auch mal zwei Wettkämpfe bestritten. Mehr aber nicht. Ich mache das hier aus Spaß, weil ich einfach gerne turne.“ Da müssen es gar keine Meisterschaftsteilnahmen sein.

Barfuß – der bessere Halt

„Von der Krabbelriege bis zu den älteren Turnern haben wir hier – nach Alter gestaffelt – in unserer Abteilung mehrere Gruppen“, erklärt mir Trainerin Vanessa. Es gibt zudem eine TuS-Wettkampfstaffel, im Übungsalltag losgelöst von den allgemeinen Turngruppen.

Von Letztgenannten habe ich jetzt einen Teil kennenlernen dürfen. Und ich war beeindruckt. Vom Können dieser Breitensportler in Engter.

Die nächste Folge (19) unserer BN-Serie führt mich übrigens nach Achmer. Zu „Fit ins Wochenende.“


Unsere Expertin Iris Greff sagt:

Jeder von uns kennt den Namen des ersten Turnvaters – Friedrich Ludwig Jahn. Von den Anlagen der Berliner Hasenheide sendete er zu Beginn des 19. Jahrhunderts seine sportliche Botschaft in die Welt hinaus. Er prägte so das organisierte Turnen in Deutschland ganz entscheidend. Zum einen am Boden. Zum anderen an verschiedenen Geräten.

Das Turnen fördert – regelmäßig betrieben – spürbar Kondition sowie koordinative und motorische Fähigkeiten des Menschen. Natürlich auch die Kraft, die Körperspannung und die Konzentration.

Jede(r) kann diesen Sport und/oder eine der Einzeldisziplinen ausüben. Unabhängig vom Alter. Kinder also ebenso wie Senioren. Als „Hobby“ oder auch im Rahmen von Wettkämpfen.

Sehr viele Sportvereine in unserer Region bieten diverse Turngruppen an. Interessenten sollten gezielt nachfragen. Ein Einstieg in eine dieser Gruppen ist in der Regel jederzeit möglich.

Unsere Expertin Iris Greff ist ausgebildete Fitnesstrainerin und gibt im Osnabrücker „aktivital“ Sportkurse.