Häufige Anlieger-Beschwerden Viele Klagen über den Straßenverkehr in Bramsche

Von Björn Dieckmann


Bramsche. Zu schnell, zu laut, zu viel: Der Straßenverkehr wird offenbar von immer mehr Bramschern als gefährlich wahrgenommen. Beschwerden aus allen Ortsteilen gibt es fast so oft wie Klagen über schlechtes Wetter. Ist es aber wirklich so schlimm? Beobachtungen während einer Rundfahrt durch Bramsche.

Innenstadt, Breuelstraße: Ich treffe Claus Meyer: „Seit 17 Jahren wohne ich mit meiner Familie hier. In dieser Zeit hat sich der Straßenverkehr vom Gefühl her verdoppelt“, sagt er. Pkw, Lkw, Busse, alles fährt hier entlang. Morgens werden viele Kinder von den Eltern zur Meyerhofschule gebracht mit dem Auto, später wieder abgeholt. An das Tempolimit – bis zum Fußgängerübergang am Friesenweg sind 30 km/h vorgeschrieben – hält sich „kaum jemand“, meint Meyer. Das bestätigt Georg Dombre: Die Verkehrswacht, für die er aktiv ist, hatte hier kürzlich ein Messgerät aufgestellt, vor dem Alloheim. Ergebnis nach 15 Tagen: „Rund 70 Prozent aller Fahrer sind zu schnell gefahren“, sagt Dombre. Der „Rekord“ habe bei 104 km/h gelegen – „tagsüber“, wie Dombre betont. 1000 Fahrzeuge seien täglich gemessen worden. „Nur in der Richtung, in der das Gerät aufgestellt war“, erklärt Dombre.

Hesepe, Alfhausener Straße: Hier fordern Anlieger mit Ortsrats-Mitglied Dieter Kruckmann an der Spitze die Einrichtung einer Tempo-30-Zone. Pkw, Lkw, Trecker: Es werden immer mehr, heißt es auch hier. Die Stadtverwaltung prüft, was möglich ist. Ob es nötig ist, bezweifelt ein anderer Anlieger: Viel dringender sei es doch, so meint er, die Kurve am Sonderpostenmarkt zu entschärfen.

Zu schnell ist zu langsam

So ist es immer: Wenn wir über Klagen aus einem Ortsteil berichten, folgt die Reaktion auf dem Fuße: „Bei uns ist es noch viel schlimmer.“ Auf die Veröffentlichung zur Initiative an der Alfhausener Straße meldeten sich Anlieger der Hemker Straße: „Kein Mensch fährt hier die vorgeschriebenen 30 km/h“, hieß es. Und durch den zunehmenden Verkehr sei die Lärmbelastung enorm gestiegen. Als ich hier stadtauswärts fahre, kommt mir ein „Falschfahrer“ entgegen: Er zieht links an einer Verkehrsinsel vorbei –das geht schneller. Beim Blick in den Rückspiegel ist ein leicht angespannter Fahrer im Auto hinter mir zu sehen: Ich fahre „nur“ 35 – Entschuldigung, bitte.

Es geht an der Goethestraße vorbei. Hier haben sich Anwohner beschwert, dass Lkw-Fahrer immer wieder die Abfahrt von der B68 nutzen, obwohl sie für Schwerlastverkehr gesperrt ist. „Die haben es doch noch gut, da gibt es wenigstens eine Regelung“, hieß es postwendend aus Achmer. Als ich am Kreisel bin, sehe ich viele rote und gelbe Lkw: Die einen vom Recyclingbetrieb, die anderen vom Tierfutterproduzenten. Das eine Unternehmen will erweitern, das andere hat bereits die Genehmigung dafür. Der Verkehr wird dann wohl noch zunehmen und mit ihm der Lärm.

Meine Rundfahrt ließe sich noch endlos fortsetzen. Ich fahre über Ueffeln – hier fahren laut Anliegern viele Autofahrer, von Merzen kommend, viel zu schnell in den Ort hinein – Richtung Hesepe – an der B218 fürchten sich die Anwohner vor dem geplanten Ausbau der Bundesstraße – zurück nach Bramsche und treffe mich noch einmal mit Claus Meyer in der Breuelstraße. Neben den zu schnell fahrenden Autos moniert er auch die Parkplatzsituation: „Es gibt viel zu wenige Parkplätze hier“, meint Meyer. Das Alloheim halte kaum Parkplätze für Besucher vor, am Ärztehaus gelten Zeit-Limits: „Leute, die in der Innenstadt arbeiten, können dort ihr Auto nicht abstellen“, sagt Meyer. Deshalb seien die Parkbuchten in der Breuelstraße alle schon morgens um 8 Uhr belegt. Und zu eng seien sie auch. Ich messe nach: 1,75 Meter. Ein aktueller Golf misst 1,80 Meter ohne Außenspiegel – und die werden, so meint Meyer, in der Breuelstraße regelmäßig abgefahren. „Mir scheint, die Stadt hat überhaupt kein Konzept, wie sie den Verkehrsfluss bei immer mehr Fahrzeugen regeln kann.“

Verkehrskonzept

Damit aber hat er nicht ganz recht: Es gibt einen Verkehrsentwicklungsplan, also eine Bestandsaufnahme der Verkehrsströme innerhalb Bramsches mit Handlungsempfehlungen, wie sich das Verkehrsaufkommen steuern lässt. Allerdings: „Der aktuelle Entwicklungsplan stammt aus dem Jahr 1994“, erklärt Stadt-Sprecherin Dagmar Paschen. Die darin genannten Empfehlungen seien umgesetzt worden. In den vergangenen Jahren habe die Stadt Bramsche bei den Haushaltsplanberatungen immer wieder darauf hingewiesen, dass dieser Verkehrsentwicklungsplan aktualisiert werden sollte, um beispielsweise verkehrliche Veränderungen durch neue Wohn- und Gewerbegebiete zu berücksichtigen. Auch für das kommende Haushaltsjahr werde dies wieder beantragt.

Ob die Politik allerdings diesmal die Mittel bewilligt, ist noch ungewiss, wie CDU-Fraktionssprecher Andreas Quebbemann als Vertreter der Neuen Mehrheit sagt. Bisher sei die „sehr teure“ Aktualisierung des Verkehrsentwicklungsplanes vertagt worden, „weil sie selbst noch nicht ein einziges Verkehrsproblem ändert oder gar löst“, so Quebbemann, der betont: „Wir halten ganz konkrete Maßnahmen für die jeweilige Situation für sinnvoller und sind auch für Vorschläge von Bürgern immer offen.“

Stellplätze selbst gemalt

Ich fahre nach Hause, auf den Bramscher Berg. Der Grünegräser Weg ist zwischen der Kreuzung Mozartstraße und Ehrenmal eine Slalomstrecke, am Rand parkt ein Auto hinter dem anderen. In „meiner“ Straße, in der ich wohne, haben sich Anlieger offenbar selbst Stellplätze auf die Pflastersteine der verkehrsberuhigten Zone „gemalt“. Das ist kreativ – aber genau an der Stelle, an der Stadtbrandmeister Amin Schnieder uns im vergangenen Jahr einmal gezeigt hat, wie sehr eng zugeparkte Straßen der Bramscher Feuerwehr zunehmend die Fahrten zu Einsätzen erschweren. Den Bericht hat offenbar nicht jeder gelesen.