Pahlmann über die ersten Tage Bramsches neuer Bürgermeister fühlt sich schon wohl

Von Hildegard Wekenborg-Placke

Die Arbeit ist schon da, wie die Mappe von Sabine Rechtien aus dem Sekretariat beweist. Für die persönliche Note im Büro will Heiner Pahlmann in Zusammenarbeit mit dem Kunstverein noch sorgen. Foto: Hildegard Wekenborg-PlackeDie Arbeit ist schon da, wie die Mappe von Sabine Rechtien aus dem Sekretariat beweist. Für die persönliche Note im Büro will Heiner Pahlmann in Zusammenarbeit mit dem Kunstverein noch sorgen. Foto: Hildegard Wekenborg-Placke

Bramsche. Das Bild ist noch dasselbe, der Schreibtisch auch – äußerlich ist (noch) vieles beim Alten im Raum 0.29 des Bramscher Rathauses. Der Schriftzug an der Tür allerdings wurde bereits am Montag geändert. „Bürgermeister Heiner Pahlmann“ steht dort. Nach ein paar Tagen des Einfindens sagt Pahlmann über seinen neuen Job als Chef der Verwaltung: „Man fühlt sich gut.“

Zum Einfinden gehört für den Neu-Bürgermeister „dass ich jeden Mitarbeiter einmal an seinem Arbeitsplatz besuchen möchte“. Am Donnerstagmorgen war er schon um 7 Uhr beim Betriebshof. Dabei soll es nicht bleiben: „Ich möchte einmal eine Kolonne bei der täglichen Arbeit begleiten, weil ich wissen will, wie sich die Arbeit anfühlt“, sagt Pahlmann. Ein Bürgermeister im Schneeräumeinsatz? „Warum nicht?“, lächelt er. Oder im Kundenservice. Oder der Stadtbücherei. Allerdings: „Die Besuche sind keinesfalls als Kontrolle gemeint.“

155 Mitarbeiter hat die Stadtverwaltung. Viele kennt der neue Bürgermeister schon mit Namen: „Vielleicht 80 Prozent“ schätzt er. Seine lange kommunalpolitische Tätigkeit kommt ihm dabei zugute. „Außerdem ist man ja auch im Ort unterwegs.“ An seinen Start am Montagmorgen denkt Pahlmann gern. Seine engsten Mitarbeiter(innen) erwarteten ihren neuen Chef mit einem Blumenstrauß, der jetzt seinen Schreibtisch ziert.

Bei den Besuchen bei den Mitarbeitern soll es nicht bleiben. „Offenheit und Transparenz“ nennt Pahlmann als Kernbegriffe für seine Amtsführung. Einen ersten Schritt will er mit der Bürgersprechstunde am Samstag machen. Ab 10 Uhr ist jeder willkommen, der sein Anliegen vortragen möchte. Ab dem kommenden Jahr will er sich in den Ortsteilen den Fragen der Bürger stellen. „So eineinhalb Stunden vor einer Ortsratssitzung“, könnte er sich vorstellen. Jeder Ortsteil soll einmal drankommen. „Der Ortsrat, der als Erster tagt, muss damit rechnen, dass ich komme“, droht er nicht ganz ernst gemeint. Diese Gremien seien „immens wichtig für die Identifikation vor Ort. Man kennt die Ortsratsmitglieder, sie kriegen viel mit und können das dann weitergeben.“ Der langjährige Achmeraner Ortsbürgermeister weiß, wovon er spricht.

„Wertvolle Erfahrungen darin, auf Menschen zuzugehen, habe ich auch im Landtagswahlkampf 2008 gemacht“, sagt er weiter. Menschen anzusprechen, und noch wichtiger, zuzuhören – auch wenn es damals nicht für einen Sitz im Landesparlament gereicht hat. Die Pressearbeit bei der Bundespolizei verbucht er ebenfalls als nützliche Vorbereitung auf den Chefsessel des Mittelzentrums Bramsche.

Mit 62,95 Prozent wählten die Bramscher den SPD-Kandidaten ins Rathaus. Im Rat sieht sich der Verwaltungschef allerdings einer Jamaica-Plus-Koalition gegenüber, in der Tuchmacherstadt kurz „Neue Mehrheit“ genannt. Das langjährige SPD-Mitglied Pahlmann schreckt das nicht. „Wir orientieren uns an Sachfragen“, stellt er klar. Etliche Themen sind gesetzt: die mögliche Ansiedlung der Amazone-Werke in Schleptrup, die Einrichtung der Gesamtschule . Was dann aus Realschule und Hauptschule werden soll? „Wir werden sehen, was sinnvoll ist. Wir müssen mit den Beteiligten und auch den Eltern ins Gespräch kommen und einvernehmliche Lösungen suchen“, spricht der Politiker Pahlmann. Um dann aber doch einzuräumen, dass er den bisherigen Verwaltungsvorschlag, neben der IGS eine Oberschule einzurichten, für sinnvoll hält. „Wir müssen eine nachhaltige Lösung suchen“, unterstreicht er seine Zweifel, ob Haupt- und Realschule auf Dauer allein existenzfähig wären. Dennoch: „Wir sind gesprächsbereit.“

Das Gespräch suchen will Pahlmann nicht nur mit den Parteien, sondern auch mit den Bürgerinitiativen. „Nur so können wir als Kommunen handlungsfähig bleiben“, meint er und kommt wieder auf sein Lieblingsthema: die Kommunikation mit dem Bürger, bei der er neue Wege beschreiten will. Dazu geht der neue „BM“ sogar unter die Blogger. Jeden Freitag wird er unter www.bramsche.de im „Bürgermeister-Blog“ schreiben, „was in der Woche passiert ist“. Per E-Mail oder auch gern telefonisch können die Bramscher dazu Stellung nehmen. „Auf eine Kommentarfunktion verzichten wir, aus den bekannten Gründen“, sagt Pressefrau Dagmar Paschen. Zu oft vergessen Nutzer in der Anonymität des Internets ihre gute Kinderstube.

Ansonsten läuft weiter die Phase „Einarbeitung“. „Der Kalender ist voll“, sagt Pahlmann – Wochenenden eingeschlossen. „Aber das habe ich erwartet. Und – ganz ehrlich – Aktionen wie an der Münsterstraße, die mache ich zwar als Bürgermeister, aber die machen einfach Spaß“. Spricht es, und greift zur Tasse Kaffee, fair gehandelt, das ist ihm wichtig.