Bramscher Wirtschaft im Porträt Bramsche: Beckermann ist überzeugter Mittelständler

Von Christoph Lützenkirchen

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Den roten Faden halten Herr und Hund gemeinsam: Jörg Beckermann mit Maja vor Bussen und Fahrschulwagen auf dem Firmengelände an der Osnabrücker Straße. Foto: Christoph LützenkirchenDen roten Faden halten Herr und Hund gemeinsam: Jörg Beckermann mit Maja vor Bussen und Fahrschulwagen auf dem Firmengelände an der Osnabrücker Straße. Foto: Christoph Lützenkirchen

Bramsche. Das Bild einer Savannenlandschaft irgendwo in Afrika schmückt den Besprechungsraum. Abendstimmung, mit grazilen Baumsilhouetten. Der Tisch besteht aus einer mächtigen Massivholzbohle mit herrlicher Maserung. Jörg Beckermann stellt Cappuccinos zu dem großen Teller mit belegten Brötchen und lässt sich in einen der bequemen Sessel fallen. „Ich habe nichts vorbereitet“, sagt der Chef des Bramscher Busunternehmens, dann beginnt er zu erzählen.

Von den starken Frauen in seiner Familie und in der Firma, von Jahren des Aufbaus, von Schicksalsschlägen. Dass er Chef des elterlichen Unternehmens würde, war in der Lebensplanung des 48-Jährigen eigentlich nicht vorgesehen. Diese Rolle war seinem zehn Jahre älteren Bruder Heiner zugedacht. Der füllte sie auch engagiert aus, bis er 2005 schwer erkrankte und anderthalb Jahre später im Alter von nur 50 Jahren verstarb. Seitdem steht Jörg Beckermann an der Spitze der Unternehmensgruppe, und im Laufe des Gespräches wird deutlich: Er versteht sich als Glied in einer Kette von Vorgängern. Als Repräsentant der Familie hat er Verantwortung für die 1928 gegründete Firma übernommen, vor allem aber für die zum Teil langjährigen Mitarbeiter.

Angefangen hat alles mit Heinrich Beckermann, der in den Zwanzigerjahren des letzten Jahrhunderts in Bramsche eine Fahrradwerkstatt unterhielt. „Mein Großvater besaß einen Lieferwagen“, sagt Jörg Beckermann. „Als er einen Freund auf dessen Bitte nach Osnabrück gefahren hatte, kam er auf die Idee, diesen Service als Geschäft anzubieten.“ Ein Jahr später wird Beckermanns Vater Helmut geboren. Er ist erst 16 Jahre alt, als der Firmengründer Heinrich in den letzten Tagen des 2. Weltkriegs ums Leben kommt. Der Neuanfang ist schwer. Das Militär hat alle Fahrzeuge des kleinen Unternehmens requiriert, sie kommen schrottreif zurück. Dank einer Sondergenehmigung kann Helmut Beckermann einen Führerschein machen und als Fahrer einspringen. „Damals musste das irgendwie gehen“, erzählt Jörg Beckermann, seine Oma Luise habe Großes geleistet. Sie ist zu diesem Zeitpunkt Mitte vierzig, fährt Busse, übernimmt aber auch Krankenfahrten. Mutter und Sohn gelingt es, das Familienunternehmen zu retten.

Anfang der 50er-Jahre gründet Helmut Beckermann seine eigene Familie. Drei Kinder kommen zur Welt. Jörg Beckermann, das Nesthäckchen, ist zehn Jahre jünger als sein Bruder Heiner. Die Familie und das Unternehmen bildeten eine untrennbare Einheit, erinnert er sich: „An Heiligabend saßen die Taxifahrer mit uns am Weihnachtsbaum, die an diesem Abend Dienst hatten“, erzählt er: „Und an Silvester haben alle zehn Fahrer um zwölf mit uns angestoßen.“ Sein Bruder Heiner ist bereits Juniorchef im elterlichen Unternehmen, als Jörg Beckermann beginnt, in Osnabrück Betriebswirtschaftslehre zu studieren.

Als er das Studium 1990 als frischgebackener Diplom-Kaufmann abschließt, hat er feste Pläne. „Im Rahmen meiner Diplom-Arbeit hatte ich mich mit dem Coaching von Führungskräften beschäftigt“, berichtet er: „Ich wollte gern professioneller Berater werden.“ Um sich darauf noch besser vorzubereiten, beginnt er, Psychologie zu studieren. Doch auch der Unternehmergeist regt sich. Beckermann riskiert den Sprung in den erst wenige Monate freien Osten Deutschlands. Gemeinsam mit einem lokalen Partner gründet er in Neustrelitz ein Busunternehmen. „Wir besaßen drei Ikarus-Busse und stiegen dort in den öffentlichen Personennahverkehr ein“, so Beckermann: „Die Anteile an dem Gemeinschaftsunternehmen habe ich in 2003 verkauft.“

Erste Zäsur

Der frühe Tod seiner Mutter, die viel im Unternehmen mitgearbeitet hat, wird zur ersten Zäsur im Leben von Jörg Beckermann. Er bricht sein Psychologiestudium nach dem Vordiplom ab und tritt 1993 in die elterliche Firma ein. „Ich habe mich eigentlich um alles gekümmert, was mit Zahlen zu tun hatte“, erinnert er sich. Im Jahr 1998 übernimmt er die Geschäftsführung der 1957 durch seinen Vater gegründeten Fahrschule aller Klassen, die zu diesem Zeitpunkt nur einen Fahrlehrer beschäftigt. Der Fuhrpark besteht aus einem Pkw und einem Lkw. Unter der Führung von Jörg Beckermann expandiert der Bereich kräftig. Heute gehören neben der Fahrschule Beckermann die Fahrschulen Janning und Hasetal zur Unternehmensgruppe. Zusammen betreiben sie sieben Standorte zwischen Quakenbrück und Osnabrück.

„Ich hatte aber weiterhin vor, irgendwann in die Unternehmensberatung zu wechseln“, sagt Beckermann. Der krankheitsbedingte Rückzug seines Bruders aus dem Unternehmen macht seine Pläne 2005 zunichte. Sein Vater Helmut ist schon aus dem operativen Geschäft ausgestiegen. „Innerhalb von wenigen Wochen stand ich allein da“, erinnert sich Jörg Beckermann, der zum Zeitpunkt überdies alleinerziehender Vater eines sechsjährigen Sohnes ist. In dieser Situation habe er enorm viel Unterstützung durch seine Mitarbeiter erfahren, so Beckermann. Es sei häufiger vorgekommen, dass er geschäftlich unterwegs war und sein Sohn im Büro betreut wurde. Das stärkt ihm den Rücken. Gleichzeitig sind die langjährigen Mitarbeiter für ihn die wichtigste Motivation, das Familienunternehmen weiterzuführen. Der kühl rechnende Betriebswirtschaftler in Jörg Beckermann leidet, wenn es die Reisebürosparte mehrere Jahre lang kaum in die schwarzen Zahlen schafft. Das Geschäft brach ein, weil immer mehr Kunden ins Internet abwanderten und sich ihre Reisen selbst organisierten. Doch anstatt sich von der unprofitablen Tochter zu trennen, erhält Beckermann die Arbeitsplätze. Er entwickelt neue Angebote für das Reisebüro und freut sich nun über den langsam drehenden Trend. „Viele Kunden haben schlechte Erfahrungen gemacht und buchen wieder bei uns“, erzählt er: „Wir arbeiten eben ausschließlich mit renommierten Anbietern zusammen, die wir seit Jahren kennen.“

Menschen stehen für den Bramscher Unternehmer im Mittelpunkt. Das spürt man auch im direkten Kontakt. Der Chef von 70 Mitarbeitern tritt unprätentiös und entspannt auf, er nimmt sich Zeit. Mit bemerkenswerter Offenheit erzählt er aus seinem Leben und über sein Unternehmen. Seine Freizeit verbringt er bodenständig. Beckermann spielt Squash und trifft sich regelmäßig mit Freunden zum Doppelkopf. Als junger Mann sei er auch Autorennen gefahren, erzählt er. Das ist vorbei, aber die Abenteuerlust ist geblieben. Beckermann lebt sie heute in seiner großen Leidenschaft für das Reisen aus. Besonders begeistert ist er von Afrika. In Ägypten hat er Freunde gefunden, die er bald wieder besuchen will. Der 48-Jährige zeigt spektakuläre Tierfotos von einer Safari und erzählt lachend, dass es spannend gewesen sei, im Geländewagen mitten in eine Elefantenherde zu geraten.

Tierlieb ist er schon immer gewesen. „Wir hatten zu Hause immer Hunde“, sagt der Firmenchef. Den ersten eigenen Hund rettete er als Welpen vor dem sicheren Tod und zog ihn eigenhändig mit der Flasche groß. Der aktuelle Familienhund Maja ist übrigens ein Findelkind. Folgsam setzt sich die Hündin mit Beckermann vor die Kamera und lässt sich die Spindel des roten Fadens ans Halsband stecken. Alles ganz entspannt. Wie der Herr, so’s Gescherr.


Die BN-Serie „Roter Faden – Bramscher Wirtschaft im Porträt“ stellt Firmen-Chefs und Geschäftsführer von Unternehmen in unserer Region vor. Im Mittelpunkt stehen dabei die Persönlichkeiten, die mit ihrem Engagement das Unternehmen voranbringen. Ihre berufliche Entwicklung wird ebenso nachgezeichnet wie das Wachsen des Betriebs. Das Besondere dabei: Jede/r Porträtierte schlägt unserem Mitarbeiter den nächsten Kandidaten für diese Serie vor. So zieht sich – nach und nach – ein „Roter Faden“ durch die örtliche Wirtschaft, mit dem die Bramscher Nachrichten die Vielfalt von Industrie, Handel und Gewerbe in unserer Umgebung aufzeigen. Jörg Beckermann ist von Fleischerei-Chef Christian Sostmann vorgeschlagen worden.

Sechs unabhängige Gesellschaften bilden die Beckermann-Firmengruppe. Das Unternehmen ist mit insgesamt 70 Mitarbeitern in drei Geschäftsfeldern tätig. Es betreibt ein Reisebüro und drei Fahrschulen mit sieben Standorten; zudem unterhält es eine Busflotte.

„Über unser Reisebüro kann man alles buchen, von der Kaffeefahrt bis zur Weltreise“, sagt Jörg Beckermann. Selbstverständlich bereiten seine Mitarbeiter auch die Reisen des Chefs mit seinem Sohn vor.

Beckermann-Busse verkehren im öffentlichen Personennahverkehr in und um Bramsche. Man kann sie auch chartern. Außerdem sind die Busse im Auftrag des firmeneigenen Reisebüros unterwegs.

Die Fahrschulen bereiten auf Führerscheinprüfungen aller Klassen vor. Zum Fuhrpark der Firmengruppe gehören knapp 50 Fahrzeuge, vom Mofa bis zum Lkw mit Anhänger.

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