Höltermann jetzt im Ruhestand Bramscher Bürgermeisterin mit Applaus verabschiedet



Bramsche. Einst wurde ihr eine Lehrstelle bei der Bramscher Stadtverwaltung verwehrt, weil sie ein Mädchen war. Eben diese Verwaltung leitete sie später 13 Jahre als hauptamtliche Bürgermeisterin. Mit einem Festakt in der Kornmühle des Tuchmacher-Museums verabschiedete sich Liesel Höltermann am Mittwoch im Kreise von Familie und Weggefährten in den Ruhestand. Die feierten sie schließlich mit stehendem Beifall.

Als stellvertretende Bürgermeisterin zeichnete Dagmar Völkmann von den Grünen das Bild einer „taffen“ Bürgermeisterin Liesel Höltermann. „Familie und Karriere als Frau: Das ist nach wie vor etwas Außergeöhnliches“, sagte Völkmann und beschrieb einen Lebensweg vom „ersten weiblichen Lehrling“ bei Klöckner bis auf den Bürgermeiter(innen)stuhl im Bramscher Rathaus“. Einen Weg, den Höltermann als früh verwitwete, alleinerziehende Mutter machte, einen Weg, der möglich wurde durch die Unterstützung in ihrer Familie und die politische Beheimatung in der Sozialdemokratie. Nicht zuletzt dieser persönliche Hintergrund erkläre, dass für Höltermann die Betreuung und Förderung der Kleinsten und Kleinen immer ein vorrangiges Anliegen“ gewesen sei. Der hohe Standard, den Bramsche hier erreicht habe, „ist ein verbleibendes Verdienst ihrer Amtszeit“, lobte Völkmann die scheidende Bürgermeisterin.

Souverän und pragmatisch

Höltermann habe ihre Ziele stets souverän und pragmatisch angefasst. Das gelte auch für die Zusammenarbeit mit der Neuen Mehrheit im Stadtrat. „Im Vordergrund stand immer die Orientierung an Sachthemen“, verbunden mit dem Mut auch zu unpopulären Positionen, erinnerte Völkmann an die Schließung der Hauptschule in Engter. „Würde ich ihr heute einen Orden verleihen, dann stünde darauf: Bescheidenheit, Bodenständigkeit, Bürgernähe, Heimatverbundenheit“, schloss Völkmann.

Für die „Töchter“ der Stadt Bramsche, die Stadtwerke und das Stadtmarketing , lobte Stadtwerke-Geschäftsführer Dieter Holzgrefe Höltermanns erfolgreiches Bestreben, die Attraktivität der Innenstadt als „Einkaufs- und Erlebnisstandort zu erhalten und nach Möglichkeit immer weiter zu steigern“. Für die Stadtwerke seien die Persönlichkeit und das betriebswirtschaftliche Verständnis Höltermanns als Aufsichtsratsvorsitzende ein Glücksfall gewesen.

Der Präsident des Niedersächsischen Städtetages, Ulrich Mädge, zitierte Martin Luther – um gleich zu erklären, dass jedenfalls ein Satz des Reformators für Bramsche nicht gilt: „Wenn der Bürgermeister seine Pflicht tut, werden kaum vier da sein, die ihn mögen“. In Bramsche zeigten dagegen die 13 Amtsjahre der scheidenden Bürgermeisterin, wie populär Liesel Höltermann bei den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt sei.

In kaum einem Beruf könne man so viel gestalten und sei gleichzeitig so nah dran am Leben, sagte Mädge. Kommunalpolitik erfordere politisches Geschick und Entscheidungsfreudigkeit. Dass Höltermann ihre Aufgaben als Bürgermeister mit viel Engagement und Freude erfüllt habe, „bescheinigen Dir Deine Bramscher sicher gern“. Trotz der immer geringeren finanziellen Gestaltungsmöglichkeiten der Kommunen habe sie viel bewegt, nicht nur für Bramsche, sondern für alle Kommunen. Höltermann war bis 2014 einzige Frau in der Bürgermeisterkonferenz und seit 2002 Präsidiumsmitglied des Niedersächsischen Städtetages.

„Sie haben als Bürgermeisterin viel bewegt“, attestierte ihr Landrat MichaelLübbersmann. „Dabei war stets Sachlichkeit und nie Lautstärke entscheidend“. „Dein Wort hatte in der Bürgermeister-Konferenz immer Gewicht“, lobte Neuenkirchens Bürgermeister Hildegard Schwertmann-Nicolay.

Höltermanns Abschiedsworte

Liesel Höltermann selbst erinnerte sich: „Vor meiner Kandidatur habe ich gedacht: ‚Wenn du’s nicht machst, dann ärgerst du dich dein Leben lang. Aber vor der Leitung einer Verwaltung hatte ich einen Heidenrespekt“. Mit diesen Worten ihrer Abschiedsrede leitete die scheidende erste Frau im Bramscher Rathaus ihre Dankesworte ein.

„Ohne meine Mitarbeiter hätte ich das nie geschafft“, meinte sie. Viele nannte sie mit Namen, lobte ihre Fachkompetenz und ihre menschliche Integrität. „Dabei war ein offenes Wort immer wichtig. Als alle begriffen hatten, dass ich Kritik ertrage, haben wir gute und sachgerechte Entscheidungen treffen können.“

„Bis 2011 war das Bürgermeisteramt eine reine Freude. Ich war wohl verwöhnt“, sprach die Sozialdemokratin ein einschneidendes Ereignis ihrer Amtszeit an, den Übergang der Macht im Rat an die Neue Mehrheit. „Aber“, so Höltermann, „Kommunalpolitik ist Sachpolitik, und da muss man politische Überzeugungen schon mal hintanstellen.“

An ihren Nachfolger Heiner Pahlmann gewandt, meinte sie abschließend: „Es ist ein wunderschönes Amt. Es wird dir überwiegend Freude bereiten.“


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