Vorkehrungen getroffen Ebola-Fall in Hesepe „extrem unwahrscheinlich“

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Hesepe. Sechs Betten, Tische, Stühle, Regale, sogar Fernseher, Gesellschaftsspiele und Küchenzeile: Manch bescheidener Rucksack-Tourist würde sich in diesem Raum wohlfühlen. Es handelt sich aber um die Isolierstation in der Flüchtlingsunterkunft in Hesepe – neu eingerichtet für den Fall, dass bei einem Asylbewerber das Ebola-Virus festgestellt werden sollte.

Ein Fall, von dem Einrichtungsleiter Conrad Bramm hofft, „dass er niemals eintreten wird“, den er aber auch für „extrem unwahrscheinlich hält“. Denn, so erklärt Bramm: „Wir nehmen hier am Standort Bramsche gar keine Menschen auf, die aus den von Ebola betroffenen Staaten kommen.“ Guinea, Sierra Leone und Liberia gelten derzeit als die Länder, in denen sich die meisten Menschen mit dem Ebola-Virus infiziert haben. „Flüchtlinge aus diesen Ländern werden innerhalb Niedersachsens hauptsächlich in der Erstaufnahme-Einrichtung in Braunschweig untergebracht“, so Bramm.

Aber: „Grundsätzlich kann jeder Mensch aus jedem Land der Welt erst einmal bei uns vorstellig werden“, führt Bramm weiter aus. Und: „Wir wissen bei niemandem, den wir hier aufnahmen, mit wem er Kontakt hatte, welchen Fluchtweg er hatte.“ Deshalb seien nun Schutzmaßnahmen getroffen worden. „Das wurde nach einem Vorschlag aus der Landesaufnahmebehörde sehr schnell durch die Ministerien umgesetzt“, lobt Bramm.

Obligatorisch ist nun die Befragung der Asylbewerber bei Aufnahme, ob sie sich in den vergangenen 21 Tagen in einem Ebola-Risikogebiet aufgehalten haben – diese 21 Tage gelten als maximal mögliche Inkubationszeit. Bejaht der Flüchtling, wird bei ihm umgehend Fieber gemessen, bei Vorliegen erhöhter Temperatur wird der Betroffene separiert – im eingangs beschriebenen, neu eingerichteten Zimmer.

Dass dieses halbwegs komfortabel eingerichtet ist, hat seinen Grund: „Die Betroffenen müssten hier ja womöglich mehrere Tage verbringen, bis eine Ebola-Erkrankung feststeht oder ausgeschlossen werden kann“, sagt Bramm. Begleitet würde die Separierung von fortwährenden Gesundheitskontrollen und einer eingehenden Befragung nach dem Herkunftsland, der Reiseroute und der Reisedauer.

„Die Wahrscheinlichkeit einer Ebola-Infektion wird sich dadurch bei einem Großteil der Personen bereits ausschließen lassen“, ist Bramm überzeugt. Wenn Verdachtsmomente blieben, werde das Gesundheitsamt verständigt, im Fall der Fälle der Patient in eine Spezialklinik verbracht.

Die Krankenstation in der Flüchtlingseinrichtung ist mittlerweile durchgehend für die Bewohner geöffnet. Auch diejenigen, die schon etwas länger in der Asylbewerber-Unterkunft sind, unterliegen bei Auftreten von Fieber einer erhöhten Kontrolle mit einem täglichen Gesundheits-Check.

„Wir wollen auf alles vorbereitet sein, auch wenn wir der Auffassung sind, dass die Gefahr einer Ebola-Erkrankung hier sehr gering ist“, verdeutlicht Bramm noch einmal. Zu den Vorkehrungen habe auch eine umfangreiche Schulung aller Mitarbeiter gehört, die auf dem Gelände in Hesepe tätig sind. Zudem sind Schutzanzüge bereitgestellt worden inklusive Mundschutz und Spezialbrille. All das für den Fall der Fälle, von dem alle hoffen, dass er niemals eintreten wird.


Ebolafieber ist eine Infektionskrankheit, die durch das Ebolavirus hervorgerufen wird. Die Bezeichnung geht auf den Fluss Ebola in der Demokratischen Republik Kongo zurück, in dessen Nähe diese Viren 1976 den ersten allgemein bekannten großen Ausbruch verursacht hatten. Die Erkrankung verläuft in bis zu 70 Prozent der Fälle tödlich. Der Erreger kann von erkrankten Menschen durch Körperflüssigkeiten, durch sogenanntes „Buschfleisch“ von Wildtieren und durch kontaminierte Gegenstände übertragen werden. Das Ansteckungsrisiko steigt mit der Schwere der Erkrankung, d. h. ohne Krankheitszeichen gibt es keine Ansteckung. Das höchste Ansteckungsrisiko besteht durch ungeschützten direkten Kontakt der Schleimhäute (Mund, Nase, Augen) oder der nicht intakten Haut mit Blut, Stuhl, Erbrochenem und Urin von Erkrankten/Verstorbenen. Die Erreger werden nicht durch die Luft übertragen. Ein Abstandhalten von mehr als einem Meter zu einem Erkrankten gilt als ausreichend, um eine Übertragung auszuschließen.

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