850 Menschen untergebracht Situation im Flüchtlingslager Hesepe „angespannt“

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Die derzeitige Situation in der LAB Hesepe erklärt Einrichtungsleiter Conrad Bramm. Archiv-Foto: Heiner BeinkeDie derzeitige Situation in der LAB Hesepe erklärt Einrichtungsleiter Conrad Bramm. Archiv-Foto: Heiner Beinke

Hesepe. Rund 850 Menschen aus aller Welt sind derzeit in der Erstaufnahmeeinrichtung für Asylsuchende in Hesepe, dem „Lager“, untergebracht. Die Tendenz ist steigend: Kapazitäten sollen für bis zu 1000 Personen bereitgestellt werden. „Die Situation ist angespannt“, stellt Conrad Bramm fest, der Leiter der von der Landesaufnahmebehörde (LAB) betriebenen Einrichtung.

Was Conrad Bramm besonders wurmt: „Wir können derzeit unserem Anspruch, den Menschen hier eine Willkommenskultur zu bieten, nur noch schwer gerecht werden.“ Dies liege an der Gesamtzahl der in der LAB untergebrachten Flüchtlinge: „Bundesweit gibt es in diesem Jahr 60 Prozent mehr Asylanträge als in 2013. Das spiegelt sich natürlich auch bei uns wieder“, erklärt Bramm. Personell habe man da noch nicht Schritt halten können. „Es ist einiges eingetütet worden, aber noch warten wir auf weitere Mitarbeiter“, so der Einrichtungsleiter. Schwierig sei auch die Verteilung der Neuankömmlinge: „Für die erste Nacht können wir meist nur eine Massenunterkunft bereitstellen. Danach erst erfolgt die Zuweisung der Zimmer in den Bauten und Containern. Es ist uns im Moment allerdings nicht mehr möglich, dabei nach Nationen oder Ethnien zu sortieren“, so Bramm. Dies liege auch daran, „dass wir nie genau wissen, wie viele Flüchtlinge überhaupt bei uns ankommen.“

Syrer die größte Gruppe

Aus Syrien stammen derzeit die meisten Menschen, die in der Erstaufnahmeeinrichtung aufgenommen worden sind. Geflohen sind sie aus ihrem arabischen Heimatland, in dem seit Jahren ein Bürgerkrieg tobt. Die zweitgrößte Gruppe bilden Flüchtlinge vom Balkan, gefolgt von Afrikanern aus verschiedenen Staaten. „Viele haben eine abenteuerliche Flucht hinter sich“, weiß Conrad Bramm. Längst nicht alle kämen aus ärmlichen Verhältnissen: „Zum Teil haben sie Tausende Euro an Schlepperbanden bezahlt“, berichtet Bramm. Geflüchtet seien sie „aus Ländern, in denen es oft überhaupt kein Staats- und Gesundheitswesen mehr gibt“. Das Einzige, was noch funktioniere, seien offenbar die Mobilfunknetze. „Sehr viele Flüchtlinge haben ein Handy oder Smartphone dabei, wenn sie hier ankommen.“

Viele der Ankommenden würden erst einmal eine Art Kulturschock erleiden: „Es gibt manchen, der hat nur selten in seinem Leben überhaupt schon geteerte Straßen gesehen“, meint Bramm. Auch das riesige Warenangebot in den Supermärkten sei völlig ungewohnt. Bedingt durch die kurze Aufenthaltszeit in Hesepe – die meisten Flüchtlinge bleiben bis zur Verteilung in die Kommunen nur zwei Wochen – sei es schwierig, „den Leuten zu vermitteln, wie dieses Land tickt“, weiß Bramm. „Wegweiser“-Kurse in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule gäben hier eine Orientierung. Dass in der Kürze der Zeit keine Deutschkurse angeboten werden können, bedauert der Leiter der Heseper LAB-Einrichtung. Denn das, davon ist Bramm überzeugt, „ist das A und O, um sich zu integrieren und integriert zu werden“.


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