Stehende Ovationen in der Kirche Bramscher begeistert von Elias-Oratorium

Von Holger Schulze

Eva Gronemann mit ihren Musikern nach vollbrachter Großtat. Foto: Holger SchulzeEva Gronemann mit ihren Musikern nach vollbrachter Großtat. Foto: Holger Schulze

Bramsche. Monumental ist wohl die angemessene Beschreibung für das Werk, das Kirchenkreiskantorin Eva Gronemann für das diesjähriges Chorkonzert ausgewählt hatte. „Elias“ von Felix Mendelssohn Bartholdy macht bereits durch seine Länge von mehr als zwei Stunden Eindruck. 85 Mitwirkende auf der Chortribüne und das Profiorchester „musica viva“ machten daraus am Samstagabend ein eindruckvolles Konzerterlebnis in der St. Martin-Kirche.

Nach nur wenigen gemeinsamen Probestunden mit Chor und Orchester zusammen ein solches Werk zur Aufführungsreife zu bringen, ist bereits für sich betrachtet Kraftanstrengung für die Beteiligten genug. Doch Chor, Dirigentin und Orchester sind ein durch so manche gemeinsame Aufführung eingespieltes Team.

Mendelssohn lässt ist nach der Ouvertüre gleich üppig beginnen. In einem breit aufgestellten Forte führte sich der Chor, nach dem Eingangsrezitativ von Marco Vasalli als Elias, machtvoll in das Geschehen ein. Lyrisch weich wurde das Klangbild, als Tenor Yosuke Kodama mit der ersten Arie als Obadjah Gottes Zusicherung, sich finden zu lassen, erstmals auftrat.

Doch Mendelssohn verharrt nicht in irgendeinem Duktus. Akzentuiert ließ er unmittelbar danach erneut den Chor als Volk auftreten.

In welchen Höhen Engel singen, brachte der Chor beim „Doppelquartett“ mitnehmend zum Ausdruck. Zwischen Lieblichkeit und tiefer Inbrunst bewegt sich hier das geschmeidige Klanggemälde aus der Feder von Mendelssohn Bartholdy.

„Herr, mein Gott, vernimm mein Flehen“, als Marco Vasalli mit seiner ausdrucksklaren wie runden Bassstimme dieses Flehen vortrug, trafen hier geniale Vertonung und starker, voluminöser Tiefklang so aufeinander, dass das Attribut anrührend, in seiner fernab jeder Rührseligkeit verstandenen Bedeutung, verwendet werden darf.

In einem Brief vom 18. Februar 1837 an Carl Klingemann soll Mendelssohn geäußert haben, das Werk gebe ihm die Möglichkeit zur Komposition von „recht dicken, schweren und vollen Chören“.

Dick und schwer war die Kantorei St. Martin jedoch nie zu hören. Immer folgten die Sängerinnen und Sänger dem verständlichen Dirigat von Eva Gronemann zwar an den entsprechenden Passagen opulent, doch stets akzentuiert und nie behäbig oder gar schwerfällig.

Ergänzt durch den sanften Alt von Carola Göbel, dem zuweilen jubelnden Sopran von Hayat Chaoui, durch partiell wunderbar melodisch trauernde Celli oder fanfarenartig präsente Blechbläser schenkte die Aufführung dem Publikum Momente voll von musikalischer Zuneigung, reich an Passagen mit reifer Andacht und Stellen brillanter Harmonien eines Komponisten, dem als Schöpfer auch sinfonischer Werke ein Klangspektrum zur Verfügung stand, das mit Dynamiken bis hin zu rasanten Sequenzen virtuose Leidenschaft verbreitete, pathetische Phrasen umschiffte und stattdessen mit dezent lyrischen Schwingungen arbeitete.

Nicht unerwähnt bleiben soll ein mutiger Jakob Gronemann, der sich in der Solorolle des Knaben neben Marco Vasalli den Ohren des Publikums stellte.

Wenn Szenenapplaus inmitten eines klassischen Konzertes nicht vollkommen der Etikette widersprechen würde, Johanna und Charlotte Gronemann sowie Lea Kahlmeier hätten ihn erhalten müssen. Ihr Terzett der drei Engel, komplett ohne instrumentale Begleitung vorgetragen, verdiente allen Respekt und Hochachtung.

In weiteren Solopartien waren Urte Schleyerbach und Yvonne Wennekers zu hören, die in einem Quartett gemeinsam mit den professionell geschulten Stimmen von Carola Göbel und Hayat Chaoui ihren Part ebenfalls mit Bravour meisterten.

Eva Gronemann hatte die kurze Pause nach dem ersten Teil mit einer Verneigung vor ihren Musikern eingeleitet.

Schwer vorstellbar, dass es nach dem Ende der Vorstellung überhaupt jemandem im Publikum gegeben haben könnte, der sich einer tiefen Verneigung vor dem gesamten Ensemble nicht hätte anschließen können oder wollen. Der stehende Beifall war die einzig annehmbare Antwort durch das Publikum auf diesen reichen Abend.