13 Jahre Bürgermeisterin Bramsche: Liesel Höltermann wird verabschiedet



Bramsche. Ihr Bild hängt jetzt in der Ahnengalerie der Bramscher Bürgermeister, als Erstes auf der anderen Längsseite des Ratssitzungssaales. Und das ist ganz passend. Denn Liesel Höltermann, die heute offiziell aus dem Amt verabschiedet wird, hat in mehr als einer Hinsicht neue Wege in den 13 Jahren ihrer Amtszeit beschritten.

„Verstehen kann man das Leben nur rückwärts. Leben muss man es vorwärts.“ Diesen Satz des dänischen Philosophen Søren Kierkegaard hat Liesel Höltermann in diesem Sommer zitiert bei der Verabschiedung des Abiturjahrgangs am Greselius-Gymnasium. Auch in ihrer Amtszeit ist das eine oder andere, was in der Rückschau nur logisch und geradlinig erscheint, mehr von Zufällen und äußeren Zwängen bestimmt, als man annehmen mag. Aber die unbestritten größte Leistung ihrer Amtszeit hängt eng mit ihren persönlichen Lebensumständen zusammen: der flächendeckende Ausbau der Kindertagesstätten und der Ganztagsbetreuung in Bramsche.

„Das sehe ich als ein Glück an, dass ich das in meiner Amtszeit machen durfte“, kommentiert sie selbst diese und weitere Anstrengungen, um Familie und Beruf besser in Einklang zu bringen. Als nach dem Unfalltod ihres Mannes alleinerziehende Mutter einer damals neun Jahre alten Tochter weiß Höltermann um die Sorgen und Nöte dieser Frauen. Wenn die Fußgängerzone und der Rathausneubau bleibende Erinnerungen an die Amtszeit ihres einzigen hauptamtlichen Vorgängers Ewald Fisse sind, dann stehen für ihre 13 Amtsjahre die Neu- und Anbauten an Kindergärten in Bramsche und seinen Ortsteilen.

Und noch etwas wird in Zukunft für die Ära Höltermann stehen: der Hasesee, der ihr besonders am Herzen lag. Dem Altstadt und Gartenstadt verbindenden Naherholungsgebiet drohte ein trauriges Schicksal als ewiges Projekt, weil das Planfeststellungsverfahren nicht vorankam. Steter Druck aus dem Rathaus hat geholfen, das zu ändern. Und so wurde die aus den 60er-Jahren stammende Idee zum Hochwasserschutz doch noch Realität. „Der ist so, wie ich ihn mir vorgestellt habe. Ohne Finessen, naturnah zum Spazierengehen. Und außerordentlich günstig in der Herstellung“, findet sie.

Das führt direkt zum nächsten zentralen Thema ihrer Amtsführung: Finanzen waren bei der Gartenstädterin immer Chefsache. „Die Höltermann macht doch nur Kultur“ haben viele geunkt, als die SPD-Ratsfrau im Jahr 2001 zum ersten Mal zur hauptamtlichen Bürgermeisterin gewählt wurde. Doch es gehört zu ihren Wesensmerkmalen, dass ihr Blick auf das Wesentliche nicht durch persönliche Vorlieben getrübt wird. Und so lernten auch die Kulturschaffenden schnell, dass die neue Chefin sehr genau unterschied zwischen dem Notwendigen und dem Wünschenswerten.

Als ein „Schlüsselerlebnis“ für ihre Amtszeit bewertet die Bürgermeisterin selbst die vielen Beschwerden über den schlechten Zustand des Schulzentrums in ihrem ersten Wahlkampf. Da habe sie sich vorgenommen, das Thema Bestandserhaltung wichtig zu nehmen. Darum kümmert sich heute unter anderem das städtische Gebäudemanagement.

Wichtige Schulfragen hat es in ihrer Amtszeit ebenfalls gegeben: Die Auflösung der Orientierungsstufen, der Auszug der Hauptschule aus dem Schulzentrum, die Auflösung der Hauptschule Engter, um nur die wichtigsten zu nennen. Naturgemäß werden gerade Schulfragen immer sehr emotional geführt. Insbesondere die Schulstrukturdiskussion nach der Auflösung der Orientierungsstufe im Jahr 2004 „hat bei mir ganz tief gesessen. Da gibt es einige Personen, an denen gucke ich heute noch lieber vorbei“, gesteht sie im Rückblick.

Traurige Erlebnisse

Als traurigstes Erlebnis ihrer Amtszeit nennt die Bürgermeisterin den plötzlichen Herztod des Ersten Stadtrates Gerd Grun im Herbst 2006. „Gerd hat mich immer sehr unterstützt.“ Der Tiefpunkt waren für sie allerdings die staatsanwaltlichen Ermittlungen wegen der Leistungsprämie für Beamte. Die war bei der Stadt Bramsche, wie auch beim Landkreis und anderen Kommunen nicht vorschriftsgemäß ausgezahlt worden. Während andere in Deckung gingen, habe sie sich „relativ offen“ geäußert und es damit „bis in die Bild-Zeitung geschafft“, erinnert sich die angehende Ruheständlerin. In Bramsche habe es damals einige Personen gegeben, die sie deswegen „gern in die Pfanne gehauen hätten, um der SPD zu schaden“.

Diese Erfahrung hat es ihr auch schwer gemacht, sich mit einem anderen Alleinstellungsmerkmal ihrer Amtszeit zu arrangieren, auf das sie gern verzichtet hätte: Seit 2011 ist sie die erste SPD-Bürgermeisterin in Bramsche, die mit einer anderen politischen Mehrheit klarkommen muss. Insbesondere in der Auseinandersetzung um die Stadtmarketing GmbH muss sie sich Kritik aus den eigenen Reihen gefallen lassen, obwohl es für sie objektiv keine Alternative dazu gibt, die Wünsche der Mehrheit umzusetzen. Wenn die Wehmut vor dem Abschied allzu groß wird, hilft sicher der Gedanke an diese Phase, um sich doch ein bisschen auf das Rentnerdasein zu freuen.

Fehlen wird ihr dagegen mindestens ein großer Teil der vielen Termine, die sie als oberste Repräsentantin der Stadt wahrzunehmen hatte. Als Grußwortrednerin mit Witz und Schlagfertigkeit, als interessierte und offene Gesprächspartnerin mit Herzenswärme hat sie bei ungezählten Terminen Sympathiepunkte gesammelt. Dabei hat sie um ihre Person nie viel Aufhebens gemacht. Vielleicht hat ihr auch das so viel Anerkennung und Respekt über Orts- und Parteigrenzen hinweg eingebracht: dass sie nicht sich, sondern ihr Amt wichtig genommen hat.


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