Klavier, Keyboard, flinke Zunge Kabarett mit Martin Zingsheim in Bramsche

Von Sascha Knapek

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Martin Zingsheim 
              
              
            

            

              Foto: Sascha KnapekMartin Zingsheim Foto: Sascha Knapek

Bramsche. Klavier, Keyboard und eine flinke Zunge: Das sind die drei Herzstücke eines Auftritts von Martin Zingsheim. Der preisgekrönte Kabarettist nennt sich selbst den unehelichen Sohn von Simply Red und hält sich im Verlauf seines im „Filmtheater Universum“ präsentierten Programms „Opus Meins“ dann doch eher weniger mit Äußerlichkeiten auf. Zingsheim entlarvt mit sprachlichen Mitteln und nicht mit einer Aneinanderreihung von Schenkelklopfern. Das kommt beim Bramscher Publikum mehr als nur gut an.

Dass Sprache auch zum Problem werden kann, mahnt Zingsheim bei seinem Hasestadt-Debüt mehrfach an. Er legt den Finger gern in sprachliche Wunden und macht vor Belanglosem („ein paar Kretins über den Salat streuen“) ebenso wenig Halt wie vor Angela Merkels „Monopol auf Meinungsflexibilität“ oder „modernen Ablasshandel“ im Bio-Markt. Komödiantisch schwer verdauliche, aber genau aus diesem Grund begrüßenswerte Kabarettkost, baut er mittels eines Monologs über die EU-Flüchtlingspolitik ein. Hier bleibt das sprichwörtliche Lachen im Halse stecken und erfüllt gerade deshalb seinen Sinn und Zweck.

Zingsheim wechselt von musikalischen Einlagen zur Stand-up-Routine und bringt dadurch noch mehr Abwechslung in die vor allem sprachlich rasante Kabarettreise. Seinen gesunden Hang zum humoristischen Nonsens kommt er dabei genauso ausgiebig nach wie seiner Vorliebe zu Stimmimitationen. Exakt zur passenden Zeit verhackstückt er routiniert die Vorzeigenuschler Bob Dylan und Herbert Grönemeyer. Kurz darauf folgen die psychotischen Macken von Klaus Kinski, denen er das kindliche „Plitsch, Platsch“-Mantra von Herman van Veen gegenüberstellt. Tom Gerhardt zitiert er ebenso selbstverständlich wie Dostojewski.

Darüber hinaus liegt Martin Zingsheim, dem gebürtigen Kölner, die, wie er es ausdrückt, „dialektale Färbung“ sehr am Herzen. Seinen Heimatdialekt lässt er deshalb nicht nur bei einer aberwitzigen „Höhner“-Vertonung von Immanuel-Kant-Texten aufblitzen. Und auch auf Sächsisch vorgetragene Pointen baut der 30-Jährige zwischendurch immer wieder ein.

Am Ende seines Gastspiels hat Zingsheim sich dann noch etwas ganz Besonderes aufgehoben. Er schert kurz in sein Weihnachtsprogramm aus und gibt den formvollendeten Stimmimitator. Den schon vorgekommenen Dylan-, Grönemeyer-, van Veen- und Kinski-Parodien stellt der Kabarettist Sportkommentator Gerd Rubenbauer, Rapper Bushido, einen unbekannten Sachsen namens Ronny und Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki am Regiepult zur Seite, um ihre Version der „Weihnachtsgeschichte“ zu rezitieren. Zingsheim verwebt den unterschiedlichen Duktus der acht übergroßen Egos zu einer komischen Kakofonie der lauten und oft willkommen sinnfreien Töne. Ganz viel „Kaiserwetter“, ein abschließendes „Bochum im Stall“ und diverse Kauderwelschtiraden machen die Erzählung von Maria und Josef zum lachmuskeltechnischen Parforceritt. Danach folgt zwar noch ein Stück. Aber die Nonsensverabschiedung, die zu diesem sprachlich sehr unterhaltsamen Abend passt, liefert Martin Zingsheim schon kurz vor dem letzten Vorhang: „Frohe Weihnachten, Bramsche!“ Diesen Worten ist auch Mitte Oktober nichts mehr hinzuzufügen.


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