Besuchsdienst kritisiert Träger Grüne Damen hören im Bramscher Krankenhaus auf

Von Hildegard Wekenborg-Placke

„Grüne Damen“ gehören in vielen Krankenhäusern „einfach dazu“ – in Bramsche ziehen sie sich zurück. Symbolfoto: BN-Archiv„Grüne Damen“ gehören in vielen Krankenhäusern „einfach dazu“ – in Bramsche ziehen sie sich zurück. Symbolfoto: BN-Archiv

Bramsche. 24 Jahre lang waren die Grünen Damen aus dem Alltag des Bramscher Krankenhauses nicht wegzudenken. Jetzt wollen die 14 Frauen und ein Mann des Besuchsdienstes aufhören. Gründe: die Umstrukturierung des Hauses. Aber auch: „Wir fühlen uns nicht mehr wahrgenommen.“

„Ich verstehe den Strukturwandel schon“, sagt die Vorsitzende der Grünen Damen, Herma Surendorf. „Aber als klar wurde, was aus dem Krankenhaus werden wird, waren wir uns sehr schnell sicher, dass wir das nicht machen wollen und können“, fährt sie fort. Die meisten der Ehrenamtlichen seien längst im Rentenalter. „Als Laien in die Psychiatrie zu gehen, das haben wir uns nicht zugetraut“, sagt sie und fügt hinzu: „Es ist uns sehr schwergefallen.“

Surendorf und ihre Mitstreiterin Sigrid Hoekstra kritisieren in diesem Zusammenhang den Krankenhausträger, die Niels-Stensen-Kliniken. Von der Möglichkeit, sich auch für den Umgang mit psychisch kranken Menschen schulen zu lassen, habe man erst erfahren, als der Entschluss aufzuhören schon lange gefallen war. Hoekstra und Surendorf bemängeln auch den Informationsfluss in der Bramscher Klinik: „Wenn wir nicht nachgefragt hätten, hätten wir nichts gehört“, nimmt Hoekstra Bezug auf die Schließung der stationären Chirurgie. Hoekstra gehört neben ihrer Tätigkeit bei den Grünen Damen auch dem Vorstand des Krankenhaus-Fördervereins an, der aus Protest gegen die Umstrukturierung Anfang Dezember
geschlossen zurücktreten will
.

Allein für die verbleibenden Betten der Inneren Station, die zum Teil noch mit Suchtpatienten belegt seien, rentiere sich auch der organisatorische Aufwand nicht mehr. „Wir brauchen keine Grünen Damen für fünf oder sechs Patienten“, fasst Hoekstra zusammen und unterstreicht nochmals, dass die Bramscher Ehrenamtlichen sich einen Einsatz im Bereich Psychiatrie und Psychosomatik nicht vorstellen können.

Ein letztes Gespräch vor einigen Tagen mit der Krankenhausführung brachte keine Annäherung. „Wir sind sehr traurig auseinandergegangen“, sagt Surendorf, die sich wie Hoekstra jetzt in der Art eines „Das war’s. Und Tschüss“ abgespeist fühlt.

„Manche von uns sind von Beginn an dabei. Wir haben den Patienten unsere Zeit geschenkt. Die Kranken wussten, dass wir kommen, und haben sich gefreut“, sagt Surendorf, die die Aufgabe des Besuchsdienstes in „zuhören, trösten, Alternativen aufzeigen“ sieht. Abgesehen davon, dass unzählige Gänge und Besorgungen oder kleine Hilfeleistungen zum Alltag der Ehrenamtlichen gehören.

Auch in „der Sucht“ waren die Damen im Einsatz. „Einfach mal eine Stunde mit einem ‚normalen Menschen‘ reden“, beschreiben die beiden Frauen ihren Einsatz, der auf ärztliche Anregung zustande kam. Am 28. November werden sie die letzten Gespräche mit Suchtkranken führen, dann ist auch hier Schluss.

Träger widerspricht

Dem Vorwurf, der Träger würdige den Einsatz der Ehrenamtliche nicht ausreichend, widerspricht der Sprecher der Niels-Stensen-Kliniken, Michael Schiffbänker, vehement. „Wir bedauern den Rückzug der Grünen Damen, weil sie im Krankenhaus eine ungeheuer wichtige Arbeit geleistet haben. Es war ein toller und ganz wichtiger Dienst“, unterstrich er. Das Bedürfnis nach Leistungen, wie sie der ehrenamtliche Besuchsdienst erbracht habe, werde in den neuen Strukturen des Hauses mit dem psychosomatisch/psychiatrischen Schwerpunkt eher noch wachsen. „Gerade diese Patienten brauchen doch Hilfe“, sagte Schiffbänker. „Wenn die Grünen Damen ihre Entscheidung vielleicht noch überdenken sollten, sind wir für Gespräche jederzeit offen.“